Regensburg liegt im Trend – Unter den Metropolen mit den besten Chancen bei Marco Polo

Steinalt und fit für die Zukunft – Ein bekannter Reiseführer feiert Regensburg. Es ist nicht nur die am besten erhaltene mittelalterliche Großstadt Deutschlands, sondern zählt im Prognos-Zukunftsatlas zu den zehn Metropolen mit den größten Chancen.
Wenn die Frankfurter Zukunftsforscherin Anja Kirig Regensburg besucht, macht sie Station beim Milchschwammerl in der Fürst-Anselm-Allee. „Dort bin ich sehr gerne“, sagt die 48-Jährige. Freilich heißt der Kiosk bei ihr „Milchpilz“. Kirig ist überzeugt, dass Städte wie Regensburg weiterhin attraktiv für Touristen sein werden. „Wir haben ja eine individualisierte Gesellschaft mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen. Da punkten Städte mit Vielfalt.“

Kirig hat in der Jury mitgeredet, die Regensburg in den „Marco Polo Trendguide 2026“ aufnahm. Er ist am Dienstag erschienen. Die Domstadt wurde für die Kategorie „2026 erleben!“ ausgewählt, weil sie Besonderheiten vereint. Sie ist die am besten erhaltene mittelalterliche Großstadt Deutschlands und damit lebendiges Unesco-Welterbe. Natürlich kommt auch der Milchschwammerl von Betreiber Florian Rottke vor.
Die ersten „Wolkenkratzer“
Mit ihren Geschlechtertürmen – den Wolkenkratzern des Mittelalters – und der Geschichte als Römerlager Castra Regina bewahre Regensburg einen einzigartigen historischen Charme, sagt Pressesprecher Christian Bazlen vom Verlag Mairdumont. Gleichzeitig sind er und die Jury überzeugt, dass die Hauptstadt der Oberpfalz durchaus zukunftsorientiert ist. Im Prognos-Zukunftsatlas 2025 zählt sie zu den zehn deutschen Städten mit den besten Chancen. Außerdem dürfte 2026 ein anspruchsvolles Kulturjahr werden: Mit den Bayerischen Theatertagen im Mai, dem ganzjährigen Programm „Fingerspitzengefühl“ und der Jubiläumstour Lord of the Dance in der Donau-Arena ergießt sich ein Füllhorn an Veranstaltungen.
Besuchern empfiehlt der Trendguide den Aufstieg zum Dreifaltigkeitsberg, der mit einem Altstadt-Panorama belohnt, die Römer-Schau im Historischen Museum, einen Spaziergang auf den Spuren von Castra Regina und eine Schifffahrt durch den Donaudurchbruch bei Weltenburg.
Professor Dr. Harald Zeiss, Geschäftsführer des Instituts für nachhaltigen Tourismus in Wernigerode, wirkte ebenfalls in der Jury mit. „Regensburg wurde ausgewählt, weil es eine außergewöhnliche Mischung aus Geschichte, Kultur und Naturerlebnis bietet“, erklärt er. Die Welterbestadt mit mittelalterlichem Flair, verwinkelten Gassen und Wahrzeichen wie der Steinernen Brücke und dem Dom vereine Authentizität mit Attraktivität.

Unter den 15 besten Reisezielen für 2026 in Deutschland, Österreich und der Schweiz befinden sich im Marco Polo Trendguide auch Salzburg und Basel. Es geht um Nachhaltigkeit, aber auch um Events und Partys. Als „Mega-Trend“ gilt die Reise in kühlere Regionen. Urlauber erkunden zunehmend Europas Ecken, die sich nicht so stark aufheizen. Dazu zählt Regensburg sicherlich nicht im Hochsommer, aber im Frühjahr und Herbst.
Zukunftsforscherin Anja Kirig befasst sich mit dem Overtourism, das ist die Überlastung durch zu viele Besucher. „Das, was die Touristen suchen, verändert sich stark.“
Vor der Corona-Zeit waren auch in Regensburg Stimmen laut geworden, die die weitere Steigerung der Übernachtungszahlen in Frage stellten. Orpheé-Wirt und Hotelier Neli Färber veröffentlichte 2017 eine Zeitungsanzeige mit dem Satz „Genug ist genug“. Anja Kirig findet, es sei Aufgabe der Stadt, eine Balance herzustellen. „Es muss eine gute Atmosphäre und Lebensqualität zu spüren sein.“ Willkommenskultur hält die Politikwissenschaftlerin für wichtig. Ebenfalls eine Rolle spielten die Auswirkungen etwa von rechtspopulistischer Politik und Klimawandel. Touristen stellen sich Fragen wie: Fühle ich mich wohl? Fühle ich mich sicher?
Steuerung der Besucher
Harald Zeiss forscht zum nachhaltigen Reisen. Die Domstadt sieht der 53-Jährige als eines der spannendsten Ziele für Städtetrips. Nachhaltiger Tourismus bedeute, dass das Wohl der Bewohner im Mittelpunkt steht. Gäste sollten die Stadt genießen, ohne dass die Einheimischen darunter leiden. „Dazu gehören intelligente Mobilitätskonzepte, der Schutz des kulturellen Erbes, eine kluge Steuerung der Besucherströme und die Einbindung regionaler Anbieter.“

Der Geschäftsführer der Regensburg Tourismus GmbH, Jakob Reitinger, lebt selbst erst seit einigen Monaten in der Stadt. Er sieht sie aus der Perspektive des Touristikers, aber auch des Touristen. Die Aufnahme in den Trendguide begrüßt er. Noch entdeckt der Österreicher jeden Tag neue Ansichten und „verborgene Kostbarkeiten“. Auf dem Weg von Stadtamhof über die Steinerne Brücke eröffne sich einer seiner liebsten Ausblicke: der Brückturm, dahinter die Altstadt-Silhouette und der „mächtige Fingerzeig der Domtürme“.