14 Aktionen sind am Tag des offenen Denkmals geplant: Auch bei der Reichsburg

Von Johannes Lesser · 10. September 2025 um 19:00

Eintauchen in eine vertraute Welt, die sich von unserer heutigen aber doch fundamental unterscheidet: Das ist der Tag des offenen Denkmals. Deutschlandweit sind laut den Organisatoren am kommenden Sonntag tausende Denkmäler für Besucher geöffnet. Ob Roding, Waldmünchen oder Walderbach: Auch im Landkreis Cham sind insgesamt 14 Aktionen geplant.

Eine davon führt zu einer Burg, die als eine der wichtigsten früh- und hochmittelalterlichen Burganlagen Ostbayerns gilt und von der heute auf den ersten Blick dennoch kaum etwas zu sehen ist.

Ein irreführender Begriff

Die Reichsburg Cham lag direkt im Osten der heutigen Stadt auf dem Hügel neben dem Zusammenfluss von Chamb und Regen. Macht man sich auf die Suche nach Informationen über die Burg, taucht sofort der Begriff „Schwedenschanze“ auf. Ein Trugschluss, wie Dr. Wolfgang Schoyerer verrät. Er leitet die Führung am kommenden Sonntag. Schwedenschanzen gibt es ihm zufolge „überall, wo Sie rumkommen“. An vielen Orten wurden demnach historische Strukturen mit dem Begriff „Schweden“ versehen. Ein Überbleibsel aus dem 30-jährigen Krieg. Die Burg selbst hat damit allerdings „nichts zu tun“, so Schoyerer.

Doch aus welcher Zeit stammt die Anlage eigentlich? Erstmals dokumentiert wurde sie im Jahr 976. „Hierher musste sich Kaiser Otto II. nach einem Feldzug in Böhmen und einer Niederlage bei Pilsen zurückziehen“, heißt es in einem Beitrag der Universität Tübingen. Ihre Abteilung für Archäologie des Mittelalters führt seit fast drei Jahren Untersuchungen an der Burg durch – gemeinsam mit der Stadt Cham und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

Die Cham-Further-Senke war vor mehr als 1000 Jahren einer von drei großen Übergängen von Germanien nach Böhmen. „Deshalb haben hier auch die deutschen Könige und Kaiser Reichsburgen gebaut“, erklärt es Schoyerer. Das Gebiet, zwischen dem heutigen Ortsteil Altenstadt und dem Lamberg lag wie eine Art Flaschenhals auf dem Weg.

Eine Münzprägestätte in der Grenzregion

Das Burggelände war seinerzeit großräumig angelegt, um auch Reiteransammlungen aufnehmen zu können oder der Bevölkerung als Fluchtpunkt zu dienen. Allerdings wurde es nicht nur militärisch genutzt: Kaiser Heinrich II. etablierte um die Jahrtausendwende eine Münzprägestätte. „Da haben sich die Kaufleute nochmal mit Geld versorgt, das auch drüben gegolten hat“, beschreibt es Wolfgang Schoyerer.

Viele Reichsburgen wurden im Laufe der Zeit verändert oder überbaut. „Nur Cham ist übrig geblieben, weil die Stadt vermutlich schon unter den Diepoldingern und dann später unter den Wittelsbachern verlegt worden ist“, sagt Schoyerer. Mit dem Umzug der Stadt verfiel die einstige Reichsburg, das Gelände wurde für die Landwirtschaft genutzt.

In den letzten hundert Jahren wurde auf dem Areal dreimal genauer geforscht, berichtet Schoyerer. Das erste Mal im Jahr 1938, „damals politisch, ideologisch begründet“. Ein zweiter Anlauf startete 1976. „Da hat man wesentlich besser gegraben, hatte bessere Methoden“, so Schoyerer. Durch die Eigenart der Archäologie, dass „immer nur der, der gräbt, veröffentlichen darf“, und äußere Umstände blieben die Ergebnisse lange verschwunden.

Neuer Wind für Forschung

Durch das Engagement der Chamer und der Tübinger Professorin Natascha Mehler kam in den letzten Jahren neuer Schwung in die Angelegenheit. „Ziel ist es, erstmals systematisch alle registrierten Befunde und Funde zusammenzutragen und auszuwerten“, heißt es auf der Seite der Universität Tübingen. Außerdem finden mit modernen Methoden neue Forschungen auf dem Gelände statt: „Dabei entdeckt man alles Mögliche, was da oben ist“, sagt Schoyerer. „Die Forschung zur Reichsburg ist im Werden und da ist jetzt die große Welle.“

Interessierte, die sich selbst ein Bild vom Gelände der einstigen Reichsburg machen wollen, können dies beim Tag des offenen Denkmals ab 14 Uhr im Rahmen einer Führung mit Wolfgang Schoyerer tun. Der Treffpunkt ist die Reichsburgerstraße 4 im Chamer Ortsteil Altenstadt.

Die Aktionen am Tag des offenen Denkmals im Überblick

Führungen: Bodendenkmal „Keltische Vierecksschanze Nößwartling“: Führungen um 10, 13 und 15.30 UhrWasserschloss Arnschwang: 13 UhrSchlosskirche Sg. Ägidius Katzberg: 14 UhrReichsburg Cham: 14 UhrUrkirche Chammünster: 14 UhrBurg Falkenstein: 13.30 UhrTurmführung in der Pfarrkirche St. Sebastian Falkenstein: 11.15 UhrSchulmuseum Fronau: 14 UhrAlte Wehrkirche Obertrübenbach: 14 UhrIndustriedenkmal Kalksandsteinwerk Roding: 10 und 11.30 UhrWasserschloss Loifling: 9 und 15 UhrGut Hötzing: 14 und 15.30 UhrKlosteranlage Walderbach:Dreiflügelanlage 11 bis 16 Uhr stündlichPfarrkirche St. Nikolaus und St. Maria: 14 UhrAusstellung: Grenzland- und Trenckmuseum Waldmünchen: „Denkmal im Wald – Kultur in der Natur“ 14 bis 17 UhrDarüber hinaus: Neben den Führungen sind am Sonntag vielerorts weitere Aktionen wie Konzerte, Bastelaktionen oder Märkte geplant