Grab-Räumung in Leonberg: Staatsanwaltschaft bestätigt Verwechslungs-Theorie

Von Bernd Hofmann · 7. September 2025 um 19:00

Fast ein halbes Jahr ist es nun her, dass die Familie Wittner aus Leonberg (Landkreis Schwandorf) ihr Familiengrab verloren hat. Die Ruhestätte der war verschwunden, die Familie suchte im Internet nach Hilfe. Am gängigsten schien eine tragische Verwechslung, für ein Grab in der gleichen Reihe war zeitgleich eine Auflösung vorgesehen. Wie ist nun der Stand der Dinge?

Video ansehen

Ein Besuch vor Ort: Am verschwundenen Familiengrab der Familie Wittner steht mittlerweile ein hölzernes Kreuz, vorübergehend wurde hier wieder eine Ruhestätte errichtet. Ein Steinmetz arbeitet gerade an einem Grab in der Nähe: Die Erde ist abgesunken, die Ruhestätte muss erneuert werden – Routinearbeit. Der Experte weiß, was mit aufgelösten Gräbern normalerweise passiert: „Es bleibt alles drin, was in der Erde ist“, erklärt der Steinmetz.

Arbeiten am Friedhof sind alltäglich – hier erneuert ein Steinmetz gerade ein abgesacktes Grab. - Foto: Bernd Hofmann

Grabsteine werden Schutt

Manche Friedhöfe hätten für aufgelöste Ruhestätten eigens Sammelgräber, in die dann zum Beispiel Urnen gelegt werden können. So etwas gebe es in Leonberg allerdings nicht. Und Grabsteine, die niemand will? Besondere Steine hebe der Steinmetz auf, um sie ein andern Mal wieder benutzen zu können. „Die anderen kommen in einen Container.“ Die Steine werden bei ihm normalerweise geschreddert und dann zu Bauschutt.

Es ist davon auszugehen, dass die Grabstätte tatsächlich versehentlich abgeräumt wurde.

Joachim Diesch, Leitender Oberstaatsanwalt Staatsanwaltschaft Amberg

Der Steinmetz hält es für unwahrscheinlich, dass die Familie ihren Grabstein zurückbekommt. „Je länger es dauert, umso weniger kann man von ihm sehen“, sagt er. Dabei könne er sich denken, welche Firma die Gräber verwechselt hat. Wie berichtet, soll ein Foto existieren, das einen blauen Lastwagen samt roten Kran beim Einsatz zeigt. Wenn man wisse, welcher Steinmetz am Leonberger Friedhof so einen Lastwagen fährt, sei die Sache klar.

Die Aussegnungshalle in Leonberg - Foto: Bernd Hofmann

Die Polizeiinspektion Burglengenfeld hat die Ermittlungen vor einiger Zeit an die Staatsanwaltschaft Amberg übergeben. Wie diese auf Anfrage der Mittelbayerischen schreibt, sind die Ermittlungen aus ihrer Sicht abgeschlossen. Der Grund: Ein strafbares Handeln einer bestimmten Person aufgrund der bisherigen Ermittlung sei nicht gegeben.

Eins steht allerdings fest: „Es ist davon auszugehen, dass die Grabstätte tatsächlich versehentlich abgeräumt wurde, sodass lediglich fahrlässiges Handeln im Raum stehen würde“, so Joachim Diesch, leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Amberg. Weiter schreibt er:„Die in Betracht kommenden Straftatbestände der Störung der Totenruhe, der Unterschlagung eines Grabsteines oder Diebstahl wären allesamt nur strafbar, wenn ein vorsätzliches Handeln gegeben wäre.“

Somit handle es sich um eine zivilrechtliche Angelegenheit. Ob die entsprechenden Schritte eingeleitet wurden, wisse man nicht. Edgar Wittner hingegen bestätigt, dass er und seine Familie mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet haben. Der Leonberger sieht die Schuld bei der im Verdacht stehenden Firma.

Ein Ende ist in Sicht

Auch fünf Monate nach dem Verschwinden, gehe es ihm und seiner Frau nach wie vor um Schadensersatz. Weitere Informationen will Wittner mit Verweis auf die laufenden Prozesse nicht geben, vergangene Woche hätten er und seine Frau jedoch Akteneinsicht erhalten. Und ein Ende scheint in Sicht: „Wir hoffen, dass es in diesem Jahr noch erledigt ist“, fasst Edgar Wittner die Sache zusammen.

Fünf Monate nach dem Verschwinden des Grabs bleibt also noch einiges unklar: Wo der Grabstein ist, wer nun schlussendlich die Schuld trägt und wie es zu der Verwechslung am Leonberger Friedhof kommen konnte.