Gibt es noch Hoffnung im Fall Anna Poddighe?
Zehn Jahre. 51 wäre Anna Franca Poddighe inzwischen. Wäre sie noch in Deutschland, in Amberg, wo sie zuletzt gelebt hat oder wäre sie in ihr Heimatland nach Sardinien zurückgekehrt? Fragen, die sich ihre Schwester, Daniela Poddighe, oft gestellt hat.
Noch viel öfter hat sie sich allerdings in den schlaflosen Nächten gefragt, was Anna zugestoßen ist. Drei Wochen nach Maria Baumer verschwand die Gastronomin und Köchin. Während Baumers Verlobter schließlich des Mordes überführt werden konnte, ist das Schicksal von Anna Poddighe bis heute ungeklärt.
Ein Video zum Fall aus dem Jahr 2016:
Derzeit laufen keine weiteren Ermittlungen mehr in dem Fall, bestätigte kürzlich Oberstaatsanwalt Jürgen Konrad auf Nachfrage. Neue Ansätze hätten sich für die Ermittler der Kripo Amberg nicht mehr ergeben. Sämtliche Suchmaßnahmen liefen ins Leere.
Ein „Cold Case“
Weder konnte die Italienerin lebend aufgefunden werden, noch gab es Hinweise auf ihre sterblichen Überreste. Seit 2018 ist das Verfahren formal eingestellt und somit zu einem sogenannten „Cold Case“ geworden.
Dass Anna noch leben könnte, glaubt ihre Schwester nicht. Die Mutter einer erwachsenen Tochter hätte sich bei ihrer Familie gemeldet, davon ist sie überzeugt. Und auch sonst sprechen die Umstände des Verschwindens für die jüngere Schwester eine ziemlich klare Sprache. „Ich bin mir absolut sicher, dass es jemanden gibt, der etwas weiß, aber er schweigt, das ist das Problem“, sagt sie.
Daniela Poddighe hatte von Anfang an einen Verdacht, den sie auch gegenüber der Polizei äußerte. Zwar teilten die Ermittler ihre Einschätzung, sagt die Schwester, doch sie fanden keine ausreichenden Belege dafür, dass der Lebensgefährte etwas mit dem Verschwinden zu tun haben könnte.
Italienerin war sehr bekannt
Doch auf den Angaben des Lebensgefährten basierte die Fahndung. Demnach soll Anna Poddighe am 17. Juni 2012 von ihrer Wohnung in Amberg aufgebrochen sein, um das Altstadtfest zu besuchen. Zeugen, die sie dort gesehen haben, gibt es nicht. Dabei war die Italienerin bekannt, sie arbeitete in der Gastronomie und hatte einen großen Freundeskreis. Wenn sie auf dem Altstadtfest gewesen wäre, dann hätte sie dort sicherlich Bekannte getroffen, sagt ihre Schwester. Sie hält die Aussage des Lebensgefährten für eine Lüge.
Denn gegenüber Daniela Poddighe hatte die damals 41-Jährige zwei Tage vor ihrem Verschwinden geäußert, dass sie auf ein Konzert in der Schweiz reisen wolle. Doch auch mit dieser Information kam die Polizei nicht weiter. Niemand hat Anna Poddighe am 17. Juni noch gesehen. Die Spur verliert sich bei einer Amberger Bank, von dort wollte sie ihrer Tochter in Sardinien Geld überweisen.
Die Schwester glaubt, dass Geld ein Motiv sein könnte. Auf Annas Konto fehlte vor ihrem Verschwinden ein vierstelliger Betrag. Hatte sich der Lebensgefährte bei ihr bedient? „Das hätte sie nicht geduldet und entsprechend reagiert, wenn sie es herausgefunden hätte“, sagt die Schwester.
Mehrere Suchaktionen
Ein mögliches Verbrechen aufzuklären ohne einen Tatort, einen Tathergang und die Umstände des Todes zu kennen, ist eine kriminalistische Herausforderung. Es gibt fast nichts, was die Polizei an Spuren finden konnte. Auch die zahlreichen Internet-Bekanntschaften der Vermissten führten zu keinen bedeutsamen Erkenntnissen. Dass der Lebensgefährte allerdings wenige Tage nach dem Verschwinden das Auto der Italienerin verkaufte und später keine Aussagen zu Käufer und Verbleib des Wagens machen konnte, verbucht die Schwester des mutmaßlichen Opfers als Hinweis. Auch, dass er nicht selbst bei der Polizei Anzeige erstattete, als Anna nicht in die Wohnung zurückkehrte. Vielleicht hätte man, wenn die Polizei frühzeitig eingeschalten worden wäre, Spuren finden können, sagt die Schwester.
Mehrfach durchkämmten die Ermittler mit der Bereitschaftspolizei Waldgebiete im Landkreis Amberg-Sulzbach und auch ein See wurde abgetaucht. Doch alle Maßnahmen wurden ergebnislos abgebrochen. Selbst abwegige Theorien, wie ein möglicher Kontakt zum Paar aus dem Horrorhaus in Höxter, wurde abgeklopft. Aber verwertbare Hinweise erbrachte das alles nicht.
Ihre Schwester sagt, dass das Schlimmste ist, nicht abschließen zu können. Es sei belastend, dass Anna nur noch ein Fall im Archiv der Polizei sei, der nicht gelöst werden konnte. „Es ist nicht leicht für uns. Uns bleibt nur zu hoffen, dass eines Tages doch noch alles herauskommt.“