Spendenaktion für Familie: Rettungssanitäter hinterlässt Frau mit drei Kindern

Am 25. Juli 2025 blieb für Luisa Schöpp die Welt stehen: Der Tod ihres Ehemanns riss ein Loch in die Familie aus Walderbach (Landkreis Cham). „Seitdem ist nichts mehr so, wie es einmal war“, erzählt sie. Im Gespräch berichtet die 30-jährige Mutter, wie sie versucht, den Alltag mit ihren drei Kindern zu meistern – und warum der Traumberuf ihres Mannes als Rettungssanitäter „ihn am Ende kaputt gemacht hat“.
Wenn Luisa Schöpp über ihren verstorbenen Mann Matthias spricht, dann kommt sie aus dem Schwärmen kaum heraus: „Er war sehr offen, extrem hilfsbereit und hatte immer ein Lachen im Gesicht.“ Außerdem sei er mit großer Leidenschaft als Rettungssanitäter im Einsatz gewesen. „Er hat für diesen Beruf wirklich gelebt. Am Ende hat ihn seine Arbeit aber auch kaputt gemacht“, meint die 30-Jährige aus Walderbach.
Über Jahre bekam die dreifache Mutter nach eigenen Worten mit, wie das Lachen immer mehr aus dem Gesicht ihres Mannes verschwand. Immer wieder hätten sich traumatische Einsätze abgespielt, die ihr Mann hautnah miterleben musste. „Das hat ihn verändert“, erzählt Luisa.
Ein Morgen verändert alles
Am Morgen des 25. Juli nimmt sich Matthias Schöpp im Alter von nur 34 Jahren das Leben und hinterlässt seine Frau Luisa und seine drei Kinder im Alter von elf, vier und drei Jahren. Einen Tag vor ihrer geplanten 30. Geburtstagsfeier bleibt die Welt für die Walderbacherin plötzlich stehen. Seitdem, erzählt sie, „ist nichts mehr so, wie es einmal war“.
Jetzt hat die dreifache Mutter laut eigener Aussage vor allem ein Anliegen: „Ich will den Leuten klarmachen, wie belastend die Arbeit von Rettungssanitätern und Pflegekräften sein kann und was diese Leute jeden Tag leisten.“ Außerdem hofft sie, „dass mehr über die Erlebnisse von Rettungskräften in der Gesellschaft gesprochen wird“, damit Betroffene mit ihren Gedanken und Erlebnissen nicht alleine sein müssen. „Reden. Über seine Probleme reden, egal mit wem, es ist so wichtig.“
Wie sehr das Erlebte ihrem Ehemann zusetzte , merkte die 30-Jährige „leider erst, als es zu spät war“. Wenn sich Luisa Schöpp zurückerinnert, dann kommt ihr direkt ein Ereignis in den Kopf, das tiefe Spuren in der Psyche ihres Mannes hinterlassen hatte: „Er begleitete eine hochschwangere Frau beim Intensivtransport, und ihr Baby ist noch im Bauch gestorben.“ Ihr Mann habe immer wieder von diesem Einsatz im Januar erzählt. Außerdem, so vermutet Schöpp, hat der Vorfall ihren Mann wohl an eine Fehlgeburt von ihr selbst erinnert, die schon einige Jahre zurückliegt.
Ein anderes Mal bekam sie einen Anruf ihres Mannes, der gerade im Einsatz war. Auch hier war ein kleines Kind betroffen. „,Schatz, mir ist gerade ein Kind im Arm weg gestorben‘, hat er zu mir am Telefon gesagt“, berichtet Schöpp. Doch immer wenn Luisa ihrem Mann helfen wollte, habe er abgeblockt. „Er hat mir dann gesagt, dass er mich mit diesen Sachen nicht auch noch belasten will“, erzählt sie.
Kurz danach verlor ihr Mann, der beruflich vor allem im Großraum München unterwegs war, seinen Job. „Da kam wirklich viel zusammen in dieser Zeit“, erzählt sie. Der plötzliche Verlust seines Traumberufs hat ihn dann endgültig „aus der Bahn geworfen“.
Ein paar Wochen später sei ihr Mann dann auch noch mit einer Hirnblutung ins Krankenhaus gekommen. „Das hatte wohl mit dem ganzen Drumherum zu tun“, sagt Schöpp. Er konnte das Krankenhaus dann zwar wieder verlassen, „aber ganz der Alte war er danach nicht mehr“. Auch die vielen Unterstützungsangebote, die ihr Mann annahm, hätten daran nichts geändert. „Ich möchte aber auf keinen Fall jemandem einen Vorwurf machen“, meint sie und ergänzt: „Wir haben ja Hilfe bekommen, aber es hat nicht gereicht.“ Schlussendlich sei er dann in die ambulante Traumatherapie gekommen.
Doch am Ende schaffte es Matthias nicht. „Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie sehr er jeden Tag gekämpft hat“, sagt die Mutter und ergänzt: „Ich hatte einfach gehofft, dass unsere Liebe stark genug ist und er es irgendwie da durch schafft.“
Und auch wenn die Welt für die 30-Jährige laut eigener Aussage an dem Todestag ihres Mannes stehenblieb, „der Alltag hat nicht auf mich gewartet“. Auf einmal musste sich die Mutter mit vielen Fragen auseinandersetzen: „Was kann ich jetzt noch arbeiten mit drei Kindern zuhause? Wie soll ich alleine über die Runden kommen? Wie bringe ich meine Kinder zur Schule oder zum Kindergarten?“ Zurzeit sei sie viel daheim bei ihren drei Kindern und Hunden. „Für einen Job fehlt mir gerade einfach die Zeit.“
Auch ihren Führerschein habe sie wegen eines Unfalls, bei dem sie als Jugendliche erste Hilfe leistete, nie beendet. Zu allem Überfluss sei das Auto in der Garage jetzt auch noch kaputt und weit von der Verkehrstüchtigkeit entfernt, erzählt die 30-Jährige. „Manchmal komme ich mir vor, als wäre ich im falschen Film, weil alles, was schiefgehen kann, schiefgeht“, gibt sie zu.
Licht am Ende des Tunnels
Trotzdem will sie weiter kämpfen, auch für ihre drei Kinder, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben. Außerdem werde sie von Freunden und Familie, aber auch in Walderbach unterstützt.
„Der Zuspruch hat mich wirklich berührt“, erzählt die 30-Jährige. Unzählige Nachrichten hätten sie erreicht, sogar der Bürgermeister habe ihr eine persönliche Karte zukommen lassen. „Auch der Kindergarten hilft mir und holt die Kinder jeden Tag daheim ab.“
Inzwischen ist Schöpp nach eigenen Worten auch endlich dabei, ihren Führerschein zu beenden. „Ich lerne schon fleißig für die Theorieprüfung.“ Auch hier werde ihr von Seiten der Fahrschule geholfen, die Theoriestunden und ihren Vollzeitjob als Dreifach-Mama in Einklang zu bringen.
„Aufgeben ist für mich keine Option, das hätte auch mein Mann nicht gewollt“, sagt sie. Vielmehr will die Mutter ganz offen über das Thema sprechen, damit nicht noch mehr Familien ähnliche Erfahrungen machen müssen. Vergessen werde sie ihren Ehemann auf keinen Fall, im Gegenteil: „Ich werde Matthias immer so in Erinnerung behalten, wie ich ihn kennengelernt habe: offen, hilfsbereit und immer mit einem Lachen im Gesicht.“
So können Sie jetzt helfen
Spendenaktion: Eine Freundin von Luisa Schöpp hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Dadurch soll der Führerschein, die Autoreparatur und die Alltagskosten der Familie finanziert werden. Unter folgendem Link kann an die Familie gespendet werden: https://gofund.me/aa890b489
Unterstützungsangebote: In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen oder Suizidversuche – außer die Tat erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Sollten Sie selbst das Gefühl haben, dass Sie Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Rufnummer 0800/111-0111 oder 0800/111-0222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können. Weitere Hilfsangebote gibt es beim Krisendienst Bayern unter der Telefonnummer 0800/655-3000 sowie der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.