Im Herzen vereint mit Plain: Gruppe aus Waldmünchen zum ersten Besuch in der Partnerstadt

Von Petra Schoplocher · 4. Oktober 2025 um 11:00

Er ist von beiden Seiten seit Monaten sehnlichst herbeigesehnt worden: Der erste Besuch einer Gruppe aus Waldmünchen im amerikanischen Plain (Bundesstaat Wisconsin), zugleich der erste, seit die Städtepartnerschaft besiegelt wurde. Und er hat selbst die größten Erwartungen übertroffen.

Diejenigen, die zum ersten Mal zu Besuch waren, fühlten sich „verrückterweise sofort zu Hause“. Andere freuten sich, dass sie nach Jahren Freunde wiedersehen konnten. „On top“ kamen berührende Szenen wie die, als Christa Senft vor rund 300 Gottesdienstbesuchern (Plain hat rund 750 Einwohner) in der Sonntagsmesse die Fürbitten vortrug.

Berührende Momente gab es am Friedhof. - Foto: Petra Schoplocher

In der St-Anna-Kapelle, in der das einzige noch existierende Gemälde der Mutter Gottes von Ast hängt, sangen die Waldmünchner ein Lied. Emotional wurde es auch am Friedhof mit all den deutschen Namen, auf dem Marty und Ken Kraemer mit Heimatforscher Gary Haas geschichtliche und genealogische (Herkunftsforschung) Erklärungen gaben. Der anschließende Rundgang über das Gräberfeld (mit fast ausschließlich deutschen Namen) sorgte zudem für Gänsehautmomente.

Singen beim Strassenfest

„Das könnte bei uns auch sein.“ Dieser Satz war beim Blick in die Landschaft zu hören. Besonders interessierte dies zwei Mitglieder: Hans Beer und Christian Lommer nutzten die Gelegenheit zum intensiven Austausch mit Plainer Landwirten. Lommer war sogar auf einer Farm untergebracht und bilanzierte: „Das war wahnsinnig bereichernd, ich sehe vieles nun mit anderen Augen.“

Der Termin der Reise hatte einen besonderen Ursprung. Nachdem im Frühjahr aus verschiedenen Gründen – unter anderem war es trotz enormer Bemühungen des Waldmünchner Reisebüros Pfeiffer wegen zu vieler in dieser Konstellation benötigter Partner - nicht gelungen, eine finanziell vertretbar darstellbare Tour auszuarbeiten. Zudem stellte sich heraus, dass das ursprünglich anvisierte Wochenende über den Memorial Day im Mai wegen Feierlichkeiten und familiären Verpflichtungen der potenziellen Gastfamilien vorbelastet waren.

Bürgermeister Ray Ring hatte daraufhin vorgeschlagen, dass das „Strassenfest“ (das heißt so) einen idealen Rahmen bilden könnte. Was auch zutraf, weil die deutschen Gäste zum einen das bunte Treiben von Ratespielen bis Informationsstand sowie Essen und Musik erleben konnten. Und weil sie Liedbeiträge lieferten – dargeboten standesgemäß größtenteils in Dirndl und Lederhose.

Herzliches Wiedersehen: Christa Senft und Tom Kraemer - Foto: Petra Schoplocher
Bürgermeister Ackermann und Vikar Kumud Chand Nayak - Foto: Petra Schoplocher

Das Programm in Plain umfasste zudem den Besuch der letzten verbliebenen Käsefabrik. Inhaber Bob Nachreiner empfing die Waldmünchner, Verkostung inklusive. Im Heimatmuseum des Städtchens hat Mary Jayne Liegel mit Ken Kraemer sowohl eine kleine Sonderausstellung zusammengetragen als auch Künstler organisiert, die zum Jahresthema „Kunst mit Ursprung in Plain“ live etwas beitragen konnten.

Und dann waren da noch die teils jahrhundertealte Artefakte, die Joe Wankerl, einer der Motoren – in diesem Frühsommer verstorben – der (Städte)Partnerschaft, auf seinem Grund und Boden gesammelt gestellt hatte.

Nach dem Gottesdienst hatten die Plainer um Partnerschaftskomitee-Vorsitzende Marie Lins ein Zusammenkommen organisiert. Denn es hatten sich weit mehr Freunde bereiterklärt, Gasteltern zu sein, als zum Zug kamen. So machte das Picknick es möglich, dass auch sie in Kontakt kamen.

Für Wow-Effekte sorgte der Besuch bei den RingBrothers im benachbarten Spring Green, wo gerne mal Millionen Dollars für die Instandsetzung eines Autos gelassen werden.

Gemeinsames Singen und Schunkeln in Dans‘s Restaurant - Foto: Petra Schoplocher

Verbindung und Herzlichkeit zeigten sich in beeindruckender Weise noch einmal am letzten Abend, als alle in Dan’s Restaurant zusammenkamen. Dort wurde es zunächst formell, schließlich sollten die Bürgermeister Markus Ackermann und Ray Ring die Partnerschaftsurkunden persönlich unterzeichnen.

Ein weiterer besonderer Moment, zumal Ring der Runde „stolz wie Oskar“ die Gastgeschenke mit den Waldmünchner Wappen präsentierte. Tenor der Ansprachen: Waldmünchen und Plain, das ist etwas ganz Besonderes. Und deswegen ist der Gegenbesuch der Amerikaner im kommenden Herbst längst versprochene Sache.

Bei der Reisingerfarm gab es Einblicke ins Leben der Farmer. - Foto: Petra Schoplocher

Jim und Jean Reisinger gaben am nächsten Vormittag einen Einblick in das Leben einer Farmerfamilie im Mittleren Westen. Sie haben Wurzeln in Waldmünchen, das sie im kommenden Frühjahr besuchen wollen. Weiter ging es für die zehn Waldmünchner um Bürgermeister Markus Ackermann nach einem von Gastfamilien begleiteten Zwischenstopp zu einem Weingut mit Führung nach Madison, der Hauptstadt des Bundesstaats Wisconsin.

Den richtigen Senf dabei

Auch da riss die Verbindung nicht ab. Beth Nachreiner (aus Plain) und Monique Currie, die sich im Herbst 2023 in Waldmünchen auf die Spuren ihrer Ahnen gemacht hatten, führten die Gruppe durchs Veteranenmuseum, das Capitol und dann noch Richtung See und dort zu den berühmten Menona-Terrassen, die der weltberühmte Architekt Frank Lloyd Wright entworfen hat.

Kurios war der Besuch des Nationalen Senf-Museums der USA. Aus einem Gedankenblitz beim Vorbeifahren an der Händlmaier-Zentrale in Regensburg entstand die Idee, neue und weitere Produkte mitzubringen. Zwar sind im Museum im Madison einige Muster ausgestellt, aber nicht die Honig-Senf-Soße und auch nicht der Senf mit Trüffeln. Diese sowie eine originale Weißwurst-Terrine übergaben Petra Schoplocher und Markus Ackermann an Gründer und Kurator Barry Levenson.

Blick unter die Motorhaube bei den RingBrothers - Foto: Petra Schoplocher
Auch der Besuch eines Baseballspiels gehörte zum Programm - Foto: Petra Schoplocher

Sightseeing in Chicago

Die Millionenmetropole Chicago sollte zum Abschluss zu einem großen Erlebnis werden. Eine Bootsfahrt, der Besuch eines Baseballspiels, von Museen sowie eines Jazzclubs und mehr. Zudem ein Blick auf die Stadt von oben. Man kann von den Glasbalkonen des Willis Towers, dem höchsten Gebäude der Stadt, über 400 Meter nach unten blicken. Der Großteil der Gruppe setzte noch einen atemberaubenden Hubschrauberrundflug drauf.

Gut gelaunt: Christa Senft on Tour mit Hut - Foto: Petra Schoplocher