Pyrotechnik quer durch den Wald ins Vilzinger Stadion: Polizei Cham sucht Zündler aus dem Bayern-Block

Wenn es nach der Polizei in Cham geht, dann hat der Regionalliga-Kick in Vilzing für einige Bayern-Fans ein Nachspiel. Sie haben kurz nach der Halbzeit und gegen Spielende durch den angrenzenden Wald hindurch Pyrotechnik ins Stadion geschossen. Nun ist ein Strafverfahren eingeleitet und die Polizei sucht Zeugen, die eventuell gesehen haben, wie die Raketenbatterien aufwändig an den Bäumen angebracht wurden.
Die Fans des FC Bayern München II outeten sich selbst. Während sie die Pyrotechnik mit handelsüblichen Fernzündern starteten, entrollten sie ein Transparent mit der Aufschrift „Bullendrohne gesichtet – Abwehrraketen gestartet“.
Polizei Cham: Pyrotechnik wurde „aufwändig angebracht“
Nach ersten Ermittlungen der Polizei sind die Feuerwerks-Batterien aufwändig im Vorfeld des Spiels angebracht worden. „Die waren in drei bis vier Metern Höhe an drei verschiedenen Bäumen befestigt und grün bemalt, damit man sie nicht sehen sollte“, berichtet der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Cham, Marco Müller. Aufgrund des brisanten Standortes im angrenzenden Wald gehe es nicht mehr nur um eine Ordnungswidrigkeit. Es sei ein Strafverfahren eingeleitet worden, weil die Pyrotechnik geeignet gewesen sei, einen Brand auszulösen und Menschen zu verletzen.
Der Vorfall kommt allerdings nicht ganz unerwartet. Jedes Mal, wenn die „Kleinen Bayern“ außerhalb des Spielplans der großen Bayern antreten, reist ein Teil der Hardcore-Fans des FC Bayern mit an. Sie bezeichnen sich auf den Transparenten auch gerne als „Munichs Red Pride“.
Teile des Feuerwerks fielen funkensprühend zwischen die Zuschauer
Müller berichtet auch, dass mehrere brennende Teile des Feuerwerks funkensprühend zwischen die Zuschauer gefallen seien. Dabei sei aber niemand verletzt worden. Die Polizei habe die Apparaturen im Beisein des Waldbesitzers am nächsten Tag von den Bäumen entfernt und sichergestellt. Nun werden Zeugen gesucht, die verdächtige Personen im Umfeld des Waldes und im Vorfeld des Spieles beobachtet haben. Sie können sich bei der Inspektion Cham melden unter Tel. (09971) 8545-0.
Bei einem Heimspiel im Sommer hatten sie bereits neben dem zundertrockenen Wald mit Pyrotechnik hantiert, was zu Verwerfungen mit den Sicherheitsbehörden geführt hatte. Im Nachgang des Spiels nahm die Polizei damals einen Fan fest, weil er von der Überwachungskamera gefilmt worden war, wie er mit einem Transparent die Fans abdeckte, die hinter ihm Pyrotechnik zündeten. Vorwurf: Verstoß gegen das Vermummungsverbot. Die Stimmung im Umfeld ist ohnehin angeheizt. Zunächst kam es zu Diskussionen mit der Bürgerinitiative „Lebenswertes Vilzing“, die Belästigungen wegen Lärms, Verschmutzungen und parkender Autos monierte. Dann ging der Besitzer des angrenzenden Waldes vor Gericht, weil er nicht einsah, dass er haften sollte, nachdem die DJK und ihr Sponsor Zollner das Stadion direkt an seinen Wald gesetzt hatten, obwohl das so nicht in den Plänen stand.
Gespräche zur Sicherheit
Darauf zielt auch die Antwort des Landratsamtes ab, die auf Anfrage des Bayerwald-Echos gegeben wurde. Darin schreibt Fabian Koller, der Sprecher des Landrats: „Bei dem geschilderten Vorfall mit Pyrotechnik handelt es sich um Straftaten einzelner Chaoten. Hierzu sind die polizeilichen Ermittlungen abzuwarten. Ein solches unverantwortliches Verhalten von Einzelnen kann jedoch nicht durch Auflagen in einer Baugenehmigung verhindert werden. Dass solche verhaltensbedingten Vorfälle nicht im Rahmen eines Baugenehmigungsverfahrens ausgeschlossen werden können, bestätigte auch das Verwaltungsgericht Regensburg. Die Klage des Waldbesitzers wurde mit Urteil vom 30. April 2025 vollumfänglich abgewiesen, und die Baugenehmigungen des Landratsamtes wurden bestätigt. Ob die dagegen eingereichte Berufung zulässig ist, muss erst noch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof entscheiden.“
Für die Sicherheit in und um das Stadion ist die Stadt Cham zuständig. Bürgermeister Martin Stoiber zeigte sich verärgert über die neuesten Zündeleien. Er teilte mit, er werde sich mit den Sicherheitsbehörden zusammensetzen und dort mögliche Reaktionen auf die neuen Herausforderungen beraten.
Das war brandgefährlich.
DJK-Trainer Thorsten Kirschbaum
DJK-Trainer Thorsten Kirschbaum vertrat nach dem Spiel eine klare Ansicht zur Aktion der Bayern-Fans: „Das war brandgefährlich. Ich stand da direkt daneben. Da waren zahlreiche Eltern und Kinder vor Ort.“