Lange Reise zum eigenen Friseursalon in Cham: Musab Houri ist aus Syrien geflohen

Von Nils Mayer · 13. September 2025 um 15:00

So richtig kann es Musab Houri noch immer nicht glauben. Sein eigener Friseursalon „Muss ab“ in Cham ist endlich fertig und hat geöffnet. Sein Traum von der Selbstständigkeit war aber eine „lange Reise“, wie er selbst sagt. Eine Reise, die den 37-jährigen Syrer von seiner Heimatstadt Aleppo bis nach Cham brachte.

Video ansehen

Nur zehn Jahre ist es her, dass Houri aus Syrien vor dem Krieg flüchtete. „Die Armee wollte mich einziehen, aber ich wollte nicht in einem Bürgerkrieg kämpfen“, erzählt er.

Er musste nicht nur seine Familie, sondern auch seinen eigenen Friseurladen zurücklassen. „Der Krieg hat alles dort zerstört“, sagt er.

Zuerst sei er in die Türkei geflohen, um dann mit dem Schlauchboot mitten in der Nacht den Weg Richtung Europa anzutreten. „Dann schafften wir es irgendwie zu Fuß über Mazedonien und Serbien nach Deutschland“, so Houri und ergänzt: „Die Bilder von dieser Reise gehen mir nicht mehr aus dem Kopf.“

Flucht vor dem Krieg

Er habe in einem Fußballstadion übernachtet, sei von Polizisten an der serbischen Grenze verprügelt worden und durch Maisfelder geflohen. Nach 20 Tagen sei er schließlich in Cham angekommen. „Die Leute hier waren immer freundlich und sehr hilfsbereit“, berichtet er. „Ich wollte schnell wieder etwas Richtiges arbeiten.“

Seit er in Cham ankam, hat es für ihn immer nur ein Ziel gegeben: „Ich wollte unbedingt wieder einen Friseursalon aufmachen.“ Seit dem 2. September ist dieser Wunsch zur Realität geworden. Schon ein paar Wochen vorher durfte der 37-Jährige dann seinen Laden einrichten. „ChatGPT hat uns ein bisschen geholfen“, scherzt der Friseur.

Möbel aus Istanbul

Fündig sei er dann in Istanbul geworden und habe die Möbel von dort per Lastwagen nach Cham liefern lassen. „Dort haben mir die Möbel einfach besser gefallen und das passt auch besser zum Laden.“ Auch der Boden sei komplett neu, genauso wie die frisch gestrichenen Wände. „Wir haben auch eine Spieleecke eingerichtet, damit den Kindern nicht langweilig wird“, meint Houri.

Der Boden ist neu und die Wände frisch gestrichen. - Foto: Nils Mayer

Wer sich für den Friseur in der Alrunastraße entscheidet, dem verspricht Houri vor allem eine Sache: „Ich gebe immer alles.“ Natürlich biete er zusammen mit seiner Kollegin Theresa Bamberger alles an, „was die Leute so wünschen“. Egal ob Herren- und Damenfrisuren oder ein Haarschnitt für die Kleinen vor Ort – alles sei möglich.

Die nächsten Monate wolle Houri noch nutzen, um sich eine Stammkundschaft aufzubauen. „Das braucht noch ein bisschen Zeit, aber es kommen jeden Tag neue Leute, die vorbeischauen.“

Und wie geht es für den Friseur in Zukunft weiter? „In Cham soll erst einmal alles so bleiben, wie es jetzt ist“, sagt er und ergänzt: „Im nächsten Jahr will ich dann aber unbedingt noch mein Team erweitern.“

Eine Spieleecke gibt es auch. - Foto: Nils Mayer

Zurzeit helfe nämlich seine Familie noch viel mit und unterstütze ihn bei seiner Arbeit. Übrigens: Seine Frau hat der Syrer damals in Cham kennengelernt.

Einen weiteren großen Traum hat der Syrer dann aber doch noch: „Jetzt, wo der Krieg in Syrien vorbei ist, will ich auch dort irgendwann eine Filiale eröffnen.“