Bekommt Kelheim bald ein „Frauen-Taxi“? Das ist dazu bislang bekannt

Von Beate Weigert · 11. Oktober 2025 um 19:00

Der Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises weckt Interesse bei Kelheims Kommunalpolitikern für ein Pilot-Projekt. Auch die Zielgruppe beim bestehenden Taxi-Gutschein-Projekt wird erweitert.

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Viele große und auch kleinere Städte haben es bereits – ein Frauen-(Nacht-)Taxi. Ab 2026 will auch Kelheim zusammen mit dem Landkreis solch ein Projekt auf die Beine stellen - zumindest testweise.

Christian Gabler, der Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Kelheim, stellte im Hauptausschuss die Idee vor. Bereits im Vorfeld war er im Rathaus auf Interesse gestoßen. Zum bestehenden Taxi-Gutschein-Projekt, das sich an Senioren und Menschen mit Handicap richtet, könnte die Kreisstadt das Angebot um ein „Frauen-Taxi“ erweitern, findet Gabler. Dabei könnten Kreisstädterinnen Gutscheine nutzen und so sicher in den Abend- und Nachtstunden nach Hause kommen.

Mulmiges Gefühl

Christian Gabler kennt das Projekt „Frauen-Taxi“ seit Studientagen. In Innsbruck habe er dieses kennengelernt, sagte er im Hauptausschuss. In der Tiroler Stadt gibt es das Angebot bereits seit 30 Jahren. Eine schwere Vergewaltigung war der traurige Anlass dieses ins Leben zu rufen, so Gabler.

Einen derartigen Anlass wolle man in Kelheim gewiss nicht haben. Immer wieder werde ihm hier mitteilt, dass sich Frauen etwa zu Volksfestzeiten unwohl fühlten, wenn sie allein durch dunkle Gassen nach Hausen gehen müssten.

Damit in der Kreisstadt 2026 ein „Frauen-Taxi“ getestet werden könnte, würde die Gleichstellungsstelle des Landkreises 750 Euro zur Verfügung stellen, sagte Gabler. Wenn die Stadt dieselbe Summe im Haushalt reserviere, könnten rund 350 Frauen von dem nächtlichen Taxi-Projekt profitieren. Den Druck der Gutscheine würde das Landratsamt übernehmen.

Muss man das Budget deckeln?

Mit Blick auf die Erfahrung der Landeshauptstadt München sei es sinnvoll das Budget zu „deckeln“, betonte Gabler. Sprich wenn die insgesamt 1500 Euro ausgeschöpft seien, würden keine weiteren Gutscheine ausgegeben.

München hatte im Frühjahr das Angebot von 10-Euro-Gutscheinen gestoppt. Nach einer mäßigen Nachfrage im Vorjahr waren allein im Januar und Februar an die 600 Prozent mehr Coupons gefragt gewesen. Die Kosten liefen aus dem Ruder, weil sie nicht gedeckelt gewesen seien.

Gerne wolle man das Projekt initiieren, aber ohne in eine Kostenfalle zu tappen. Laut Lena Plapperer gibt es in der Kreisstadt und den Ortsteilen 7500 Frauen und Mädchen, die älter als 16 Jahre sind. Rechne man alle heraus, die älter als 70 Jahre sind – weil sie ja bereits von den bestehenden Taxi-Gutscheinen profitierten – blieben an die 6000 potenzielle Nutzerinnen.

Bürgermeister Christian Schweiger zeigte sich offen für einen Test, schickte aber hinterher: „Wir müssen nach einem Jahr dann aber auch ehrlich sein: Wenn der Bedarf nicht da ist, müssen wir uns von dem Angebot wieder trennen.“

In seinen Augen solle das Angebot für „Notfälle“ existieren. „Wichtig ist, dass es kein Voll-Gutschein ist, damit nicht der Eindruck entsteht, das ist ein ,Voll-Service‘.“

Mit einer Gegenstimme war die Mehrheit im Ausschuss dafür, dass die Verwaltung einige konkrete Bedingungen ausarbeitet, wie und von wem die Gutscheine genutzt konkret werden könnten. Dann solle der Stadtrat diskutieren, für welche Variante man sich entscheide.

Sollte das Test-Jahr in Kelheim gut laufen, könne das Angebot auf weitere Städte im Landkreis ausgedehnt werden, merkte Christian Gabler an.

Bereits seit drei Monaten läuft das Projekt „Taxi-Gutscheine“ als Alternative zum eingestellten Stadt-Kexi für Senioren und Schwerbehinderte. Dass die Gutscheine bislang nur in relativ geringem Maße gefragt sind (s. Infostück), führt Lena Plapperer auf die Anlaufphase zurück. Sie geht aber davon aus, das der Bedarf im Winter noch steigen werde.

Künftig mehr Berechtigte

Weil das Budget bislang kaum ausgereizt ist, beschloss der Hauptausschuss (ebenfalls mit einer Gegenstimme), den Berechtigtenkreis noch zu erweitern.

Alle Kelheimer, die im Schwerbehindertenausweis das Merkzeichen H (Hilflosigkeit) und TBI (Taubblind) haben, können sich über Betreuer oder Angehörige mit der Stadt in Verbindung setzen. Laut Plapperer seien an die 200 Personen im Stadtgebiet davon betroffen. Allerdings sei eine direkte schriftliche Benachrichtigung aus Datenschutzgründen nicht möglich. Wer in der Tourist-Info die entsprechenden Nachweise vorlege, könne Gutscheine abholen, hieß es.

So läuft es mit den Taxi-Gutscheinen in Kelheim

• Drei-Monats-Bilanz: Seit Ende Juni ist der Stadt-Kexi eingestellt. Als „barrierefreie und sozialverträgliche Mobilitätsalternative“ installierte die Stadt Taxi-Gutscheine für Senioren ab 70 Jahren und Bürger mit Schwerbehindertenausweis.

• Budget: Für das zweite Halbjahr stellte die Stadt für das Angebot 60.000 Euro im Haushalt ein. 2801 Senioren und 115 Einwohner mit Handicap waren von der Stadt angeschrieben worden.

• Nutzer: In den ersten drei Monaten holten laut Lena Plapperer 299 Senioren und 26 Schwerbehinderte die fünf möglichen Gutscheine ab. Insgesamt seien es 1885 Gutscheine gewesen. Bereits eingelöst wurden erst 166 Stück.

• Kosten: Pro Gutscheine schieße die Stadt 4,50 Euro zu, somit liegt der Zuschussaufwand bislang bei 747 Euro. Würde alle ausgegebenen Gutscheine eingelöst, entstünden Kosten von knapp 8500 Euro. Hinzu kamen 1030 Euro für die Herstellung der Gutscheine, so Plapperer.