Demonstration für das Recht auf Abtreibung fordert Streichung von Paragraf 218

Von Hannah Sturm · 26. September 2025 um 19:10

Mit Transparenten und lauten Sprechchören haben am Freitagnachmittag rund 100 Menschen in Regensburg für das Recht auf einen sicheren Schwangerschaftsabbruch demonstriert. Vom Rathausplatz zog der Zug durch die Altstadt. Im Mittelpunkt stand die Forderung, Paragraf 218 im Strafgesetzbuch zu streichen, der Schwangerschaftsabbrüche noch immer grundsätzlich als rechtswidrig einstuft.

„Wir wünschen uns, dass er rauskommt“, sagt Andrea Diermeier von Pro Familia. Das solle vielmehr im Schwangerschaftskonfliktgesetz geregelt werden. In Regensburg sei die Lage besonders schlecht: Es gebe nur eine Praxis für operative Abbrüche, medikamentöse würden gar nicht mehr angeboten.

Stadt unterliegt dem Gericht

Ein herber Rückschlag ist ein aktueller Gerichtsbeschluss, der am Freitag bekannt wurde. Die Stadt wollte Abtreibungsgegnern am Castra-Regina-Center mit neuen Auflagen Grenzen aufzeigen – auch, um den Druck auf Schwangere, die sich im Ärztezentrum beraten lassen wollen, zu mindern. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat dem nun einen Riegel vorgeschoben. Die Richter gaben dem Eilantrag der Abtreibungsgegner gegen die Auflagen statt. Und zwar unanfechtbar. Der Schock darüber sitzt tief.

Für Diermeier ist es ein verheerendes Signal: „Das ist eine Belästigung und Stigmatisierung für die Frauen, wenn in Sichtweite Menschen laut beten und Bilder von Föten hochhalten.“ Sie könne nicht nachvollziehen, dass das nicht als Gehsteigbelästigung eingestuft wurde.

Aus Rückschlägen Kraft schöpfen

Dem pflichtet auch Eva-Maria Meier von Pro Familia bei: „Wir sind als Feministinnen geschockt über die Entwicklungen, aber genau das motiviert uns.“ Resignieren sei für sie keine Option. Viele wüssten gar nicht, dass Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland noch immer illegal sind – „und sind dann über die schlechte Versorgungslage schockiert“.

Mit Transparenten wie „My uterus, my choice“ und Sprechchören wie „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“ zog die Demonstration durch die Stadt. „Safe Abortion ist kein Luxus, es ist ein Menschenrecht – und dafür müssen wir unsere Stimme erheben“, so Diermeier.