Neues vom Gillamoos-Grantler: Was bitteschön ist an einer Maß Bier nicht mehr zeitgemäß?

Von Benjamin Neumaier · 8. September 2025 um 11:45

Volksfeste und Jahrmärkte sind angeblich nicht mehr zeitgemäß – und deswegen sterben sie aus. Hab ich gelesen. Und das gilt scheinbar landauf landab. Laut Zahlen ist das auch belegbar. Vor 20 Jahren waren es noch 15.000 Volksfeste und Jahrmärkte in Deutschland. Jetzt sind es noch rund 9700 – das ist ein Drittel weniger. Und warum macht eins nach dem anderen zu?

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Ja weil die Leute nicht mehr hingehen. Wir erleben es ja seit einigen Jahren: Leere Zelte 2024 in Cham oder Schwandorf und ein Minusrekord beim Fischerfest in Ingolstadt. Und auch am Gillamoos war 2024 – auch den karibischen Temperaturen geschuldet – manches Bierzelt eher mau gefüllt.

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Und warum gehen die Leute nicht mehr hin? Punkt 1, die Preise: Ja, des kann man verstehen. Gehen sie mal mit einer vierköpfigen Familie eine Runde am Gillamoos – inklusive Essen sind 200 Euro gar nix...und des auf fünf Tage gerechnet...ja, man muss es sich leisten wollen. Punkt 2, mehr Anreize: Die Besucher fordern vielerorts Veränderungen, neue Anreize, neue Konzepte! Weil Volksfeste eben nicht mehr zeitgemäß seien – man feiere lieber auf Festivals, Konzerten oder gehe in Freizeitparks...

Dann frage ich mich aber schon, was bitteschön ist an einer Maß Bier oder Radler oder einem Spezi für die Kinder, an einem Hendl, an einem Kas mit Brezen bitte nicht mehr zeitgemäß? Warum sind Fahrgeschäfte nicht mehr zeitgemäß? Oder Losbuden? Oder Spickern? Oder, oder oder...

Wenn man mich fragt, dann herrscht grundsätzlich eine ausufernde Erwartungshaltung. Nichts ist mehr gut genug. Beispiel gefällig? Selbstverständlich: Heutzutage ist der Urlaub im einstigen Teutonen-Paradies Italien scheinbar auch nicht mehr zeitgemäß, da muss die Karibik sein. Warum? Na weil sich schneeweißer Sandstrand mit Palmen und azurblauem Meer bei Instagram halt einfach besser macht, als eine überbevölkerte Liegewiese in Caorle!

Und so ähnlich ist es auch am Gillamoos: Blasmusik, Partyband – des reicht nimmer! Stars und Sternchen müssen her. Die kleine Achterbahn, der Autoscooter oder das Super-Hupferl sind zu „lame“ – höher schneller weiter, ist das Motto.

Ganz ehrlich – wo woll ma na hin? Wie soll des gehn? Und vor allem – und da schließt sich der Kreis: Wer soll das dann bitteschön bezahlen? Denn eins muss klar sein: Höher schneller weiter, mehr, mehr, mehr – des treibt auch mit die Preise hoch. Ein Teufelskreis!

Am Gillamoos bemerkt man einen Besucher-Rückgang noch eher mäßig. Bislang. Weil die Einheimischen den Gillamoos lieben. Und was mich außerdem entspannt in die Zukunft schauen lässt: Laut einer Umfrage des deutschen Schaustellerbundes geht der Bundesbürger je nach Alter zwischen 3,9 und 4,7 Tage pro Jahr auf ein Volksfest. Und des glangt genau für den Gillamoos.