Hundelaufwiese in Schwandorf: Standort und Einrichtung überzeugen nicht alle

Seit gut einem Jahr können Vierbeiner nun schon auf Schwandorfs erster Hundelaufwiese beim Sepp-Simon-Stadion toben. 95.000 Euro nahm die Stadt für die Einrichtung, die mit Zäunen, Schleusen und einem überdachten Unterstand ausgestattet ist, in die Hand. Darüber, ob sich diese Investition nun gelohnt hat, gibt es allerdings geteilte Meinungen. Das Areal werde zu wenig genutzt, ist von Schwandorfer Bürgern zu hören.
Volker Olbrich hat sich lange Jahre als Schatzmeister für den Tierschutzverein Stadt und Landkreis Schwandorf engagiert. Der Tierfreund kann den Eindruck, dass die Wiese nicht ausgelastet ist, gut nachvollziehen. Olbrich hat in seiner aktiven Zeit viele Projekte im Tierheim in die Hand genommen und sich auch für eine Hundelaufwiese in Schwandorf eingesetzt. Vorgestellt hat er sich das damals – als im Jahr 2018 die ersten Ideen zu einem solchen Projekt aufkamen – allerdings ganz anders. Denn der jetzige Standort, so sagt Olbrich, sei nicht der glücklichste.
Seiner Meinung nach hätte die Anlage zudem übersichtlicher gestaltet werden können. „Die Unterstellmöglichkeit wäre auf der gegenüberliegenden Seite sinnvoller gewesen. Das hätte, aufgrund der Krümmung der Wiese, eine bessere Sicht geboten“, erklärt Olbrich, der selbst Hundebesitzer ist. Auch wäre eine Möglichkeit zur Abtrennung sinnvoll gewesen, falls Konflikte zwischen den Hunden entstehen sollten.
Parkplätze sind ein Manko
Ein weiterer negativer Punkt sind für Olbrich die zu weit entfernten Parkplätze. Die nächste Parkmöglichkeit besteht an der Oberpfalzhalle, rund 200 Meter sind es von dort zur Wiese. Auch wenn das eine geringe Entfernung sei, könne diese dennoch gerade für ältere Menschen ein entscheidendes Hindernis darstellen. Die Hundelaufwiese könnte doch gerade für gehbehinderte Menschen oder Senioren eine Lösung sein, um ihrem Hund trotz eigener Einschränkungen genügend Auslauf zu bieten“, erklärt Olbrich. Diese Personengruppe wäre auf unmittelbar angrenzende Parkplätze angewiesen. Hier würde sich Olbrich noch Nachbesserungen wünschen.
Aber auch wegen der abgelegenen Lage hält er den aktuellen Standort nicht für optimal. In der dunklen Jahreszeit würden insbesondere Frauen den nicht stark frequentierten Weg hinter dem Sepp-Simon-Stadion scheuen, so Olbrichs Befürchtung. Auch die direkt dahinter verlaufende Zugstrecke mache die Standortwahl nicht zur glücklichsten. „Die Sicht ist durch Sträucher verdeckt. Hunde hören nur das sehr laute, herannahende Geräusch, können es aber nicht zuordnen“, erläutert er. Daher könnten manche Tiere teilweise panisch reagieren.
Eine lange Liste an verbesserungswürdigen Aspekten ist es, die Olbrich da anführt. Zumal dem ein hoher Kostenaufwand von 95.000 Euro gegenübersteht. Dass die Wiese überhaupt so teuer kam, hatte die Stadt bei der Eröffnung vor einem Jahr mit mehreren Faktoren begründet. Die größten Punkte seien die Zäune sowie die Schleuse am Ein- und Ausgang. Ein weiterer Faktor sei das Unterstandshäuschen, das als Regenschutz für Hundebesitzer dienen soll. Im Jahr 2022 hatte es zunächst Pläne gegeben, die Hundelaufwiese auf einem Grundstück neben dem Schwandorfer Tierheim zu bauen. Eine Variante, die Olbrich begrüßt hätte. „Der Tierschutzverein hatte das Grundstück sogar kostenlos angeboten, um es entsprechend zu nutzen“, blickt er zurück.
Doch die Pläne waren ins Stocken geraten. Bei dem Standort handelte es sich laut Stadt um ein Moor-Sumpfgebiet. Zudem würden „des Öfteren umstürzende Bäume“ eine Gefahr darstellen. Auch das Landratsamt habe einen anderen Standort gefordert.

Diese Entscheidungen konnte und kann Olbrich nicht nachvollziehen. Er kritisiert die Entscheidung der Behörden. „Für alle Probleme und Herausforderungen hätte man Lösungen finden können“, sagt er. „Das wäre für für Hunde, Hundebesitzer und das Tierheim eine Win-win-Situation gewesen“, findet der Tierfreund. Der Standort am Tierheim hätte viele Vorteile geboten. So hätten zum Beispiel auch die Tierpfleger im Rahmen der Nachbetreuung der vermittelten Tiere mit Rat und Tat zur Seite stehen können.
Dennoch, so sagt Olbrich abschließend, sei die aktuelle Lösung besser, als gar keine Hundelaufwiese zu haben. „Ich bin überzeugt, dass wir in der Stadt so ein Angebot brauchen.“

Generell sieht auch der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) e.V. Vorteile in den Hundewiesen. „Hundeauslaufwiesen können unserer Auffassung nach grundsätzlich eine sinnvolle Einrichtung sein“, erklärt der Verband auf Nachfrage der MZ. Die Wiesen würden gut sozialisierten Hunden die Möglichkeit bieten, sich frei zu bewegen, zu spielen und Kontakt zu anderen Hunden zu haben – und das ohne Leine und in einem hundesicheren Umfeld.
Um zu beurteilen, wie intensiv diese Möglichkeiten in Schwandorf genutzt werden, fehlt allerdings das Zahlenmaterial. „Da vonseiten der Stadt Schwandorf keine Daten hinsichtlich der Nutzung der Hundelaufwiese erhoben werden, kann zur Auslastung keine Aussage getroffen werden“, teilt die Pressestelle der Stadt Schwandorf auf Anfrage mit.
An das Rathaus seien bislang keine Probleme oder Verbesserungsvorschläge von Hundebesitzern in Bezug auf das Gelände herangetragen worden, heißt es in der Stellungnahme. Somit bestehe aus Sicht der Stadt kein Handlungsbedarf. Man sei jedoch jederzeit offen für Anregungen der Bürger.
Freundschaften geschlossen
Horst Lotter ist einer der Hundebesitzer, die regelmäßig gern zur Hundelaufwiese kommen. Der Schwandorfer wohnt in der Nähe und nutzt den Ort zeitweise täglich, um seinem achtjährigen Rüden ein abwechslungsreiches Programm zu bieten. Er bewertet es positiv, dass die Stadt ein solches Angebot bietet und schätzt es, dass sein Hund hier in Gesellschaft ist. Lotter berichtet von anderen Hundebesitzern, die zum Teil regelmäßig aus den Nachbargemeinden kommen.
„Dabei sind schon Freundschaften entstanden“, erzählt der Hundehalter. Eine unangenehme Situation habe er bisher noch nicht erlebt. Es liege auch in der Verantwortung der Besitzer, sensibel vorzugehen und sich mit den Tieren zum Beispiel erst einmal hinter dem Zaun anzunähern, sagt er. Lotter spricht noch einen weiteren Aspekt an, warum die Wiese besser ausgelastet sein könnte: Seinem Eindruck nach wissen viele Hundehalter gar nicht, dass es in Schwandorf ein solches Angebot gibt.