„Historisches zukunftsfest gemacht“: Kreismuseum Walderbach öffnet nach 15 Jahren wieder

„Diesen Moment haben wir lange herbeigesehnt“, sagte Walderbachs Bürgermeister Michael Schwarzfischer, nachdem am Freitag die symbolische Schlüsselübergabe für das Kreismuseum im Klostergebäude von den Immobilien Bayern an den Landkreis erfolgte.
Nach 15 Jahren und einer umfangreichen Sanierung werden die Räumlichkeiten wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, zum ersten Mal beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 14. September.
Von einem „fast schon historischen Termin“ sprach Landrat Franz Löffler angesichts der Länge der Bauarbeiten. Diese seien aber nun zu einem Abschluss gebracht worden, und das Ergebnis könne sich sehen lassen. „Wir haben Historisches zukunftsfest gemacht“, befand der Landrat, sowohl was das Gebäude an sich, als auch die Nutzung als Museum angehe.
Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, an dem sich der Landkreis schon seit Jahren mit zahlreichen Aktionen beteilige, sei der ideale Anlass, das ehemalige Klostergebäude nach der Sanierung durch den Eigentümer, den Freistaat Bayern, und den Ausbau für einen zeitgemäßen Museumsbetrieb durch den Landkreis der Öffentlichkeit bei freiem Eintritt vorzustellen, so Löffler. Zugleich sei es ein Vorgeschmack auf den Startschuss des dauerhaften Museumsbetriebs an Ostern kommenden Jahres.
2013 letzte Ausstellung
Seit 1962 befindet sich im ehemaligen Konventgebäude das vom Landkreis getragene Museum. Die Räume wurden dafür vom Freistaat Bayern angemietet. 2013 fand die bislang letzte Ausstellung statt. Die 2009 begonnene Baumaßnahme, eine dringende Dachsanierung, erforderte die vorübergehende Schließung der Ausstellungsräume sowie die Auslagerung der Sammlungsobjekte aus den Depots, erläuterte der Landrat.
Der Landkreis ließ viele Arbeiten selbst durchführen, etwa bei der Sanierung der ehemaligen Räume des Kindergartens im Erdgeschoss zum Ausstellungsraum. Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, mit dem Museum in Walderbach zu bleiben, betonte Löffler. Die historische Anlage sei der ideale Rahmen für das volkskundliche Museum, in dem anschaulich Kultur und Lebensweise der Region während der letzten 200 Jahre dargestellt werden.
400 Quadratmeter Ausstellungsfläche
Das Konzept sieht vor, dass im Erdgeschoss die Ausstellungsfläche „SchauRaum“ entsteht. Auf 400 Quadratmetern Fläche wird es dort künftig wechselnde Ausstellungen zu volkskundlichen Themen der Region geben. 2018 wurden nach dem Auszug des Kindergartens diese Räume in das Nutzungskonzept integriert und eine barrierefreie Ausstellungsfläche geschaffen.
Sammlung umfasst über 12000 Objekte
Die Sammlung des Museums umfasst mehr als 12 000 Objekte. Ein Teil davon ist bereits wieder in den 1100 Quadratmetern großen Depot- und Funktionsräumen, die sich im ersten und zweiten Obergeschoss befinden, angekommen, so Dr. Bärbel Kleindorfer-Marx vom Kulturreferat des Landratsamtes. Diese können beim Tag des offenen Denkmals ausnahmsweise auch im Rahmen der Führungen mit dem Team des Kulturreferats besichtigt werden.

Der barocke Festsaal, der im Besitz der Familie Rückerl/Jobst ist, wird neben der Nutzung für die gemeinsam von Gemeinde und Landkreis getragene Konzertreihe künftig auch für Veranstaltungen des Museums wie Vernissagen oder Vorträge dienen. Die gute Zusammenarbeit mit der Kommune und der Gastwirtsfamilie Rückerl solle so fortgesetzt werden, sagte Löffler.
„Wissensspeicher des Landkreises Cham“
Es sei Freistaat, Landkreis und der Gemeinde Walderbach ein großes Anliegen, das bedeutende Barock-Gebäude öffentlich zu nutzen, so der Landrat. Er dankte allen, die daran beteiligt sind, dass aus dem historischen Ensemble mit seiner jahrhundertelangen beeindruckenden Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes ein „Wissensspeicher des Landkreises Cham“ wird.
Dr. Petra Schmid, Leiterin der Regionalvertretung Oberpfalz der Immobilien Bayern, freute sich ebenfalls, dass die Sanierungsarbeiten nun so weit abgeschlossen sind, dass das Gebäude der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Vor allem auch statisch habe es viele Herausforderungen zu bewältigen gegeben.
Was alles zu tun war, machte Wolfgang Schütz, Bereichsleiter für Hochbau am Staatlichen Bauamt Regensburg, deutlich. So hatte das Gebäude enorme Risse und drohte auf einer Seite zu kippen, so dass es aufwendig stabilisiert werden musste. Auch musste das Dach komplett abgedeckt und neu gemacht werden, viele Holzböden waren morsch und auch die Fassade stark renovierungsbedürftig. Mit dem Ergebnis könne man sehr zufrieden sein, befand er. Insgesamt sieben Millionen Euro habe der Freistaat in die Sanierung investiert.
„Freude im Dorf ist riesig“
Die Freude im Dorf sei riesengroß, sagte Bürgermeister Schwarzfischer. Mit Kreismuseum, Kirche, Prälaten- und Kreislehrgarten habe Walderbach tolle Sehenswürdigkeiten direkt nebeneinander. Sein Dank galt allen Beteiligten, vor allem auch dafür, Walderbach die Treue gehalten zu haben.
Pfarrer Alois Hammerer freute sich, dass das Ensemble von Kloster und Kirche nun wieder komplett sei. Es sei ein „Ort des Lebens und des Glaubens, der für viele wichtig ist“.

Das Programm am Sonntag
Führungen zu jeder vollen Stunde: Von 11 bis 16 Uhr gibt es am Sonntag in Walderbach zu jeder vollen Stunde Führungen durch die Dreiflügelanlage des ehemaligen Zisterzienserklosters Walderbach mit dem Team des Kulturreferats des Landkreises Cham, Treffpunkt ist jeweils am Haupteingang.
Auch Kirche kann besichtigt werden: Um 14 Uhr findet eine Führung in der ehemaligen Zisterzienserabtei-Kirche, jetzt Pfarrkirche St. Nikolaus und St. Maria, mit Renate Bösl statt.
Konzert im Festsaal: Für Musikfreunde gibt es um 15 und 16 Uhr jeweils halbstündige Konzerte im Festsaal von 1732. Am Flügel sitzt Peter Kiener, der Eintritt ist frei.
Gärten frei zugänglich: Zudem sind Prälatengarten und Kreislehrgarten frei zugänglich. Für das leibliche Wohl sorgt der Gasthof Rückerl.