Neumarkter Anwalt schildert Fälle, bei denen es vor Gericht affig wurde

Von Mittelbayerische Zeitung · 28. September 2025 um 11:00

Welche Laute machen Affen? Mit solchen Fragen und anderen Fällen rund um unsere tierischen Verwandten haben sich deutsche Gerichte bis hin zum Bundesverfassungsgericht schon beschäftigt. Der Neumarkter Anwalt Geedo Paprotta zeigt einige kuriose Fälle in seiner Kolumne Paprottas Paragrafen.

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Aus wissenschaftlicher Perspektive ist es gar nicht so einfach, zwischen Menschen und Affen zu differenzieren. Genau genommen stammen wir nämlich genetisch gesehen so ziemlich aus dem gleichen Stall. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, warum Affen uns emotional so stark berühren. Sicher standen Sie auch schon mal im Zoo vor der Panzerglasscheibe, haben dem Wesen auf der anderen Seite tief in die Augen geblickt und hatten dabei ein ganz seltsames Gefühl? Das ist sicher auch ein Grund, weshalb insbesondere Menschenaffen in Deutschland besonders intensiven Schutz genießen.

Als das Landratsamt Lüneburg davon erfuhr, dass ein 43-jähriger Schimpanse namens Robby seit den 1970er Jahren in einem Zirkus gehalten wurde, wollten die Beamten das Tier in eine spezielle Affen-Resozialisierungseinrichtung einweisen lassen. Der Zoodirektor jedoch klagte dagegen durch alle Instanzen, und schlussendlich durfte Robby mit Urteil des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts bei den anderen Clowns bleiben. Nicht etwa, weil es ihm dort besonders gut ging. Im Gegenteil, der Affe war erkennbar schwer verhaltensgestört. Das Problem war nur: ein so altes Tier aus seiner gewohnten Umgebung herauszureißen und in eine Gruppe von „echten Affen“ zu stecken, wäre für Robby der nackte Albtraum gewesen (Az. 11 LB 34/18).

Vom Affen nach dem Frühstück in den Finger gebissen

Vom Affen gebissen war ein Kenia-Urlauber, der dem Amtsrichter in Köln einen blutigen Finger zeigte. Dafür wollte er 1700 Euro Schmerzensgeld und die Reisekosten zurück.

Er hatte sich dieses schöne Hotel in Mombasa ausgesucht und war unterwegs vom Frühstück zurück in sein Luxuszimmer. Für später hatte er sich extra noch eine Banane vom Buffet mitgenommen, obwohl das eigentlich verboten war. Dabei war er offensichtlich beobachtet worden, aber nicht vom Hotelpersonal. So schnell schaute er gar nicht, wie ihn ein kreischender, haariger Geselle anfiel, heftig in seinen Finger biss und sich samt Banane zum Fenster hinaus schwang.

Ist das ein Hotel oder ein Affenhaus? Wenn das nicht ein Reisemangel allererster Kajüte ist! So argumentierte er nun vor Gericht. Ich glaub mich laust der Affe, hielt der Richter dagegen und fragte, ob der Urlauber nicht bemerkt hätte, dass überall im Hotel Schilder herumhängen: „Don’t feed the monkeys?“ Sinngemäß übersetzt: Gib dem Affen keinen Zucker! Wer da geklaute Bananen offen herumträgt, ist ein klarer Fall von selber schuld. Schmerzensgeld gab es keines (Az. AG Köln 138 C 379/10).

Bundesverfassungsgericht wegen Affengeräuschen angerufen

Welche Geräusche machen Affen? Nach meiner bescheidenen Kenntnis kreischen die meisten. Ein Mann, der bis vor das Bundesverfassungsgericht gezogen war, behauptete allerdings, Affen würden „ugha, ugha“ machen. So jedenfalls adressierte er einen Arbeitskollegen beim Streit über einen Bürocomputer und wurde deshalb von seinem Arbeitgeber prompt gefeuert. Vor dem Bundesverfassungsgericht argumentierte der selbst ernannte Affenkenner, er habe mit seinem „ugha, ugha“ lediglich von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht, als er den Kollegen damit zum Affen degradierte. Doch das Bundesverfassungsgericht nahm seine Verfassungsbeschwerde gar nicht erst an. Solche Geräusche seien keine derbe Beleidigung mehr, sondern fundamental herabwürdigend. Mit Meinung hat dieses Affentheater nichts mehr zu tun (Az. 1 BvR 2727/19).