Kommando-Übergabe bei der Bundeswehr: „Roding ist ein toller Standort“

Von Oliver Hausladen · 17. September 2025 um 05:00

Dreieinhalb Jahre lang war Oberstleutnant Dr. Tobias Gößlbauer Kommandeur des Versorgungsbataillons 4 und Standortältester der Rodinger Arnulf-Kaserne und damit Chef von mehr als 1000 Soldaten sowie zivilen Mitarbeitern. Nun übergibt er das Amt an Oberstleutnant i. G. Florian Beerenkämper.

„Ich war sehr gerne in Roding, es ist ein toller Standort“, erzählt Gößlbauer, doch sei das Amt eines Kommandeurs eigentlich immer auf drei Jahre zeitlich begrenzt. Besonders gerne zurückerinnern werde er sich unter anderem an die öffentlichen Gelöbnisse mit vielen Besuchern sowie an die großen Neujahrsempfänge gemeinsam mit der Stadt in der Stadthalle.

Zum zweiten Mal in der Oberpfalz

Er habe sich sehr gefreut, als er im April 2022 nach Roding kam, blickt Gößlbauer zurück. Es sei quasi ein „Heimspiel“ in der Region gewesen, nachdem er schon von 2005 bis 2008 in Kümmersbruck tätig war. Zudem lebt der gebürtige Hesse schon mehr als sein halbes Leben lang mit seiner Familie in München. Im Freistaat Dienst zu leisten sei daher auch ein besonderer Wunsch von ihm gewesen.

Für die mehr als 1000 Soldaten und das Material zuständig zu sein, sei eine große Verantwortung gewesen, sagt Gößlbauer, er habe es aber sehr gerne gemacht: „Kommandeur eines Bataillons und zugleich als Standortältester auch für die Infrastruktur einer ganzen Kaserne verantwortlich zu sein, ist eine sehr herausgehobene und fordernde Verwendung bei der Bundeswehr, ich habe versucht, diesem an mich gerichteten Auftrag immer bestmöglich gerecht zu werden.“

Krieg verändert Lage

Vor dem Wechsel nach Roding war Gößlbauer drei Jahre lang im Verteidigungsministerium in Bonn tätig. Kurz bevor er nach Roding zum Versorgungsbataillon 4 kam, begann Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. „Damit hat sich auch die Situation bei der Bundeswehr grundlegend geändert“, berichtet der Oberstleutnant. Dass nach Jahrzehnten wieder Krieg in Europa herrsche, habe die Landes- und Bündnisverteidigung wieder viel stärker in den Fokus gebracht als zuvor. Auch die momentane Diskussion über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht wäre seiner Meinung nach vor dem Krieg nicht möglich gewesen, „jetzt ist das Bewusstsein auch in Politik und Gesellschaft deutlich gewachsen, dass Deutschland und die Nato sich gegen eine mögliche russische Aggression verteidigen können müssen.“

Das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, darauf leisten die Rekruten beim Gelöbnis auch ihren Eid. „Ich erkläre dann immer auch, dass das im Extremfall heute heißen kann, für sein Land unter Einsatz seines Lebens zu kämpfen“, sagt Gößlbauer.

Viele Gelöbnisse und andere öffentliche Veranstaltungen

Eine Vielzahl von Gelöbnissen habe in seiner Zeit in Roding stattgefunden, am Esper, aber auch in Patengemeinden wie Zandt, Wald oder zuletzt in Rettenbach. Die Zusammenarbeit mit den Kommunen sei dabei stets bestens gewesen, freut sich Gößlbauer: „Das waren schöne Veranstaltungen mit vielen Besuchern, die auch gezeigt haben, dass die Bundeswehr hier einen guten Ruf genießt“. Man wolle auch bewusst in die Öffentlichkeit gehen, um auch diese tiefe Verbundenheit mit der Region und seinen Menschen weiter zu leben, sagt der Oberstleutnant.

Realschüler sportelten in Bundeswehr-Halle

Dies gelte auch für den großen gemeinsamen Neujahrsempfang zusammen mit der Stadt in der Stadthalle. Dieser habe schon viele Jahre Tradition und zeuge ebenfalls von einem guten Miteinander mit der Bundeswehr mit der Kommune und der Zivilbevölkerung. Dies weiter zu fördern, sei ein Ziel von ihm gewesen, zu dem auch weitere Schritte beitrugen. So durften unter anderem etwa die Realschüler während des Umbaus der Turnhalle in die Sporthalle auf dem Kasernengelände ausweichen. „Wir hatten die Kapazitäten frei und haben gerne geholfen“, sagt Gößlbauer. Zudem sei dies eine weitere Gelegenheit gewesen, Bundeswehr und den täglichen Dienst am Standort auch für junge Bürger Rodings positiv erlebbar zu machen.

Viel sei in den vergangenen dreieinhalb Jahren passiert, auch was die Ausrüstung angehe, so Gößlbauer. So wuchs der Verband um eine Vielzahl moderner Fahrzeuge, auch die persönliche Bekleidung und die Ausrüstung der Soldatinnen und Soldaten sei erneuert und deutlich verbessert worden. Neue Gefechtshelme, Schutzwesten und Rucksäcke sind nur ein Beispiel hierfür.

64 Millionen Euro werden in den Standort investiert

Auch in die Gebäude wurde investiert und werde es weiterhin. Insgesamt 64 Millionen sind für die Rodinger Kaserne in den kommenden Jahren eingeplant, „ein klares Bekenntnis zum Standort“, wie der Oberstleutnant betont. Fertig ist ein neues Gebäude für die Sanitätsversorgung. Die zentrale Kantine soll 2030 abgerissen und neu gebaut werden, wie auch unter anderem einige Unterkunftsgebäude. Ebenso soll ein Parkdeck auf dem Kasernengelände entstehen.

Auch ansonsten wurde Gößlbauer als Kommandeur nicht langweilig. Zahlreiche Übungen im In- und Ausland wurden durchgeführt, das Bataillon nahm an zwei Einsatzverpflichtungen von je sechs Monaten in Litauen teil und auch bei der Fluthilfe in Pfaffenhofen waren Soldaten aus Roding gefordert. „Wir wurden über Nacht am Wochenende alarmiert und haben dann innerhalb kürzester Zeit unser Personal in den Einsatz bringen können.“

In Roding war es für mich die längste Zeit bisher bei der Bundeswehr an einem Standort – und ich habe jeden Tag genossen.

Tobias Gößlbauer

Die nächste Karrierestation für Gößlbauer wartet beim Multinationalen Kommando in Ulm auf ihn. Dort wird er sich erneut mit dem Thema Logistik, seinem Spezialgebiet, beschäftigen, nun in einem multinationalen Umfeld. Zwar sei es für ihn natürlich emotional schwierig, Roding und die Region hinter sich zu lassen, allerdings habe die neue Verwendung auch Vorteile: So würde sich seine Familie (Frau und drei Kinder im Alter von sechs, zehn und 15 Jahren) schon jetzt freuen, hoffentlich zukünftig wieder mehr Zeit mit ihm verbringen zu können. „Darauf freue ich mich besonders.“ Deshalb sieht er den Wechsel auch, trotz der Wehmut, sein Bataillon abgeben zu müssen, auch mit einem lachenden Auge, konnte er mit dreieinhalb Jahren am Standort sogar ein halbes Jahr länger in Roding Dienst leisten als die übliche Verwendungsdauer eines Kommandeurs: „In Roding war es für mich die längste Zeit bisher bei der Bundeswehr an einem Standort – und ich habe jeden Tag genossen.“

Beerenkämper übernimmt

Mit Oberstleutnant i. G. Florian Beerenkämper, der aus dem Kommando Heer aus Strausberg bei Berlin nach Roding kommt, übernehme ein erfahrener Stabsoffizier, bei dem das Bataillon und die Arnulf-Kaserne in sehr guten Händen sei, ist sich Gößlbauer absolut sicher. Eine Woche lang werden er, der Stab und die Kompanien des Versorgungsbataillon den neuen Kommandeur intensiv und im Detail mit dem Bataillon und dem Standort vertraut machen.

Die öffentliche Kommandoübergabe findet am Freitag, 19. September, um 10 Uhr auf dem Volksfestplatz am Esper statt und wird von Brigadegeneral Axel Hardt, dem Kommandeur der Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“, durchgeführt.