TV-Vermisstenexpertin Julia Leischik sucht nach verschwundener Ambergerin

Ein seit 13 Jahren ungeklärter Vermisstenfall aus Amberg rückt wieder in den Fokus der Öffentlichkeit: Am kommenden Mittwoch wird der Podcast mit dem Titel „Julia Leischik: Spurlos“ veröffentlicht, der auf das mysteriöse Verschwinden der damals 41-jährigen Italienerin Anna Franca Poddighe blickt. Moderatorin Julia Leischik und ihre Kollegin Sylvia Lutz haben dafür unter anderem mit der Schwester und der Nichte der Vermissten gesprochen und hoffen, dadurch wieder Bewegung in den Fall zu bringen.
Lesen Sie hier: Polizei schließt Akten im Fall Poddighe
Leischik ist vor allem für ihre wöchentliche Show auf SAT.1 bekannt, in der sie unter dem Titel „Julia Leischik sucht: Bitte melde dich“ mit ihrem Team auf Spurensuche nach Menschen geht, die sich aus ganz verschiedenen Gründen aus den Augen verloren haben. Fast immer mit einem großen Happy End. „Was kann es Bewegenderes geben, als dabei sein zu dürfen, wenn lang vermisste Menschen sich wieder in die Arme fallen oder wenn man einen Fall eines verschwundenen Menschen aufklären kann? Meine TV Sendung und auch der Podcast haben mich demütig gemacht“, sagt Leischik im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern.
„So wichtig für Angehörige“
Im Fall der verschwundenen Ambergerin ist mit einem glücklichen Ausgang wohl nicht mehr zu rechnen. Das Schicksal der italienischstämmigen Wahl-Oberpfälzerin liegt Leischik, selbst in Cham aufgewachsen, am Herzen. Denn aus ihrer Arbeit weiß sie, wie belastend die Ungewissheit für die Angehörigen ist. „Zu erfahren, was mit dem verschwundenen Menschen geschehen ist, ist deswegen so unglaublich wichtig.“
Anna Poddighe verschwand am 17. Juni 2012 unter ungeklärten Umständen. Ihrer Schwester zufolge wollte sie zu einem Konzert in die Schweiz reisen, der Lebensgefährte gab an, dass sie das Amberger Altstadtfest besuchen wollte. Doch an keinem der beiden Orte wurde die Frau mit den raspelkurzen schwarzen Haaren gesehen. „Wenn sie auf dem Altstadtfest gewesen wäre, dann hätte sie in jedem Fall Bekannte getroffen“, ist ihre Schwester Daniela Poddighe überzeugt. Denn als ehemalige Wirtin einer Sportgaststätte war sie vielen in der Stadt bekannt. Als Anna Poddighe Tage später auch nicht an ihren Arbeitsplatz zurückkehrte, erstattete die Familie eine Vermisstenanzeige. „Spätestens da war für uns klar, dass ihr etwas zugestoßen sein musste“, sagen Schwester und Nichte.

Zu dieser Zeit suchte die Polizei in der Oberpfalz bereits nach einer anderen jungen Frau. Drei Wochen zuvor war die 26-jährige Maria Baumer verschwunden. Auch bei ihr fanden sich zunächst keine Erklärungen für den abrupten Kontaktabbruch. Für den Mord an Maria Baumer, deren sterbliche Überreste im September 2013 in einem Waldstück im Landkreis Regensburg gefunden wurden, verurteilte das Landgericht Regensburg 2020 ihren Verlobten. Im Fall von Anna Poddighe kam die Polizei nie an den Punkt eines konkreten Tatverdachts. Denn trotz intensiver Suche blieb sie wie vom Erdboden verschwunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass auch hier ein Verbrechen vorliegt. 2018 sagte Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier: „Unsere Arbeitshypothese ist ein Tötungsdelikt.“ Doch um Klarheit zu erhalten, bräuchte es den Leichnam, hieß es damals.
Hören Sie hier den Podcast von Julia Leischik
Für Daniela Poddighe war es eine bittere Erfahrung, dass die Polizei vor sieben Jahren die Akten mangels weiterer Ermittlungsansätze schließen musste. Zuvor waren die vielen Internetbekanntschaften der kontaktfreudigen Italienerin überprüft worden und auch der Lebensgefährte geriet ins Visier. Doch ein konkreter Verdacht ergab sich in keine Richtung. Ebenso wenig fanden sich Spuren, die ein mögliches Verbrechen an der damals 41-Jährigen stützten.
Familie erhofft neue Hinweise
Umso mehr hofft die Familie jetzt, dass durch den Podcast neue Aufmerksamkeit geweckt wird und vielleicht sogar neue Hinweise eingehen. „Ich wünsche es mir so sehr, dass die Polizei wieder ermittelt“, sagt Daniela Poddighe. Ein wenig Hoffnung kann Julia Leischik da tatsächlich machen: „Ich glaube schon, dass es noch mal ein neuer Impuls sein kann, wenn ein Fall im Podcast oder auch im TV stattfindet. Und das ist genau das, was wir tun können.“ Deshalb würden auch Aufrufe gemacht, in der Hoffnung, dass sich Menschen, die etwas zur Aufklärung beitragen, melden, sagt die Moderatorin und Journalistin.
Lesen Sie hier: Gibt es noch Hoffnung im Fall Anna Poddighe?
Dass sie einen Cold Case aus der Oberpfalz vorstellt, bedeutet Leischik auch persönlich viel. Denn sie sehe Cham und die Oberpfalz bis heute als ihre Heimat an, sagt sie. „Ich habe dort eine wunderschöne Kindheit und Jugend verbracht. Und es gibt natürlich noch einige Kontakte in die bayerische Heimat. Der wichtigste ist eine meiner engsten Freundinnen.“