Kabarettist meint: Die Ehe ist nur mit Humor zu ertragen

Stefan Bauer stellt sich in Regensburg ernüchternden Einsichten – und schont sich selbst nicht. In seinem sich lichtenden Haar sieht er den eigenen Verfall. „Bring back my pony to me“, greint er. Zum Schreien komisch!
„Am Ende der Nerven... und noch so viel Ehe übrig“: Im Statt-Theater schlüpft Comedian Stephan Bauer in die Rolle des ernüchterten Ehemannes, der der bevorstehenden Trennung entgegensieht. Nach 18 Jahren Ehe stelle sich jeder die Frage: War es das jetzt schon? Und: Wie lange dauert das denn noch? Was ist aus meinen Träumen geworden, wenn mir mein Ehepartner nichts mehr zu sagen hat – außer: „Nimm deine Tabletten.“ Das Geheimnis einer glücklichen Ehe ist offenbar ein Geheimnis.
Liegt das Scheitern gar an jemand anderem? Oder hat man sich schlicht auseinandergelebt? Die Kinder sind aus dem Gröbsten heraus, da stellen sich Eltern schon mal ein paar Grundsatzfragen. Stefan Bauer sieht die verbreitete Problematik naheliegenderweise aus der Perspektive des Mannes. Er habe jedoch vielen Frauen jeweils stundenlang zugehört, um zu erfahren, wo diese der Schuh drückt.
„Es liegen keine Verkehrshinweise vor“
Fehlende Wertschätzung durch den Partner nannten manche. Müttern Komplimente zu machen, würden Männer an ihre Kinder delegieren. Den Gatten würden teils grundlegende Kompetenzen fehlen, wenn sie den Aufdruck „AC/DC“ auf dem T-Shirt für die Waschanleitung halten. Im Bett sei es im Verlauf der Jahre oft ruhig geworden. Wie nach den Radio-Nachrichten heiße es da: „Es liegen keine Verkehrshinweise vor.“
Stattdessen ertappe sich der Mann dabei, dem Urologen bei dessen eingehender Untersuchung seines „besten Stückes“ aus alter Gewohnheit in schusseliger Weise zärtlich über den Kopf streicheln zu wollen. Wohin sind die Reize der einst angebeteten jungen Frau? „In zehn Jahren wird sie ja schon 50!“ Bauer schont sich selbst nicht, sieht in seinem sich lichtenden Haar den eigenen Verfall. „Bring back my pony to me“, greint er. Ein Stichwort für eine Gruppe sehr vergnügter Damen im kleinen Saal. Sie singen in der Pause laut das bekannte Shanty und erinnern sich an die eigene Jugend. Viele der Zuhörer sind ergraut und durchaus lebenserfahren, kann man mutmaßen.
Ihr Lachen steigert sich zum Kreischen, wenn der Comedian die Summe seines eigenen fiktiven Erlebens zieht und Resonanzen bei seinen Fans erzeugt. Nicht nur dem Knirschen im Paarbereich widmet er sich, es menschelt ja allüberall. Mit Kultur und Rechtschreibung gehe es bergab, der Internet-Flirt bietet an „Ich fesel dich ans Beet“. Überhaupt hätten viele mögliche Partnerinnen nicht mal mehr die geringste Ahnung vom Tuten.
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Am Zeitgeist arbeitet Bauer sich ebenfalls ab. Mittlerweile müsse er die Fliegen mangels gedruckter Zeitung mit dem i-Pad erschlagen. Und dann das sprachverhunzende Gendern! „Schatz, ich kann dir die Salzstreuerin nicht rüberreichen, ich habe eine Muskelkatze.“ Ein Zeitvertreib der Saturierten bei der ritualisierten, oft angeberischen Weinverkostung: „Da sitzt du dann zwischen Rechtsanwälten und Spucknäpfen.“ Angst-Psychotiker könne man von Schizophrenen anhand deren Verhalten auf der Toilette unterscheiden.
Die Schlagzahl von Bauers Pointen ist atemberaubend hoch. Zwei, drei Sätze, gekonnte Wortspiele, dann wird gejohlt. Die fünf Vorstellungen in der Winklergasse waren sehr schnell ausverkauft. Seine Sammlung von Witzen, Anekdoten und Kalauern zu allen möglichen Themen verknüpft der Kabarettist überzeugend. Auch das ist eine Kunst.
„So lebensnahe Beobachtungen“ erkennen die einen. „Seine Ironie zeichnet er eher mit dem dicken Filzstift“, bemängelt eine andere Stimme. Mit guten Ratschlägen entlässt Bauer sein Publikum: miteinander sprechen und schlafen, einander ernst nehmen, das bringe die Beziehung in Ordnung. Änderung zum Guten sei immer möglich. Es heiße ja nicht von Anfang an „hei-wissen“, sondern „hei-raten“.