Seit 57 Jahren ist Resi Scheitinger (72) im Geschäft und denkt nicht ans Aufhören

Das Renteneintrittsalter ist ein momentan heiß diskutiertes Thema. Für Resi Scheitinger ist es dagegen keine Frage, dass sie auch mit 72 Jahren noch täglich im Laden steht und die Kunden, nicht nur bedient, sondern immer auch einen kleinen Tipp für ein besonderes Schmankerl parat hat.
Viele von ihnen sind Stammkunden, wie sich an der persönlichen, namentlichen Anrede leicht erraten lässt. Das eröffnet dann immer die Möglichkeit für einen kurzen Ratsch, als Ergänzung zum Einkauf von Fleisch- und Wurstwaren. Bis vor drei Jahren waren Resi Scheitinger und ihr Ehmann Johann (79) auch noch die Chefs der Traditionsmetzgerei in der Neunburger Altstadt. Inzwischen hat ihre Tochter, Sandra Wallitscheck mit ihrem Gatten Mario, die Geschäftsführung übernommen.
„Am 1. August 1969, hatte ich hier meinen Einstand als Haushaltshilfe“, erzählt Resi Scheitinger. Ihre Wurzeln liegen auf einem Bauernhof. Die Familie Scheitinger hatte das ursprüngliche Gasthaus mit Metzgerei 1946 von der Familie Ettl übernommen, die es ihrerseits 1883 vom Vorbesitzer Baumgärtner gekauft hatte. Weil das Gasthaus, vor allem für den Leichenschmaus und andere Großveranstaltungen, sehr beliebt war, half sie hier gerne als Bedienung aus.
Prominenz an der Theke
Als die Metzgerei umgebaut und erweitert wurde, seien auf einmal auch Verkäuferinnen gefragt gewesen. Dies habe sie als Chance gesehen und sich entsprechend weitergebildet. „Ich wollte einfach über alles genau Bescheid wissen und habe deshalb viele Kurse besucht“, sagt sie.
Ich wollte einfach über alles genau Bescheid wissen und habe deshalb viele Kurse besucht.
Resi Scheitinger, Seniorchefin
Um zu lernen habe sie sogar in einer Regensburger Metzgerei gearbeitet. „Da hat es schon viele Singlehaushalte gegeben und ich musste mich erstmal an kleinere Mengen von 80 oder 100 Gramm für Wurst oder Aufschnitt gewöhnen.“ Gefallen habe ihr nicht, dass sich die Leute dort gern über alles Mögliche, egal ob berechtigt oder unberechtigt, beschwert hätten.
Zu einem echten Hobby habe sich bei ihr im Laufe der Zeit der Party-Service und das Catering entwickelt. Auch dafür habe sie viele Kurse besucht, um die Feinheiten kennen zu lernen. Jede Menge Diplome in ihrer Wohnung zeugten davon. In dem Zusammenhang blickt sie gern ein wenig stolz auf ihre Kontakte mit Prominenten zurück.
Elsa Käfer, Mitbegründerin von Feinkost Käfer in München, habe hier schon eingekauft, ebenso wie der Schauspieler Walter Sedlmayer. „Dem hat die Realschullehrerin Christiane Altrichter immer ein Wurstpaket mit nach München nehmen müssen“, schilderte sie mit einem Schmunzeln. Ebenfalls zu den Stammkunden zählte der gebürtige Neunburger Karl Strobel, der als Leiter der beliebten Sendung „Zwischen Spessart und Karwendel“ beim Bayerischen Rundfunk Karriere gemacht hatte. Er sei immer vorbeigekommen, wenn er in seinem Neunburger Ferienhaus gewesen sei.
Kuriosität beim Catering
Bei den Caterings kam es schon zu der einen oder anderen Kuriosität. So wünschte sich Dr. Rudolf Spranger, der Urologe am Rodinger Krankenhaus, zur Feier der Einführung des ersten Nierensteinzertrümmerers, einen Nussknacker als Deko für das Büffet. „Das hat zwar nicht zur Jahreszeit gepasst, aber alle hatten danach ihren Spaß“, meinte Scheitinger. Einmal wollte sie, „aus Angst vorm Versagen“, sogar beinahe einen Auftrag von drei Haushaltslehrerinnen aus Laaber ablehnen. Letztendlich seien diese aber danach voll des Lobes gewesen.
Zu den großen Stationen in ihrem Berufsleben zählten natürlich die Hochzeit mit Johann 1975, der Erwerb des Nachbargebäudes, des Café Sauerer, und der daraus resultierende Umbau mit Erweiterung. „Ich glaube wir sind die einzige Metzgerei in der Gegend, wo man vom eigenen Parkplatz per Aufzug direkt im Laden landet“, ist sie sich sicher.
Ans Aufhören denkt Resi Scheitinger nicht. Sie befürchtet in dem Fall vielmehr eine schwere Krankheit: „Menschenentzug“.