Der Schützengau Kötzting wird 75 Jahre alt und ist moderner denn je

Der Schützengau Kötzting feiert am Wochenende sein 75-jähriges Bestehen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, weshalb der Gau damit um einige Jahre jünger ist als andere, und auch, dass sich der Sport in dieser Zeit stark gewandelt hat.
Martin Auzinger ist 1. Schützenmeister der 1. Zimmerstutzen-Schützen-Gesellschaft Kötzting von 1891 und als Gau-Ausschuss-Mitglied mit der Organisation des eintätigen Festes am 13. September mit betraut. Mehrere Protokollbücher füllt die Chronik, die seit der Neugründung im März 1951 geführt wird – heute übrigens auch digital. In der von Gauschriftführer Heinrich Maier begonnenen Chronik finden sich viele Angaben zum Schützengau, der damals ziemlich genau das Gebiet des ehemaligen Altlandkreises Kötzting umfasste: Von Lohberg über Eschlkam bis Altrandsberg.
Warum noch nicht 100?
Die Kötztinger hatten sich dabei für einen anderen Weg als viele andere Schützengaue entschieden: „Eigentlich könnten wir bald auch das 100-Jährige feiern“, sagt Auzinger, schließlich habe es in den 1930er Jahren bereits einen Schützengau gegeben. Doch während sich einige Gaue nach dem Zweiten Weltkrieg wiedergegründet hätten, sei in Kötzting im Jahr 1950 die Entscheidung gefallen, den Gau komplett neu zu gründen.

Damals gab es (wieder) elf Schützenvereine, die ab 1948/49 die Gelegenheit zur Gründung genutzt hatten. Von der heutigen Struktur seien die oft ähnlich wie Stammtische geführten Vereine aber weit entfernt gewesen. Das sei schon daran zu sehen, dass es ein Jahr später nur noch neun Vereine mit 186 Mitgliedern gegeben habe. Zehn Jahre später berichtet die Chronik von 18 Vereinen mit 482 Mitgliedern. Vor 25 Jahren, zum 50-jährigen Bestehen des Schützengaus, wurde von 24 Vereinen mit 1800 Mitgliedern berichtet. Heute, so Gauschützenmeisterin Evi Graßl, gehören dem Gau 20 Vereine mit rund 2800 Mitgliedern an.
Beeindruckende Zahlen, die auch mit der Entwicklung des Sports an sich zu tun hätten, wie Martin Auzinger erzählt. Denn ähnlich wie andere Vereine hätten sich auch die Sportschützen in den vergangenen Jahrzehnten moderner aufstellen müssen, um weiter neue Mitglieder gewinnen zu können. Wo in den Anfangsjahren mit Eintritt in den Verein das Üben mit Gewehr und Kugel gestanden habe, gebe es heute Lichtgewehre für Kinder ab acht Jahren, doch das Angebot sei noch viel breiter.
Palette wesentlich erweitert
Bogenschießen gehört mittlerweile genauso zum Repertoire von Schützenvereinen wie Armbrust und sogar Blasrohre. Die Cordweste ist hoch funktionellen Leder-Leinen-Kombinationen gewichen, der Sport insgesamt viel moderner geworden. Auch Schützenvereine stünden bei der Werbung von neuen Mitgliedern nicht anders da als andere Vereine, sagt Auzinger.
Wie sich die Vereine in den vergangenen 75 Jahren rund um Bad Kötzting entwickelt haben, welche Erfolge es bei Wettkämpfen zu feiern gab und vieles mehr, darauf werden beim Fest am 13. September in der Linderbräu-Halle nicht nur die Festredner hinweisen. Wie Martin Auzinger erklärt, werde auch noch eine kleine Ausstellung im Zuge des Festes vorbereitet, bei dem es einiges aus der 75-jährigen Geschichte zu sehen geben soll.
So wird gefeiert
Treffpunkt: Am Samstag, 13. September, treffen sich die Gäste der Jubiläumsfeier ab 16 Uhr auf dem Platz vor der Kirche St. Veit. Hier gibt es ein Standkonzert mit dem Spielmannzug aus Blaibach.
Gottesdienst: Um 16.30 Uhr ziehen die Schützenvereine aus dem Gau Kötzting mit Ehrengästen zur Messe um 17 Uhr in die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt.
Feier: Gegen 18 Uhr ziehen die Vereine gemeinsam zum Lindnerbräu, wo in der Halle gemeinsam mit den geladenen Gästen aus 21 Schützengauen im Bezirk Niederbayern, zu dem der Schützengau Kötzting auch noch der Gebietsreform 1972 immer noch gehört, gefeiert wird. Rund 400 Gäste werden an diesem Abend erwartet, mit dem der Schützengau Kötzting sein 75-jähriges Bestehen feiert.