Effizient und nachhaltig: In Kümmersbruck wachsen Fische und Pflanzen in einer Anlage

Die Ferkelzucht allein wurde ihm zu unsicher, also hat sich Simon Donhauser (32) aus Kümmersbruck (Landkreis Amberg-Sulzbach) ein zweites Standbein gesucht: Aquaponik. Das Konzept soll die Vorteile von Fischzucht und Pflanzenzucht vereinen. Im Interview erzählt er, wie die Anlage funktioniert und warum er trotz vieler positiver Rückmeldungen einen harten Kampf führen muss.
Plötzlich spritzt es durch den ganzen Stallraum. Die Fische im Kescher von Simon Donhauser zappeln wild, als er sie aus dem Wassertank holt. „Jetzt müssen wir erst einmal klären, wer hier gerade der Chef ist“, sagt der 32-jährige Landwirt und lacht. Aber gut: Vom wohligen, 27 Grad warmen Wasser in die herbstliche Kälte zu müssen, ist nun wirklich nicht angenehm.
Nach kurzer Zeit werden die Fische ruhiger und Donhauser kann einen in die Hand nehmen und herzeigen. Es sind Afrikanische Schwarzwelse. „Die sind verwandt mit dem Wels bei uns daheim“, erklärt der Junglandwirt und setzt die Fische zurück ins Wasser. Insgesamt schwimmen 120 Welse in dem Tank, der zu einer Aquaponik-Anlage auf dem Hof im Kümmersbrucker Ortsteil Moos gehört.
Auquaponik ist eine Kombination aus Fischzucht und einem Konzept, in dem Pflanzen nicht in Erde, sondern im Wasser angebaut werden. In seiner Anlage verwendet Donhauser für die Pflanzen das Wasser, in dem zuvor die Fische geschwommen sind.

Das hat Vorteile: Bei einer reinen Fischzucht würde mehr Abwasser entstehen, bei einem reinen Pflanzenanbau im Wasser müsste er dagegen künstliche Nährstoffe hinzufügen. „Und hier kann ich das Wasser wiederverwenden und zugleich hat es dank der Fische viele natürliche Nährstoffe. Das ist eine Win-Win-Situation“, erklärt Simon Donhauser.
Wasser wird durch Filter aufbereitet
Die Idee dazu kam ihm 2014 während seiner Masterarbeit zum Landwirtschaftsmeister. Eigentlich betreibt die Familie Donhauser Ferkelzucht. „Aber während Corona sind die Preise für Schweine so gesunken, dass wir überlegt haben, damit aufzuhören und auf sowas zu setzen.“ Zuletzt wurde die Situation jedoch besser, sodass Aquaponik nun das zweite Standbein sein soll. Donhauser lobt vor allem die Effizienz der Anlage. Das Wasser wird durch Filter immer wieder aufbereitet. Einen dieser Filter bietet sogar das Gemüse selbst. „Es reinigt das Wasser und nimmt Nitrat raus. Denn davon sollten die Fische nicht zu viel im Wasser haben.“
Die Schwarzwelse holt sich Donhauser aus Oberösterreich. Denn der nächste Züchter lebt erst dort. Fünf bis zehn Gramm haben die Fische. Donhauser mästet sie, sodass sie innerhalb von sechs Monaten 1,6 Kilogramm schwer sind. Der Wassertank ist für sie dennoch nicht zu klein – im Gegenteil. „Haben die Welse viel Platz, entwickeln sie ihr natürliches Territorialverhalten. Dann würden sie sich angreifen“, so Donhauser.

Landen die Welse später auf dem Teller, gibt es ebenfalls Vorteile, weiß der Landwirt: Sie sind grätenfrei, haben eine feste Struktur und eignen sich gut für Grill, Ofen und Pfanne. Das Gemüse kann derweil in sogenannten Netztöpfen wachsen, die in den Rohren über den Anlage stecken. Die Pflanzen haben Wasserwurzeln. Theoretisch wären Kräuter, Salate und Blattgemüse möglich, Donhauser belässt es aber bei Zierpflanzen. „Dafür verwendet meine Mutter das Fischwasser für das Gemüse im Garten. Laut ihr wächst es dadurch deutlich besser“, sagt er. Zudem wäre künstliches Licht nötig und das will er in dem kleinen Stallraum nicht.
Denn das volle Potenzial entfalten kann das Konzept dort ohnehin nicht. Das liegt laut Donhauser an einem Teil von seinen Nachbarn. Eigentlich plant er eine größere Anlage – und hat seine Pläne schon politischen Instanzen vorgestellt. „Da klopfen mir alle auf die Schulter, aber den Rücken stärkt mir bei den Diskussionen mit den Nachbarn niemand“, sagt er. Die Gegner der Anlage würden befürchten, dass die geplante Halle für Fischzucht und Schlachtung sowie das Gewächshaus die Sicht versperren. Donhauser kann das nicht nachvollziehen. „Dann könnte man ja gar nichts bauen.“
Jeder will regionales Essen, aber keiner will einen Schweinestall vor der Tür haben. Das ist zu kurz gedacht.
Simon Donhauser, Landwirt aus Kümmersbruck
Anders als bei einem klassischen Stall gebe es kaum Geräusche und Gestank, nicht viel Lieferverkehr und auch der Energiebedarf sei niedrig. „Und bisher gab es keinen, der meine Idee nicht gut fand“, sagt er – abgesehen von manchen Nachbarn. Auch ein Landgasthof würde seine Welsfilets abnehmen und auf der Homepage des Hofes werden sie auch zum Kauf angeboten. Simon Donhauser sieht in dieser Debatte ein grundsätzliches Problem: „Jeder will regionales Essen, aber keiner will einen Schweinestall vor der Tür haben. Das ist zu kurz gedacht.“ Mit seiner Anlage will er etwas Nachhaltiges für die Region schaffen. „Natürlich geht Aquaponik auch klein, aber mein Plan ist eine große, helle Halle. Und da will ich mich nicht aufhalten lassen.“