Schwandorfer Tierheim platzt aus allen Nähten – Viele Katzenbabys sind derzeit in Pflege

Von Xenia Wilk · 21. August 2025 um 17:01

Flauschig, süß und verspielt – Katzenbabys erobern schnell jedes Herz. Für das Tierheim Schwandorf sind sie in diesem Sommer jedoch vor allem eine große Herausforderung. Das Katzenhaus platzt derzeit aus allen Nähten: Rund 50 Katzen leben momentan dort, darunter etwa 30 Babys im Alter von nur einem Tag bis zu 13 Wochen. Erst am Mittwoch brachte eine Katze in der Quarantäne fünf Junge zur Welt – zusätzlicher Nachwuchs, der wieder mehr Platz, Futter und Betreuung erfordert.

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Das Team im Tierheim ist klein, die Aufgaben sind groß. Acht Tierpfleger kümmern sich um die vielen Tiere, vier davon ausschließlich um die Katzen. Stefanie Süß, Sophie Peters, Christine Schmidt und Julia Kirillova verbringen ihre Arbeitstage – und oft auch ihre Abende – damit, Gehege zu reinigen, Medikamente zu verabreichen, Fläschchen vorzubereiten und kranke Kitten zu versorgen. „Leider verlieren wir auch viele Babys, weil sie bereits in einem sehr schlechten Zustand zu uns kommen. Manche Kitten sind extrem schwach, leiden an Katzenschnupfen oder wurden ohne Mutter und Geschwister gefunden“, berichtet Stefanie Süß.

Ungebremste Vermehrung

Für die Mitarbeiterinnen bedeutet das, rund um die Uhr im Einsatz zu sein. Kommen Katzenbabys gemeinsam mit ihrer Mutter ins Heim, bleiben sie in der Regel zehn bis zwölf Wochen dort, bis sie vermittelt werden können. Werden sie allein aufgefunden, ziehen sie meist schon nach acht Wochen in ein neues Zuhause oder Pflegestelle. Doch bis dahin ist es ein langer, kräftezehrender Weg voller Pflege und Sorge.

Einer der Hauptgründe für die Überlastung im Tierheim ist die ungebremste Vermehrung. „Kastration ist wichtig, weil die Katzen sonst immer wieder Nachwuchs bekommen – oft viel zu früh oder sogar durch Inzucht. Die Kitten sind dann krank, sterben oder landen bei uns im Tierheim“, erklärt Süß.

Eine Katze kann zwei- bis dreimal im Jahr werfen, jeweils sechs bis acht Junge. Die Zahl der Nachkommen vervielfacht sich damit rasant. Auch reine Wohnungskatzen sollten kastriert werden: Rolligkeit ist eine enorme Belastung für die Tiere, auch unkastrierte Kater entwickeln häufig Verhaltensprobleme und beginnen zu markieren.

Flauschig, süß und verspielt: Katzenbabys erobern schnell jedes Herz. - Foto: Xenia Wilk

Die Problematik betrifft nicht nur Tierhalter, sondern auch den Tierschutzverein Schwandorf. „In Deutschland leben Hunderttausende herrenlose Katzen – oft krank, geschwächt und ohne jede Versorgung.Um die unkontrollierte Vermehrung einzudämmen, gibt der Verein Kastrationsgutscheine an Freiwillige und Anwohner aus. Mit diesen können Streunerkatzen eingefangen und bei Partner-Tierärzten kastriert werden. Nach der Genesung kehren die Tiere wieder an ihren gewohnten Platz zurück – allerdings ohne das Risiko, weiteren Nachwuchs zu bekommen“, erklärt Jana Nießen, die 2. Vorsitzende vom Tierschutzverein Schwandorf.

Wir brauchen deutlich mehr als 20.000 Euro, um Tierarztkosten, Medikamente und Impfungen zu decken

Doch die Finanzierung dieser Maßnahmen ist jedes Jahr eine große Herausforderung. „Wir brauchen deutlich mehr als 20.000 Euro, um Tierarztkosten, Medikamente und Impfungen zu decken“, betont Nießen. Der Landkreis unterstützt die jährliche Kastrationsaktion zwar mit 20.000 Euro, aber die Lücke zwischen Bedarf und Realität bleibt groß. Dazu kommt: Nicht alle Gutscheine werden eingelöst, weil es an Freiwilligen fehlt, die Streunerkatzen einfangen und zum Tierarzt bringen können.

Während in einigen Bundesländern und Städten eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen gilt, gibt es in Bayern bislang keine einheitliche Regelung.

Auch schöne Momente

Ob eine Pflicht eingeführt wird, entscheiden die Kommunen und Gemeinden selbst. Eine landesweite Verpflichtung sei derzeit nicht absehbar. Dabei, so betonen die Tierschützer, könnte eine konsequente Kastration nicht nur die Zahl der Katzen deutlich senken, sondern auch viel Tierleid vermeiden und vererbte Krankheiten eindämmen.

Für das Tierheim Schwandorf bleibt die Lage ernst. Die Tierpflegerinnen kämpfen täglich darum, allen Katzen gerecht zu werden – vom neugeborenen Kitten bis zur älteren Abgabekatze. Sie mischen Milch für die Jüngsten, behandeln Infektionen, reinigen Gehege und spenden Zuwendung, wo es möglich ist.

Trotz aller Sorgen gibt es für die Mitarbeiterinnen auch schöne Momente: Nämlich dann, wenn ein schwaches Kitten endlich kräftig genug ist, um in ein liebevolles Zuhause vermittelt zu werden. Doch bis dahin ist es für das Team jeden Tag ein Kraftakt – finanziell, organisatorisch und emotional.

Stefanie Süß mit einen Kitten. Trotz aller Sorgen gibt es auch schöne Momente. - Foto: Xenia Wilk