Regensburgerin stellt einen Dichter im Ausnahmezustand vor

Von Maria Schmidt · 7. Oktober 2025 um 11:35

„Töne im Tumult“: Lydia Schieth legt ihr neues Buch über E.T.A. Hoffmann vor - kein wissenschaftliches Werk, sondern ein spannender Roman, der sich nah am Leben des Romantikers orientiert.

Sachsen am Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Napoleonischen Befreiungskriege zerrütten das Land, Gewalt und Unterdrückung sind an der Tagesordnung. Mittendrin E.T.A. Hoffmann, begnadeter Jurist, Dichter, Komponist. Aber auch verarmt, der Ehefrau untreu und dem Wein zugeneigt. So beginnt Lydia Schieths Erzählung „Töne im Tumult. E.T.A Hoffmann in Sachsen“.

Der neue Roman der Regensburger Autorin ist kürzlich erschienen. Nach zwei Jahren des Schreibens erging es ihr wie vielen anderen Autorinnen und Autoren: Die Suche nach einem passenden Verlag gestaltete sich schwierig, ein Verlag sorgte sich um die Zielgruppe. Beim Namen E.T.A. Hoffmann denken manche an einen wissenschaftlichen Zugang – das Buch ist allerdings ein spannender Roman, der sich nah am Leben des Dichters orientiert.

Hoffmann in Dresden: Er brauchte einen Brotberuf

Reine Fiktion sind nur einige Nebencharaktere und natürlich die Gedanken und Gefühle Hoffmanns (1776-1822) und seiner Frau Mischa. Aus beider Perspektive ist die Geschichte erzählt. So lässt Schieth Hoffmann über seinen erzwungenen Aufenthalt in Dresden nachdenken: „Er braucht einen Brotberuf, neue Einnahmequellen. Er möchte dirigieren, darf aber nicht zu seinem Ensemble reisen. Der eingesperrte Musikdirektor, festgenagelt in Dresden. Seit vierundzwanzig Tagen Stillstand. Soll er versuchen, heimlich nach Leipzig zu reisen? Wie lange hält er diesen Wartezustand aus?“

Soldaten und Kriegsblockaden hindern das Ehepaar an der Weiterfahrt nach Leipzig. Dort sollte Hoffmann eine lang ersehnte Anstellung als Musikdirektor antreten. Der Krieg und die damit einhergehenden Geldsorgen sind in der Geschichte omnipräsent.

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Dies war auch der Auslöser für die Erzählung, erklärt Lydia Schieth im Gespräch. Die Berichte über die Ukraine hatten für sie die Frage aufgeworfen: Wie leben Menschen zu so schrecklichen Zeiten? Darauf bezieht sich auch ein Satz aus dem Klappentext des Buches: „Wenn Krieg und Kampf alles andere zerstören, bleibt am Ende immer noch die Kunst...“

Dankbar ist die Schriftstellerin für die Unterstützung der E.T.A. Hoffmann Gesellschaft, deren aktives Mitglied sie ist. Ihre Zusammenarbeit mit dem bekannten Hoffmann-Illustrator Steffen Faust machte das Werk schließlich perfekt. Schieth und Faust lernten sich auf einer von der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft organisierten Reise nach Polen kennen – dem Geburtsort von Hoffmanns Frau. Steffen Faust, vom Manuskript sofort begeistert, erklärte sich bereit, die Kapitel und das Cover zu illustrieren.

Lydia Schieth hat schon neuen Stoff auf dem Schreibtisch

Wenn die pensionierte Gymnasiallehrerin nicht gerade schreibt, ist sie viel auf Reisen. Einen großen Teil des Romans verfasste sie auf einem Bauernhof im Chiemgau , mit wunderschönem Blick auf die Berge.

Langeweile kommt nicht auf: Demnächst plant sie eine Veröffentlichung zu den Romanen der Schriftstellerin Friederike Henriette Christiane Eugenie John (1825-1887). Diese zählte unter dem männlich klingenden Pseudonym E. Marlitt zu den meistgelesenen deutschen Romanautoren ihrer Zeit. Gleichzeitig arbeitet Schieth an einem Roman, der in Regensburg spielen wird.

Im Gespräch erzählt sie: „Ich bin begeisterte Ruheständlerin, die aber gerne an die Zeit in der Schule zurückdenkt.“ Ihr ehemaliger Beruf sei eine gute Lehre und Inspiration für das Schreiben. „Schüler haben ein gutes Gespür dafür, was spannend ist und sind für viele Themen zu begeistern; vorausgesetzt man kann sie gut vermitteln.“ Ähnlich verhält es sich damit, Leser für eine Geschichte zu faszinieren.

„Töne im Tumult“ von Lydia Schieth ist erschienen bei Noack & Block (228 Seiten, 20 Euro).