Geplante Windräder bei Nittenau: Bohrarbeiten überraschen Stadt und Gegner

Was tut sich da im Wald nahe dem Nittenauer Ortsteil Eckartsreuth (Landkreis Schwandorf)? Diese Frage hat in den vergangenen Tagen Gegner der dort geplanten beiden Windräder beunruhigt. Ende Juli hatte der Stadtrat dem Projekt das Einvernehmen verweigert. Dennoch haben nun Bohrarbeiten stattgefunden. Was steckt dahinter?
Bekanntgeworden ist das knapp 20 Hektar große Areal zwischen Eckartsreuth und Grafenwinn in den vergangenen Monaten unter dem Namen Dachsbau. Die Stadt Nittenau hatte es ursprünglich als Vorrangfläche für Windenergie an den Regionalen Planungsverband gemeldet.
Nicht mehr als Vorrangfläche gemeldet
Davon rückte die Stadt auf einen Antrag des Vereins Erholungsregion Regental im Januar 2025 allerdings wieder ab: Im Stadtrat gelangte man mehrheitlich zur Auffassung, dass Nittenau mit einer rund 285 Hektar großen Fläche am Schwarzer Berg nahe Meßnerskreith ihr Soll in Sachen Vorrangflächen bereits mehr als erfüllt habe.
Die Fläche am Dachsbau wurde infolgedessen aus dem Entwurf für Windvorrangflächen im Kreis Schwandorf gestrichen. Das heißt aber nicht, dass Windräder am Dachsbau keine Chance hätten: Die Firma Max Bögl plant an dieser Stelle weiterhin den Bau zweier Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 245,5 bzw. 267 Metern – auch wenn Ende Juli die Nittenauer Stadträte dem Projekt in einer äußerst knappen Abstimmung das Einvernehmen verweigerten.
Ich finde es sehr unschön, dass man mit uns nicht redet. Das stinkt mir gscheid.
Benjamin Boml, Bürgermeister
Gegner der Windräder sind besorgt
Deshalb ist derzeit das Landratsamt am Zug: Die Kreisbehörde kann aufgrund der aktuellen Rechtslage eine Genehmigung erteilen, auch wenn die Stadt Nittenau selbst das Projekt ablehnt. Dass nun schweres Gerät am Dachsbau im Einsatz war, sorgt bei Gegnern der Windräder für Spekulationen. Liegt mittlerweile etwa schon eine Baugenehmigung vor? „Das Vorhaben bedarf einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung. Dieses Verfahren läuft noch“, erklärte Manuel Lischka, Pressesprecher am Landratsamt, auf Nachfrage der Mittelbayerischen.

Darf in dieser Phase bereits gebohrt werden? Die Bohrarbeiten südwestlich von Eckartsreuth seien „anzeigepflichtig und dem Landratsamt auch angezeigt worden“, so Lischka weiter. Eine Genehmigung im Sinne einer wasserrechtlichen Erlaubnis sei nur dann notwendig, wenn sich das Einbringen von Stoffen nachteilig auf die Grundwasserbeschaffenheit auswirke. „Davon war nach fachlicher Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamts im vorliegenden Fall nicht auszugehen“, so Lischka.
Baugrund wird untersucht
Auf Nachfrage bestätigte ein Vertreter der Firma Max Bögl die Bohrarbeiten am Dachsbau. Diese seien für die Baugrunduntersuchung wichtig. Zu Detailfragen äußere man sich aktuell nicht.
Bei der Stadt Nittenau hatte man im Vorfeld nichts von den Bohrarbeiten gewusst. „Ich finde es sehr unschön, dass man mit uns nicht redet. Das stinkt mir gscheid“, sagte Bürgermeister Benjamin Boml (FW). Auch bei den Gegnern der Windräder ist der Unmut groß: Bereits bevor offiziell eine Baugenehmigung vorliege, werde durch die Bohrungen Natur zerstört, beklagen sie.