Schulsituation im Landkreis Regensburg: Geht es ohne drittes Gymnasium?

Von Thomas Kreissl · 8. August 2025 um 05:00

Gerade erst haben sich die Schüler der Gymnasien in Stadt und Landkreis Regensburg in die Ferien verabschiedet. Und so wie es derzeit aussieht, werden sie und alle, die neu an die Gymnasien wechseln, dort im Herbst auch wieder unterkommen. Doch wie sieht das in den nächsten Jahren aus – wenn ein drittes Landkreis-Gymnasium auf absehbare Zeit wohl nicht gebaut wird, weil das Geld dafür fehlt?

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Vor gut eineinhalb Jahren war die Sache eigentlich ausgemacht. Einstimmig votierte der Kreistag damals dafür, ein drittes Landkreisgymnasium im südlichen Landkreis zu bauen. Das Gremium war davon überzeugt, dass die randvollen Gymnasien in Stadt und Landkreis dringend eine Entlastung brauchen. Offen war damals nur noch eine Frage: Wo soll diese neue Schule entstehen?

Drei Gemeinden brachten sich in Stellung

Alteglofsheim, Obertraubling und Mintraching brachten sich in Stellung und wurden von der Landkreisverwaltung unter die Lupe genommen. Schließlich entscheidet das Kultusministerium ohne konkreten Standort nicht darüber, ob ein drittes Gymnasium im Landkreis überhaupt gebraucht wird.

Eine Standortentscheidung gibt es bis heute nicht – weil mittlerweile die einst so unumstößliche Notwendigkeit für das Projekt ziemlich wackelt. Schuld daran ist die angespannte Finanzlage. Der Landkreis kann sich die Vielzahl von Schulbaumaßnahmen nicht leisten, die sich noch 2023 auf dem ambitionierten Investitionsplan fanden. Immerhin kostet ein neues Gymnasium zwischen 60 und 80 Millionen Euro. Dazu kommen aller Voraussicht nach noch einmal 14 Millionen Euro für eine Sporthalle. Kein Wunder, dass das dritte Gymnasium zumindest im Augenblick dem Streichkonzert zum Opfer gefallen ist.

Ministerium soll den Bedarf prüfen

Trotzdem will die CSU das Projekt nicht gänzlich aus den Augen verlieren und forderte zuletzt im Kreistag die noch ausstehende Standortentscheidung ein. Bis Ende des Jahres soll demnach ein Standort für das dritte Gymnasium feststehen, um dann den konkreten Bedarf vom Kultusministerium prüfen zu lassen. „Wir wollen in der Sache weiterkommen“, erklärt dazu MdL Patrick Grossmann, der vor allem einen Lösungsansatz für den südlichen Landkreis im Blick hat.

Seiner Ansicht nach ist es längst nicht ausgemacht, dass die Maßnahmen funktionieren, die mittlerweile laufen, um die Platznot an den Gymnasien in den Griff zu bekommen und eine ausreichende Schulversorgung zu sichern. In einem Antrag zur letzten Kreistagssitzung verweist die CSU darauf, dass aktuelle Prognosen einen starken Einwohnerzuwachs prophezeien und durch die Umstellung auf das G9 zusätzliche Klassen nötig seien.

Jetzt zu planen und dann nicht zu bauen, macht allerdings nach Ansicht von Landrätin Tanja Schweiger nicht viel Sinn. „Wir müssen die Kapazitäten an den Stellen schaffen, die finanziell zumutbar sind“, macht sie deutlich. Sie verweist hier auf die aktuell laufende Erweiterung des Lappersdorfer Gymnasiums, wo im Augenblick vier neue Klassenzimmer entstehen und dann vier weitere folgen sollen. Die Lappersdorfer Schule wird damit annähernd 4,5-zügig ausgebaut.

Das Ziel: Fünf Züge in Lappersdorf

Doch damit nicht genug. Der Landrätin schwebt vor, das Lappersdorfer Gymnasium letztlich sogar auf fünf Züge zu erweitern. Schon jetzt wird zudem auch das Neutraublinger Gymnasium bei den Klassenzimmern auf 6,5-zügig erweitert. Zudem steht die Kreisverwaltung laut Schweiger am Anfang von Gesprächen mit der Stadt Regensburg, um die Frage zu klären, wo weitere Kapazitäten geschaffen werden können. Für den Bau eines dritten Gymnasiums sieht Schweiger derzeit keinen Spielraum. Die Kreisverwaltung rechnet hierzu vor, dass der Landkreis bis zur Inbetriebnahme dieser neuen Schule rund 70 Prozent der Baukosten finanzieren müsste. Als Planungs- und Bauzeit werden ab der Genehmigung vier Jahre veranschlagt. Laut Schweiger würden allein Zins und Tilgung für dieses Projekt die Kreisumlage um zwei bis drei Prozentpunkte nach oben treiben.

Der Schulausschuss tagt im Herbst

Die sich Anfang 2024 abzeichnende dramatische Haushaltslage hatte damals zur Zurückstellung wichtiger Schulbauprojekte geführt. Alle damals noch nicht begonnenen Projekte wurden auf Eis gelegt, um einen genehmigungsfähigen Haushalt zu bekommen. Dazu zählten nicht nur das dritte Gymnasium, sondern auch viele notwendige Maßnahmen an den bestehenden Schulen. „Wir haben 2024 alle Stecker gezogen“, betont Schweiger.

Wie sich das auf die Schulsituation im Landkreis auswirkt, soll im Schulausschuss des Kreistags im Herbst erörtert werden. Hier kündigt die Landrätin auch einen Bericht über die Schülerprognose und den Fortschritt der laufenden Baumaßnahmen an. Und auch der CSU-Antrag zur Standortentscheidung für das dritte Gymnasium soll dann behandelt werden.