Aumovio: Abspaltung sorgt für „Aufbruchsstimmung“ in Regensburg – So lief das Börsendebüt

Die Continental-Abspaltung Aumovio ist am Donnerstag an der Börse in Frankfurt gestartet. „Mit der Börsennotierung schlagen wir ein neues Buch in unserer Unternehmensgeschichte auf“, sagte der Vorstandsvorsitzende Philipp von Hirschheydt. Auch die Regensburger Werkschefin und der dortige Betriebsratsvorsitzende äußerten sich zur nun erlangten Eigenständigkeit des Zulieferers.
Als eigenständiger Konzern trete man an, „die Zukunft der Mobilität als einer der führenden Anbieter für Automobilelektronik maßgeblich zu prägen“, sagte Von Hirschheydt in Frankfurt. Gestartet war die Aktie am Morgen bei 35 Euro. Das Papier stieg in der Folge um satte zehn Prozent auf einen Xetra-Schlusskurs von über 38 Euro.
Mit der erfolgreichen Abspaltung ist Continental bei der Neuaufstellung des eigenen Konzerns einen guten Schritt vorangekommen – die Niedersachsen wollen künftig wieder ein reiner Reifenhersteller sein. Anteilsscheine des Unternehmens waren am Donnerstagabend für knapp 57 Euro zu bekommen.

Kombiniert man den Kurs im passenden Verhältnis mit dem Aumovio-Wert – Conti-Anleger erhielten für je zwei ihrer Aktien zusätzlich automatisch ein Papier des neuen Zulieferers – ergab sich am Donnerstag ein gemeinsamer Wert von etwas mehr als 76 Euro. Am Mittwochabend lag der Xetra-Schlusskurs vor der Abspaltung noch bei knapp 73 Euro. Wertemäßig ging es für die Aktionäre also leicht nach oben.
Erstmals angekündigt hatte Continental die Abspaltung im Sommer 2024. Seitdem ist viel passiert. „Ich bedanke mich herzlich beim gesamten Team für den großartigen Einsatz in den vergangenen Monaten“, sagte Von Hirschheydt am Donnerstag. Der Vorstandsvorsitzende trug auf dem Börsenparkett ein orange-rotes Einstecktuch – die Hauptfarbe von Aumovio.
Aumovio-Markendesign wurde in Regensburg präsentiert
Präsentiert wurde das Markendesign Anfang September zeitgleich am Hauptsitz des Unternehmens in Frankfurt und im wichtigen Regensburger Werk. In der Oberpfalzmetropole entwickeln und fertigen die über 4000 Beschäftigten unter anderem Sensoren und Hochleistungsrechner.
Insgesamt hat das Unternehmen weltweit über 100 Standorte - ein weiterer in Bayern ist Ingolstadt mit etwa 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Einen besonderen Fokus will der neue Konzern allerdings auf das Geschäft in China legen. Dabei handele es sich um einen wichtigen Wachstumsmarkt für Aumovio, teilte das Unternehmen kürzlich mit. Dass die deutschen Standorte dadurch an Bedeutung verlieren, ist dem Zulieferer zufolge aber nicht zu befürchten. Beispiel Regensburg: Der Standort bleibe „ein wichtiger Teil der Erfolgsgeschichte“, sagte Werkleiterin Alexandra Bornemann am Donnerstag. Das Werk sei „eingebunden in eine leistungsstarke Organisation, die schon heute bei Zukunftstechnologien ganz vorne mitspielt“.

Auch der Regensburger Betriebsratsvorsitzende Alexander Auburger ist froh, dass der Standort ein wichtiger Teil von Aumovio ist – unter anderem sitzt eine der vier Sparten in Regensburg. Grundsätzlich gehe man positiv gestimmt in die Eigenständigkeit, sagte der Gewerkschafter am Donnerstag. Es gebe sogar eine gewisse „Aufbruchsstimmung“.
Bornemann zufolge entsteht mit Aumovio „ein neues, eigenständiges Unternehmen, das uns mehr unternehmerische Freiheit gibt“. Tatsächlich sind Abspaltungen genau deshalb beliebt. Lange wurden große Mischkonzerne als sinnvoll angesehen. Gut laufende Sparten konnten dann Verluste in Bereichen mit schlechterer Performance ausgleichen. Heutzutage – unter anderem wegen dem zunehmenden Wettbewerb mit Asien und der dortigen Innovationsgeschwindigkeit – liegen aber fokussierte und damit flexiblere Unternehmen im Trend. Das Ziel: Schneller auf Marktanforderungen reagieren zu können. Auch Auburger hofft für Aumovio nun auf „eine gewisse Dynamik, die uns nach vorne bringt“. Mit Continental sei man zwar sehr groß gewesen, teilweise aber auch langsam.