Spitzen-Koch kommt ab sofort mit Heimatfood ins Schloss nach Miltach

In Miltach (Landkreis Cham) bieten Julia Tanterl und Karl Ederer zweimal im Monat besondere Menüs in historischen Saal. Die MZ war beim ersten Menü dabei.
Die Tafel ist gedeckt, der Raum im historischen Miltacher Schloss (Landkreis Cham) mit seinen großen Fenstern, den Rundbögen an der Decke und seinem Hauch der langen Geschichte bestens vorbereitet für das erste von vielen exklusiven Vier-Gänge-Menüs, die Spitzenkoch Karl Ederer hier zubereiten wird.
Nicht nur Schlossherrin Julia Tanterl, sondern auch die geladenen Gäste sind an diesem Sonntagnachmittag schon ganz gespannt darauf, was Ederer und sein Team servieren werden – und das künftig zwei Mal pro Monat.
Es sei eine lange Freundschaft, die sie mit Karl Ederer verbinde, sagt Julia Tanterl. Der 1955 in Sattelbogen geborene Koch verließ schon in jungen Jahren seine Heimat und ging nach München, wo er auch heute noch wohnt. „Heimat“, das sei für ihn aber immer der Bayerische Wald geblieben, erzählt er zwischen zwei Gängen den Gästen an diesem Tag.
Lieferanten am wichtigsten
So sei in den vergangenen Monaten auch die Idee entstanden, im Schloss unter dem Motto „Heimatfood“ – so lautet auch der Titel seines 2010 herausgebrachten Buches – exklusive Menüs in einem ebenso einmaligen wie außergewöhnlichen Ambiente anzubieten.
Schlossbesitzerin Tanterl hatte vor zwei Jahren ohnehin angekündigt, das historische Gebäude mehr für die Öffentlichkeit zugängig machen zu wollen – und Spitzenkoch Ederer freut sich nach eigener Aussage nicht nur darauf, „dass ein Kohlrabi hier auf dem Land auch wie ein Kohlrabi schmeckt und nicht nach Lkw-Abgasen“, sondern auch, seine 2010 schon formulierte Forderung nach mehr Regionalität und Saisonalität umsetzen zu können. Damals sei er noch nicht wirklich ernst genommen worden, erinnert sich Karl Ederer, während er das Gemüse vom Bio-Hof Simmel aus Kalsing klein schneidet – heute sei das anders. Mit Blick auf die Gäste, die alle mit ihren Produkten zu den künftigen Menüs beitragen werden, sagt er: „Die Lieferanten sind das Wichtigste.“
Neben den bis ins Kleinste durchdachten Menüs von Karl Ederer hat sich aber auch Julia Tanterl mehr als einen Gedanken darüber gemacht, wie das „Heimatfood“ die Gäste bestechen kann. Selbstverständlich musste der Charme des historischen Gewölbes erhalten bleiben. Wichtig sei ihr aber auch gewesen, dass Karl Ederer nicht in einer separaten Küche „verschwindet“, sondern im Saal bei den Gästen kocht. „Die Küche habe ich nach den Wünschen von Karl selbst entworfen“, erzählt sie, während der Koch nur rund zwei Meter weit entfernt von der großen Tafel den Kohlrabi in Ringe schneidet.
„Dann ist in München zu“
Seit rund 50 Jahren kocht Karl Ederer auf höchstem Niveau, war bei Eckart Witzigmann, kochte unter Hans Stucki in Basel und Paris, kochte mit den Drei-Sterne-Köchen Bernard Loiseau und Alain Senderens, eröffnete mehrere eigene Lokale und erkochte sich auch selbst mit seinem Restaurant Glockenbach im gleichnamigen Münchner Stadtteil einen Michelin-Stern. „Wenn ich an einem Samstag hier koche, dann ist das Lokal in München eben zu“, sagt er.

Das „Heimatfood“ im Schloss Miltach, bei dem er auch direkt mit den bis zu 18 Gästen in Kontakt kommen kann, sei ihm mit 70 Jahren ein Anliegen. Eines, für das sich Interessierte auch bereits anmelden können, und zwar auf der Internetseite schloss-miltach.de/heimatfood. Hier werden auch die jeweiligen Termine bekanntgegeben.