Marode Brücke: Vollsperrung zerschneidet Wenzenbach nächstes Jahr monatelang

Beim Drüberfahren auf der Hauptstraße bemerkt man kaum, dass man ein Brückerl passiert. Doch nächstes Jahr wird das marode Bauwerk Wenzenbach (Landkreis Regensburg) monatelang prägen, wenn es ersetzt wird. Die Baustelle verlangt eine Vollsperrung samt wohl weiträumiger Umleitung – und das über viele Monate. Wenzenbachs Bürgermeister Koch befürchtet, dass der Ort entzwei geschnitten wird.
Ein Notenschnitt von 3,5 kurz vorm Zeugnis hat so manchem Schüler schon ein erleichtertes Lächeln ins Gesicht gezaubert. Bei der Überprüfung von Bauwerken ist eine 3,5 allerdings Grund für tiefe Sorgenfalten, ist sie doch mit die schlechteste Bewertung. Bei der Überprüfung im vergangenen Jahr wurde der Zustand der kleinen Brücke über den Forstbach an der Wenzenbacher Hauptstraße als ungenügend bewertet. Für das Landratsamt ist klar: Es braucht einen Brückenneubau. Das wiederum treibt Bürgermeister Sebastian Koch die Sorgenfalten auf die Stirn: Wenzenbach droht durch die nötige Vollsperrung monatelang entzwei geschnitten zu werden.

Die marode Brücke befindet sich auf der Hauptstraße zwischen dem Friseursalon Heidi und dem Tattoo-Studio Anstich. Rund 1800 Wenzenbacher, die im östlichen Ortsteil zwischen Kirche und Weißer Marter leben, würden vom Dorfzentrum mit Edeka-Markt, Rathaus oder Bankfiliale mehr oder weniger abgeschnitten. Wenzenbachs Bürgermeister vermutet, dass mangels Alternativen eine Umleitung über Bernhardswald und die B16 erfolgen dürfte. Bewahrheitet sich das, würde der etwa 350 Meter lange Weg von der Wenzenbacher Kirche zum Rathaus auf über zehn Kilometer anwachsen.
Dilemma bei Umleitung
Da es sich bei der Hauptstraße um eine Kreisstraße handelt, ist das Landratsamt für Brückenbau, Vollsperrung und Alternativrouten verantwortlich. Das Umleitungskonzept sei Gegenstand der momentan stattfindenden Abstimmungen, informiert Landkreissprecher Hans Fichtl auf MZ-Anfrage.
Doch Alternativen zur weiträumigen Umfahrung über die Bundesstraße fehlen schlichtweg. Laut Koch ist der Roither Weg deutlich zu schmal und durch die laufenden Schulbaumaßnahmen ohnehin belastet. Vom Friedhof führt ein Flurweg Richtung Weihertal und Ortskern, der sei aber dem landwirtschaftlichen Verkehr vorbehalten und für die erwartete Vielzahl an Autos ungeeignet. Bleibt die Fahrt nach Bernhardswald und auf die B16 als offizielle Route. „Es wird ja nicht so kommen“, ist Koch klar, „die Locals werden ja anders fahren“. Welche Schleichwege sich die Ortskundigen dann erschließen, bleibt abzuwarten.
Ein Bus für jede Seite der Baustelle?
Schwer im Magen liegt Koch zudem die Frage nach der Busverbindung. Die RVV-Linie 34 verkehrt über die Hauptstraße. Ein halbes Jahr ohne ordentliche Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei für Wenzenbach unzumutbar, sagt Koch. Er würde sich wünschen, dass die Fahrgäste an der einen Seite der Baustelle vom Bus aussteigen, die Vollsperrung über einen Fußgängersteig passieren und auf der anderen Seite in einen wartenden Bus einsteigen, um ihre Fahrt fortzusetzen. Ob diese Vorstellung realistisch ist, wird sich zeigen. Die bauliche und zeitliche Ablaufplanung werde derzeit mit der Gemeinde sowie weiteren beteiligten Stellen, etwa dem RVV, besprochen, teilt Fichtl mit.
Brücke zu marode für Sanierung
Der schlechte Zustand der Brücke mache einen Ersatzbau notwendig, eine Sanierung sei wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Für die Gesamtmaßnahme setzt das Landratsamt einen Zeitraum von etwa fünf Monaten an, abgeschlossen soll der Bau Ende August sein. Im Straßenbauprogramm des Landkreises ist die Brückenerneuerung mit Gesamtkosten von 480 000 Euro aufgeführt. Zur Maßnahme heißt es dort, dass bei der Überprüfung der im Jahr 1972 erbauten Brücke im vergangenen August „umfangreiche und besorgniserregende Schäden“ festgestellt wurden, die die Stand- und Verkehrssicherheit „erheblich beeinträchtigen“.
Am Ende wird es mit Ärger verbunden sein
Sebastian Koch, Wenzenbachs Bürgermeister
Aktuell ist die Brücke bereits mit provisorischen Stützen von unten stabilisiert. „Nach eigener Inaugenscheinnahme“ ist für Koch die Ertüchtigung der Brücke zweifelsfrei nachvollziehbar. Die Unannehmlichkeiten durch die Vollsperrung sollen aber möglichst kurz ausfallen. „Am Ende wird es mit Ärger verbunden sein“, sagt Koch, wenngleich er die Kommunikation mit den Mitarbeitern am Landratsamt lobt.
Fünf Monate Vollsperrung
Der Wenzenbacher Bürgermeister pocht auf möglichst schnelle Umsetzung der Maßnahmen, etwa durch Arbeit im Schichtbetrieb von 6 bis 20 Uhr, auch samstags, den Einsatz von vorgefertigten Bauteilen und die Konzentration der Maßnahme auf die Sommerferien. Die beiden letzten Punkte seien für eine Bauzeit von fünf Monaten ohnehin vorgesehen, sagt Fichtl. „Ein Schicht- oder Nachtbetrieb zeichnet sich nach heutigem Stand nicht ab.“ Dem stünden zwingende Aushärtungs- und Nachbehandlungszeiten sowie „weitere Kriterien“ im Weg.
Koch sagt, er habe sich mittlerweile mit der Realität abgefunden, dass die Arbeiten rund fünf Monate in Anspruch nehmen. Das müsse aber die Höchstdauer sein. „Ich bin gespannt“, sagt er. „Von öffentlichen Baustellen kennt man ja, dass sie eher mal länger dauern als kürzer.“