Vollsperrung an Sinzinger Verkehrsknotenpunkt: Ampeln zerstört, Bauarbeiter bespuckt

Das ganz große Verkehrschaos scheint auszubleiben. Seit Montag ist die Staatsstraße, die Sinzing im Landkreis Regensburg mit der A3 auf der einen und Viehhausen auf der anderen Seite verbindet, komplett gesperrt. Bürger sorgten sich im Vorfeld, dass die ohnehin problembehaftete Bahnhofstraße als verbleibende Ein- und Ausfahrt in den Ort zum Nadelöhr im eiligen Berufsverkehr werden könnte.
„Man muss ein bisschen mehr Zeit mitbringen, das ist richtig“, sagt Bürgermeister Martin Brix zu den Folgen der Vollsperrung. Bei den Schulbussen komme es zu Verschiebungen bei den Abfahrtszeiten, manche Haltestellen können nicht bedient werden. Von chaotischen Zuständen könne aber keine Rede sein. „Man befürchtet immer ganz viel am Anfang und dann tritt es nicht ein“, mahnt er zur Besonnenheit. Ihn treibt ein ganz anderes Problem um: der Umgang mit den Bauarbeitern.

Seit Frühjahr sei der Termin der Vollsperrung zur Asphaltierung des Kreisverkehrs an der Sinzinger Ortseinfahrt mit den beteiligten Baufirmen, dem Landkreis und Verkehrsbetrieben abgestimmt. Seit Mai werde die Öffentlichkeit informiert. Zu kurzfristigen Problemen habe laut Brix einzig das Gerüst in der Bahnhofstraße geführt, das für die Sanierung der Bahn-Brücke aufgestellt worden war und die Straße auf eine Spur verengte.
Gerüst auf letzten Drücker abgebaut
Ursprünglich sollte es schon Anfang September entfernt sein, doch die Genehmigung war bis Freitag verlängert worden. Die Gemeindeverwaltung habe Druck gemacht, dass die Bahnhofstraße bis zur Vollsperrung frei befahrbar ist, berichtet Brix: „Ab Donnerstag ist das Gerüst bei strömendem Regen abgebaut worden.“ Am Samstag war der Abbau abgeschlossen.
Bündnis fordert Tempo 30
„Es ist nicht so schlimm wie befürchtet, aber es kommt zu brenzligen Situationen“, sagt Christoph Gollub vom Aktionsbündnis „Tu Was Sinzing“, das sich für Tempo 30 in der Bahnhofsstraße einsetzt. Er berichtet von einigen riskanten Überholmanövern und abgedrängten Radfahrern. Die Polizei habe mitgeteilt, dass es sich generell um keinen Unfallschwerpunkt handle, doch seit zwei Jahren sei die Situation durch die neue Fahrradbrücke über die Donau eine gänzlich andere. Die Bahnhofsstraße sei Teil des Radroutennetzes in Regensburg und dafür nicht ausgelegt.
Es ist echt ein Glücksfall, dass da noch nichts passiert ist
Christoph Gollub, Aktionsbündnis „Tu Was Sinzing“
„Dichtestress“ herrsche dort mit Lastwagen und Autos, Transportern und Fahrrädern. „Als unabhängige, überparteiliche Gruppe wollen wir die Gemeinde bitten, da kurzfristig tätig zu werden und das nicht auf die lange Bank zu schieben“, sagt Gollub. Die Online-Petition für eine strengere Geschwindigkeit haben bereits mehr als 600 Menschen unterzeichnet. „Tempo 30 würde es für alle entspannter machen, auch für Autofahrer“, sagt Gollub. Die paar Sekunden Zeiteinbuße seien zu verschmerzen. „Es ist echt ein Glücksfall, dass da noch nichts passiert ist“, sagt er – auch mit Blick auf das aktuell noch höhere Verkehrsaufkommen.
Vollsperrung mindestens bis Sonntag
Die Vollsperrung wird mindestens bis Sonntag Bestand haben. „Circa sieben Tage“ sind auf den Verkehrsschildern als Dauer der Einschränkung veranschlagt. „Wenn das Wetter schlecht ist, würde es sich verschieben“, sagt Brix. Morgen soll erst die Tragschicht der Fahrbahn angebracht werden, wenn diese ausgehärtet ist dann idealerweise am Freitag die Feinschicht. Am Wochenende folgen in diesem Zeitplan Straßenmarkierungen und Beschilderungen.
Es ist Sonn- und Feiertagsdienst angeordnet, zwei Asphaltierungskolonnen arbeiten parallel – beides ist mit höheren Kosten für die Gemeinde als Bauherr verbunden. „Mehr können wir nicht machen“, sagt Brix, „aber es sind halt viele verschiedene Rädchen, die ineinandergreifen müssen.“ Mit Blick auf den Tag der Deutschen Einheit am Freitag und eine Woche mit nur vier Werktagen sei der Zeitpunkt für die Arbeiten ohnehin gut gewählt. Er kündigt an: „Sobald wir aufmachen können, machen wir auf.“
Beschimpft, bespuckt, beleidigt
Gleichzeitig richtet Brix einen Appell an die Fahrer, sich an die Regeln und die Beschilderung zu halten. Die als Einbahnstraße ausgewiesene Laberstraße werde dennoch regelmäßig in beide Richtungen genutzt, sagt Brix. „Das macht’s für alle schwieriger.“
Auch das Verhalten vereinzelter Fahrer während der Arbeiten wirft Fragen auf. „Ampelanlagen sind mutwillig zerstört worden, Kabel und Platinen wurden herausgerissen. Bauarbeiter sind beschimpft, bespuckt und aufs Übelste beleidigt worden“, berichtet Brix. Er habe bei seinen regelmäßigen Baustellenterminen solche Entgleisungen selbst mitbekommen. Den Bürgermeister macht das Verhalten fassungslos: „Die machen doch nur ihren Job.“