Lagerplatz für Großbaustelle sorgt für Verdruss – Stadtwerke Burglengenfeld wehren sich

Von Thomas Rieke · 11. Oktober 2025 um 05:00

Seit Anfang April herrscht in der Eichenstraße rege Bautätigkeit. Die Stadtwerke (SWB) lassen den Kanal und die Wasserleitungen erneuern sowie Hausanschlüsse austauschen. Rund 700.000 Euro werden dafür ausgegeben. Am Sinn dieser Investition zweifelt niemand. Die alten Leitungen waren marode. Und doch gibt es von Bürgern harte Kritik.

Die Situation ist Folgende: Damit die Eichenstraße, deren Infrastruktur auf einer Länge von rund 400 Metern saniert wird, im Notfall für den Rettungsdienst passierbar ist, wurde beschlossen, Aushub und neues Material möglichst nicht vor Ort zu deponieren. Als Zwischenlagerplatz dient, rund hundert Meter entfernt, ein Eckgrundstück, das auch an den Lärchenweg grenzt.

Bis vor wenigen Jahren war dieses Grundstück mit einem netten Bungalow bebaut, was perfekt zum Wohngebiet passte. Dann aber wurde es von einem Unternehmer aus dem Städtedreieck erworben. Seine Absicht ist es nach Informationen der MZ eigentlich, darauf mehrere Reihenhäuser zu errichten. Doch weil die Zeit dafür noch nicht reif ist, nutzt er die Fläche vorübergehend für betriebliche Zwecke.

Mindestens zum zweiten Mal schon hat er die Fläche einer anderen Firma zur Verfügung gestellt – aktuell einem Tiefbauspezialisten aus dem Landkreis, den die Stadtwerke mit den Kanalarbeiten beauftragt haben. Das heißt: Seit dem Frühjahr werden auf dem Grundstück teils schwere Baumaschinen bewegt; sie schaufeln, verladen auf oder kippen ab, was teils sehr laut sein kann.

Der Stress geht an die Nieren

Ein Anlieger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, beschreibt die Situation als große nervliche Belastung, die ihn mittlerweile sehr dünnhutig habe werden lassen. Jedes Mal, wenn ein schwerer Asphaltbrocken auf die stählerne Ladefläche eines Dreiachsers knalle, zucke er zusammen, bekomme sogar Herzrasen, sagt der Burglengenfelder. Diesen Sommer sei es für ihn definitiv unmöglich gewesen, tagsüber den eigenen Garten zu nutzen. Immer wieder habe er es probiert, doch nach kurzer Zeit habe er sich frustriert zurückgezogen.

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Der Mann steht nicht alleine. Auch ein Anlieger aus der benachbarten Lindenstraße erlebt die Bauarbeiten als pure Zumutung. Beide Kritiker betonen, dass sie natürlich nichts dagegen hätten, wenn die Stadtwerke mit den Sanierungsarbeiten ihre Pflicht erfüllten. Die Frage sei nur, ob sich die Baustelle nicht anders hätte managen lassen – und ob es wirklich erforderlich gewesen sei, das Lager auf dem früheren Bungalow-Grundstück einzurichten. Schließlich dürfe man nicht vergessen, dass genau diese Parzelle schon mehrere Jahre „zweckentfremdet“ worden sei – größtenteils für Maßnahmen, von denen die direkten Anlieger überhaupt keinen Vorteil gehabt hätten.

Kritiker fühlen sich nicht ernst genommen

Weil Lärm und Staub heuer unerträglich geworden seien, wandten sich die Bürger hilfesuchend unter anderem an den Vorstand der Stadtwerke, Johannes Ortner. Anfangs, so berichten die Anlieger, hätten sie durchaus den Eindruck gehabt, als wären sie mit ihrer Kritik bei ihm auf offene Ohren gestoßen. Mehrfach habe Ortner signalisiert, er wolle sich der Sache annehmen und schauen, wie sich die Situation erträglicher gestalten ließe. Am Ende sei von Verbesserungen aber nichts zu spüren gewesen, heißt es. Dadurch sei das Gefühl entstanden, „dass wir denen eigentlich egal sind“, bringt es ein Mann auf den Punkt.

Ortner widerspricht dem entschieden. In einer längeren Stellungnahme, die er der Redaktion schriftlich zukommen ließ, betont der SWB-Vorstand, Anregungen und Beschwerden „jederzeit sehr ernst zu nehmen“. In konfliktträchtigen Situationen suchten die Stadtwerke in Abstimmung mit der ausführenden Baufirma „stets direkt nach einer Lösung“.

Die beauftragte Firma hat sich im Rahmen des Möglichen stets kompromissbereit gezeigt.

Johannes Ortner, Vorstand der SWB

Dabei sei jedoch zu berücksichtigen, dass betriebliche Änderungen in der Bauorganisation nicht immer innerhalb weniger Tage umgesetzt werden könnten. Daraus könnte, so räumt Ortner ein, der Eindruck entstanden sein, Absprachen oder Beschwerden würden nicht beachtet. Tatsächlich aber sei das Gegenteil der Fall. Die beauftragte Firma habe sich „im Rahmen des Möglichen stets kompromissbereit gezeigt“. Für die Stadtwerke Burglengenfeld sei das Unternehmen „seit Jahren ein zuverlässiger Partner“.

Unterdessen hadert der Chef der Tiefbaufirma mit den kritischen Anliegern. Sie hätten alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Verlauf der Arbeiten durch verschiedene Instanzen prüfen zu lassen. Mehrfach habe man auch darauf reagiert und zum Beispiel versucht, die Logistik am Lagerplatz zu optimieren. Das habe die Firma durchaus eine Stange Geld gekostet.

Firmenchef dreht Spieß um

Unterm Strich seien die Klagen unberechtigt, meint der Unternehmer. In fast 30 Jahre seiner Tätigkeit habe er nichts Vergleichbares erlebt. Sollte sich Ähnliches wiederholen, müsse die Stadt Burglengenfeld damit rechnen, dass sie keine Firma mehr finde, die bereit sei, solche Aufträge zu übernehmen. Aufträge, bei denen sich gewisse Beeinträchtigungen nicht vermeiden ließen.

Seitens des Landratsamts war zu erfahren, ein Umweltingenieur habe die Situation unter die Lupe genommen. Dabei hätten sich aber keine Anhaltspunkte für ein Überschreiten von Lärmgrenzwerten ergeben. Dennoch habe die Behörde die Stadtwerke und die Tiefbaufirma hinsichtlich der Geräuschentwicklung „sensibilisiert“.

Auf diesem Grundstück stand bis vor wenigen Jahren ein Bungalow. Seit dessen Abriss dient die Fläche in direkter Nachbarschaft zu Wohngebäuden Baufirmen wiederholt als Lagerplatz. - Foto: Thomas Rieke

Die aktuelle Maßnahme in der Eichenstraße wird in wenigen Wochen abgeschlossen sein. Der Blick der Anlieger in der Eichenstraße und aus dem Lärchenweg richtet sich unterdessen bereits auf 2026. Dann soll die Straße, in der jetzt Rohre und Leitungen verlegt werden, asphaltiert werden. Das besagte Eckgrundstück könnte also erneut zum Lagerplatz werden.

Mit dieser Befürchtung konfrontiert, versichert SWB-Vorstand Ortner, die Stadt werde „frühzeitig das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen, um Ersatzlagerflächen abzustimmen und die Belastungen bestmöglich zu verteilen“. Dieses Vorgehen gehöre „zu den Standardprozessen einer jeden Baumaßnahmenvorbereitung“.

Im Anschluss dürfte die Zeit des Lagerplatzes ohnehin abgelaufen sein. Wie der Grundbesitzer bestätigt, ist der Bebauungsplan, den die Stadt für das gesamte Viertel aktualisierte, nun so gut wie fertig. Damit sei die Chance auf eine Genehmigung der angestrebten Nachverdichtung deutlich gewachsen.