Im Bioenergiedorf Schäferei läuft die Pilotanlage eines Brennstoffzellenkraftwerks

Von Johannes Lesser · 1. Oktober 2025 um 19:00

Es ist eine der wohl drängendsten Fragen unserer Zeit: Wie sieht die Energieversorgung in Deutschland in Zukunft aus? Ein möglicher und aus technischer Perspektive faszinierender Teil der Antwort ließ sich am gestrigen Mittwochvormittag im Bioenergiedorf Schäferei in Augenschein nehmen.

Doch worum geht es eigentlich genau? Seit mehr als 20 Jahren betreibt Josef Haller eine Biogasanlage in Schäferei. Er ist Teil der Firma BioEnergie. Zur Erinnerung: In einer Biogasanlage wird durch das Fermentieren von Biomasse Biogas erzeugt und mit Hilfe einer Gashaube aufgefangen. Die Hauben sind es, die man beim Vorbeifahren an landwirtschaftlichen Betrieben häufig von außen erkennt.

Erneuerbare Technologie

Das entstandene Gas kann dann entweder mittels Aufbereitungsanlage zu Biogas und Biomethan aufbereitet oder zu Strom und Wärme umgewandelt werden. Und das nicht zu knapp: Deutschlandweit machte die Stromerzeugung aus Biomasse im Jahr 2024 laut Bundesumweltamt rund ein Sechstel des gesamten Stroms durch erneuerbare Energien aus. Der Vorteil: Im Gegensatz zu Sonnen- und Windenergie ist die Biomasse witterungsunabhängig verfügbar.

An dem Punkt kommt Reverion ins Spiel – ein Unternehmen, das aus der TU München hervorgegangen ist. Das selbst erklärte Ziel: „Das Beste aus Biogas machen.“ Laut eigenen Angaben kann die Anlage der Firma Biogas oder Wasserstoff bei einem Mangel von Strom aus erneuerbaren Energien mittels einer Brennstoffzelle in Strom umwandeln – mit einem Wirkungsgrad von künftig bis zu 80 Prozent und damit deutlich effizienter als die üblichen Blockheizkraftwerke (BHKW). Bei einem Überangebot an Strom kann sie mittels Elektrolyse grünen Wasserstoff oder speicherbares Methan herstellen.

Von außen sieht die Anlage eher wie ein Transportcontainer aus, aus dem zahllose Rohre herausragen. Auf einem aufgebauten Display ist der Wirkungsgrad der aktuellen Umwandlung zu sehen: Er schwankt grob zwischen 72 und 74 Prozent. Die Anlage war ein erstes Pilotprojekt für das Verfahren. Eines, das Besucher anzieht. Zum Termin mit der Besichtigung sind auch Vertreter der Politik um Landrat Franz Löffler und Waldmünchens Bürgermeister Markus Ackermann sowie einige Fachbesucher dem Ruf Hallers gefolgt. Ihnen erklären Josef Haller und Felix Fischer (Reverion) detailliert die Hintergründe.

Im Inneren wird es technisch komplex. - Foto: Johannes Lesser

Der Kontakt entstand schon vor Jahren durch einen Zufall, erzählt Haller – und über einen Professor an der TU München, der aus dem Landkreis stammt. Die Firma selbst gab es damals noch gar nicht. Von der Technik dagegen sei er seit zehn Jahren begeistert. 2021 folgte die Anfrage zum Pilotprojekt, 2023 die Lieferung. Was die Anlage für ihn interessant macht? „Sie produziert Strom mit einem sehr hohen Wirkungsgrad.“ Die Folge: „Diese Anlage macht aus einem Kubikmeter Gas den doppelten Strom wie ein BHKW. Ein Teil des Gases, die Hälfte nämlich, der bleibt mir über. Mit der kann ich was anderes tun“, so Haller. Das Pilotprojekt lief zum 31. August aus, nach ein paar Umbauten in der Phase wolle er sie jetzt noch weiterlaufen lassen. Im Dezember kommt eine zweite zur Miete dazu.

Das Konzept passe in die Zeit, erklärt Andrea Horbelt vom Fachverband Biogas: „Es ist genau das, was wir für das Biogas brauchen. Die Möglichkeit, entweder wenn der Bedarf da ist, schnell und kurzfristig Strom zu erzeugen, oder wenn zu viel Sonne und Wind zum Beispiel fürs Netz da ist, dann nehmen wir den Strom raus und machen daraus Gas, das wir wiederum speichern können“, erklärt sie.

Der Vorteil in der Zukunft

In Phasen ohne Wind und Sonne müsse man den Strom teuer zukaufen und in Phasen mit Überschuss dafür bezahlen, um ihn loszuwerden. Das lasse sich mit der vorgestellten Technik umgehen.

Mehr als 20 Jahre ist es jetzt her, dass Josef Haller seine Biogasanlage in Betrieb genommen hat. Damals seien die Lebensmittelpreise so niedrig gewesen, dass sich die Betriebe nach einem zweiten Standbein für die Zukunft umschauten. Der Plan ging auf: „Wir haben 20 Jahre lang zuverlässig, ohne einen Tag Ausfall, Wärmeversorgung für Schäferei und Kümmersmühle gemacht. Und ja, jetzt haben wir die Reverionanlage da, die uns also meiner Meinung nach einfach einen Schritt in die Zukunft eröffnet“, sagt Josef Haller, der abseits der Anlage dem normalen landwirtschaftlichen Betrieb mit Kartoffeln und Gemüse nachgeht.

Es bleibt abzuwarten, wie es für die Technologie weitergeht. Klappt alles, könnte Hallers Betrieb in Waldmünchen zum Vorreiter in Sachen erneuerbare Technologien avancieren.