Radl-Rave durch Regensburg: Die Techno-Fahrradtour rollt zum zweiten Mal

Von Johanna Bernklau · 9. September 2025 um 09:00

Bevor man sie sieht, hört man sie. Der Techno-Beat eilt ihnen voraus, wummert durch die Gassen in Regensburg und lässt Passanten innehalten. Die Zigarette im Mund und das Weinglas in der Hand sind kurz vergessen: Schließlich wird gerade ein DJ im Strandstuhl, eingeklemmt zwischen zwei riesigen Lautsprecherboxen, auf einem Cargo-Fahrrad durch die Innenstadt kutschiert.

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Dahinter folgen Techno-Fans auf Rädern, nicken mit ihren Köpfen im Takt und bewegen ihre Hände zum Beat. Bereits zum zweiten Mal dreht die Techno-Radltour ihre Runde durch die Regensburger Innenstadt. Marco Renner, Veranstalter des Lumen Open Air, hat die Tour gemeinsam mit seinem Festivalteam organisiert.

Jedes Jahr im Sommer findet das Techno-Festival am Guggenberger See statt, danach fehlen aber Anlaufstellen für die Techno-Fans. Renners Idee: „Wir wollen auch nach dem Lumen einen Ort für die Community schaffen - mit guter Musik und ein bisschen Bewegung“, sagt Renner.

Die Idee geht auf: Trotz angesagten Regens sind es etwa 20 Leute, die sich am Hafensilo treffen und an der Donau entlang Richtung Innenstadt radeln. Dort erntet die Truppe auch schon die ersten Blicke.

Witzig sieht sie aus, die Konstruktion, die Marco Renner und sein Team da gebaut haben: Zwei große Lautsprecherboxen sind mit Spanngurten auf einem Lastenradanhänger festgezurrt, dazwischen eingekeilt steht ein Liege-Klappstuhl, wie man ihn eigentlich sonst nur am Strand sieht.

An der Ampel anstehen: kein Problem mit der passenden musikalischen Untermalung. - Foto: Johanna Bernklau

Darauf sitzt DJ Smaller, mit bürgerlichem Namen Luis Kleiner, der in der ersten Stunde für die Musik verantwortlich ist. Auf seinem Schoß hat er das DJ-Pult platziert und mit den Kopfhörern auf den Ohren mischt er live auf dem Rad die Regensburger Gassen mit Techno-Musik auf.

Kaum einer kann an dem Tross vorbeigehen, ohne kurz im Takt zu klatschen, mit dem Kopf zu nicken oder das Spektakel mit dem Handy zu filmen. Egal ob in Lederhose, Hemd oder Regenjacke: Den meisten ist der Radl-Rave zumindest einen kleinen Grinser wert.

Am Grieser Spitz sind die Techno-Fans unter sich. - Foto: Johanna Bernklau

Weiter geht's zum Dultplatz, wo die Security-Männer schon nervös vor dem Eingang auf der Stelle treten, bereit, den mittlerweile knapp 30 Techno-Radlern den Eintritt zu verwehren. Doch kurz davor biegt die Gruppe ab und bugsiert sich ihren Weg rechts an der Dult vorbei.

Das ergibt einen interessanten Musikmix: Links grölen die Dult-Besucher im Bierzelt lautstark „Cordula Grüüün!“, rechts hämmert der schnelle Beat aus den Lautsprecherboxen.

Trotz Nieselregen rollen die Techno-Fans durch Regensburg. - Foto: Johanna Bernklau

Mittlerweile ist es dunkel und aus dem Lastenanhänger ist eine kleine, fahrbare Disco geworden: Vorn und hinten blinken zwei bunte LED-Lichter um die Wette und so langsam fühlt sich die kleine Radltour tatsächlich nach einem Rave an.

Erlaubt ist das übrigens, bestätigt Juliane von Roenne-Styra, Sprecherin der Stadt: „Es gibt auch andere Radlfahrer, die fröhlich mit lauter Musik durch die Stadt fahren.“ Und auch Marco Renner sagt: „Wir bewegen uns ja fort, deswegen dürften wir eigentlich niemanden stören.“

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Nächster Stopp: Donaumarkt. Langsam rollen die Techno-Fans auf den Platz, der Beat ballert weiterhin laut durch die Boxen. Kaum steht die Truppe eine Minute still, werfen einige besorgte Blicke in den ersten Stock des angrenzenden Wohnhauses.

Dort steht ein Mann am Fenster, schaut hinaus, Hände in die Hüften gestemmt. Kurz darauf hält er sich ein Telefon ans Ohr - und prompt fährt die Polizeistreife vor. Nach einem kurzen Gespräch mit den Polizisten ist klar: Hier lieber nicht bleiben. Bereitwillig setzen sich also alle wieder aufs Fahrrad und fahren weiter, dort, wo sie hoffentlich keinen stören.

Wenn das so bleibt, dann kann die Techno-Radltour wieder stattfinden. Das hofft nicht nur Marco Renner, das sagt auch die Stadt: Bleiben Teilnehmerzahl und Lautstärke moderat und die Beschwerden aus, steht dem Radl-Rave erst mal nichts im Weg. Wer mitfahren will, folgt der Techno-Radltour für den nächsten Termin am besten auf dem gleichnamigen Instagram-Kanal.