Sieben Premieren, ein Motto: Ovigo stellt den neuen Spielplan vor

Von Maria Schmidt · 7. Oktober 2025 um 12:04

Allein für 2026 hatte die Theatergruppe rund 100 grandiose Werke zur Wahl, sagt Intendant Florian Wein. „Am Ende mussten wir sieben auswählen – und genau darin steckt die Essenz: Die Zeit reicht nie für alles.“

„Die Zeit, die uns bleibt“ – unter diesem Motto startet das Ovigo Theater in das neue Spieljahr. Und kaum ein Satz könnte besser den Kern des Programms beschreiben. Michael Endes Klassiker „Momo“ fragt, wem wir die Zeit eigentlich schenken. Das Kinderstück „Nur ein Tag“ erzählt mit Leichtigkeit und Traurigkeit zugleich vom kurzen Leben einer Eintagsfliege. Und in der Komödie „Kalter weißer Mann“ wird eine Beerdigung zum Schauplatz für Macht- und Geschlechterkonflikte. So kreist jede Produktionen auf ihre eigene Weise um die Frage, wie wir mit unserer begrenzten Lebenszeit umgehen – mal komisch, mal verspielt, mal ernsthaft.

Das Motto, das sich nach Auswahl des Spielplans herauskristallisierte, hat auch einen persönlichen Hintergrund, erzählt Intendant Florian Wein im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern, vor der Spielplanvorstellung am Dienstag in Nabburg: „Allein für 2026 standen rund 100 grandiose Werke zur Wahl. Am Ende mussten wir sieben auswählen – und genau darin steckt die Essenz: Die Zeit reicht nie für alles.“ Florian Wein lacht. „Auch mein persönlicher Stückkatalog umfasst inzwischen mehr, als ich in meinem Leben jemals auf die Bühne bringen kann.“

Die Palette reicht von spannenden Neuheiten über Publikumslieblinge, die verlängert werden. Besonders gespannt sein darf man auf den Psychothriller „Das Experiment“. Die Regensburger Regisseurin Henriette Heine, neu im Ovigo-Team, bringt die wahre Geschichte des Stanford Prison Experiments auf die Bühne: 1971 wurden Studenten in einem Scheingefängnis in Wärter und Gefangene unterteilt – mit erschreckenden Folgen. Bereits nach zwei Tagen eskalierte die Situation und beendete das Experiment frühzeitig.

Neuheiten und alte Lieblinge

Deutlich leichter geht es bei „Robin Hood“ zu. Der ebenfalls aus Regensburg stammende Theaterpädagoge Manuel Knoll präsentiert das Familienstück auf Schloss Burgtreswitz bei Moosach. Beide Produktionen starteten im September mit sogenannten Kennelern-Workshops. „Wir nennen das bewusst nicht Casting“, erklärt Wein „Schließlich ist es erst mal ein gegenseitiges Beschnuppern. Es muss für beide Seiten passen!“ Eine echte Premiere im Spielplan ist das Format „Ovigo Sings“: Konzertabende mit theatralischen Elementen. Den Auftakt macht die Produktion „Unstillbare Gier... nach Musical!“, bei der Sängerin Franziska von Hülst und Pianist Andreas Lehmann Einblick in die Welt ihrer liebsten Musicals geben.

Für Krimifreunde bleibt die erfolgreiche „Dinner mit Killer“-Reihe ein Highlight. Das neue Stück „Tod im Beichtstuhl“ entführt die Gäste in die Mafia-Welt im Chicago der 1930er – stilecht mit mehrgängigem Menü.

Auch einige Erfolgsstücke kehren zurück. Das Monty-Python-Musical „Spamalot“, das größte Projekt der Ovigo-Geschichte, steht erneut auf dem Spielplan. Und auch „SAD-88“, die bewegende Auseinandersetzung mit dem rechtsextremen Brandanschlag in Schwandorf im Jahr 1988, bleibt fester Bestandteil im Programm. „Das ist eines meiner Herzensprojekte“, sagt Wein. „Gerade weil die Thematik nichts an Aktualität verloren hat.“

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Auch die beliebten „Zeitreisen“ werden wieder angeboten. Ursprünglich eine innovative Idee zu Pandemiezeiten, sind die Erlebnisführungen mit Schauspiel, etwa jährlich zur Burg Murach am Tag des offenen Denkmals, längst fester Bestandteil des vielfältigen Angebots.

Doch wie gelingt es überhaupt, ein so umfangreiches Programm mit überwiegend ehrenamtlichen Kräften zu stemmen? „Mit Engagement. Es geht um Dinge, die Geld gar nicht aufwiegen kann: Zusammenwachsen, gemeinsames Erleben, Leidenschaft. Und der Erfolg zeigt, dass es funktioniert.“ Wein selbst konnte nach mehreren Jahren ehrenamtlicher Arbeit 2023 zum ersten hauptamtlichen Intendanten von Ovigo ernannt werden.

Das Gemeinschaftsgefühl ist stark

Der Zusammenhalt ist wohl auch das Erfolgsgeheimnis des Theaters, das in den vergangenen Jahren so schnell gewachsen ist. „Bei uns gibt es kein Abo auf Hauptrollen. Man begegnet sich auf Augenhöhe“, sagt Florian Wein. Neue Mitglieder seien genauso willkommen wie alte Hasen. Dass der Spaß nicht zu kurz kommt, zeigt eine Anekdote, die der Intendant erzählt: „Bei Spamalot hatten wir ein Probenwochenende mit Dresdner Theaterfreunden. Nach drei Tagen voller Proben und Karaoke stand plötzlich ein halbes Stück – und eine echte Gemeinschaft.“

150 Vorstellungen an über 50 Spielorten

Der Name Ovigo ist eine Fusion: Ovi für Oberviechtach und ogo für das Ortenburg-Gymnasium, die Geburtsstätte des Theaters. 23 Produktionen, darunter sieben neue, stehen 2026 auf dem Spielplan. 165 Aufführungen an über 50 Spielorten in der Oberpfalz stehen bereits fest. Ungefähr 250 ehrenamtliche Helfer umfasst das Ensemble, davon 170 Schauspieler.