Historischer Fund in Beratzhausen bei Sanierungsarbeiten an der Kirchturmspitze

Von Reinhard Seidl · 7. Oktober 2025 um 09:00

Der Turm der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Beratzhausen (Kreis Regensburg) muss wohl an den nächsten kirchlichen Festtagen weiter ohne sein wichtigstes christliches Symbol, das Kreuz auskommen. Das haben Monteure gefunden.

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Monteure der Firma Hubert Bayerschmidt aus Gimpertshausen wagten sich vor kurzem in rund 45 Meter Höhe – unterstützt von einem 50 Meter Hubsteiger mit Gelenkbühne und unter der Aufsicht von Architekt Alois Iberl – auf den Kirchturm der Pfarrkirche in Beratzhausen, um dort das Kreuz abzubauen.

Nach acht Stunden vorsichtiger Arbeit landete das Kreuz sicher am Boden. Grund dafür: Das Turmkreuz mit der Turmkugel soll renoviert werden. Das Kreuz mit der Turmkugel bedarf der Überarbeitung und soll neu vergoldet werden. Dies dürfte sich, nach Angaben des Architekten etwa sechs bis acht Wochen hinziehen. Danach wird es wieder an seinem angestammten Platz kommen.

Die Restaurierungsarbeit in der Turmspitze gehört laut dem betreuenden Ingenieur Richard Schaaf somit noch zur Außensanierung der Pfarrkirche. Wie die Außenfassade der Pfarrkirche war auch die Kirchturmspitze „in die Jahre gekommen“. Die letzte Erneuerung der Turmkreuz mit Gold war 1984. Damals hatte man ein Gerüst hochgezogen und die Turmkreuzspitze oben saniert und vergoldet. Derzeit werden einige Schweißarbeiten durchgeführt. Danach wird das Kreuz mit Kugel im Beratzhausener Malerbetrieb Claus Beer neu vergoldet.

Über den Fund in einer Zeitkapsel freuten sich Pfarrer Johann Christian Rahm, Architekt Alois Iberl und Richard Schaaf (von links) - Foto: Reinhard Seidl

Latein und Sütterlin

Beim Abbau des Kreuzes mit Kugel wurde es spektakulär. Die Monteure entdecken in der Kugel eine stark verrostete Blechschachtel. Bei der Öffnung der sogenannten Zeitkapsel am nächsten Tag im Pfarrbüro durch Pfarrer entstanden Gänsehautmomente.

Die korrodierte Blechdose, also die Zeitkapsel, war etwa acht mal sechs Zentimeter groß und enthielt zwei Schriftstücke, drei verschiedene Münzen aus den Jahren 1850 und 1905 und Wachsreste einer eventuell zerbröckelten „Siegel“-Wachskerze. Das Schriftstück aus dem Jahre 1850 teils in lateinischen Buchstaben und Sütterlin geschrieben enthielt folgenden Text: „ Anno Domini nostri Jesu Xsti Milesimo octingentesimo quinquagesimo haec turris ecclesiae parochialis Beratzhausii ab integro Scindulis detecta et globulus erecta est sub directorio Michaelis Hoelzl, p.t. parochi hujus et Jacobi Scheck consiliarii ecclesiastici“

Übersetzt heißt das so viel wie: „Im Jahr unseres Herrn Jesus Christus 1850 wurde dieser Turm der Pfarrkirche zu Beratzhausen von neuem mit Schindeln gedeckt und eine Kugel errichtet unter der Leitung von Michael Hölzl, derzeit hiesiger Pfarrer und Jakob Scheck, Kirchenrat.“

Das Schriftstück aus dem Jahre 1905 in Sütterlin geschrieben enthielt nachstehenden Text: „Im Jahre 1905 wurde die .... (Kirchturmspitze) .... der hiesigen Pfarrkiche von Konrad Stuis, Spenglermeister von Beratzhausen mit Kupferblech eingedeckt.“

Das Schriftstück aus dem Jahre 1905 ist in Sütterlin-Schrift verfasst. - Foto: Reinhard Seidl

Händler ist Kirchenpfleger

Und weiter heißt es: Das alte Turmkreuz wurde von Goldarbeiter Gustav Ebenhoech dahier renoviert und der Knopf am Kreuze wurde von Brandner, Metallfabrik in Regensburg, aus Kupfer gefertigt und vergoldet. Die Kosten hierfür betrugen etwa 5000 M. Kirchenpfleger war Johann Mirwald, Melber von hier, Anton Lang, Pfarrer.“ Melber ist die historische Bezeichnung für Mehlhändler oder einem Händler für Getreideprodukte.

Nach dem Verzeichnis der Pfarrer im Heimatgeschichtslexikon des Marktes Beratzhausen von Franz Xaver Staudigl war Michael Hölzl von 1847 bis 1853 und Anton Lang von 1888 bis 1906 Pfarrer in der Beratzhausener Pfarrei.