Burglengenfelder Wurstladl verkauft, was eigentlich nicht gewollt wird

Von Bernd Hofmann · 2. September 2025 um 17:00

Im Wurschtladl in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) verkauft Uwe Stark mit seiner Frau unter anderem Tiefkühlpizza. Noch genauer: Es ist Markenpizza. Welche Marke, das darf er nicht verraten. Ohne Umverpackung, nur mit einem Etikett bedruckt liegen die Pizzen in einer Tiefkühltruhe.

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Die Pizza Hawaii hat zu viel Ananas, die Pizza Speciale zu viele Champignons, erklärt er. Deswegen verkaufen die großen Marken ihre Pizza nicht an die üblichen Discounter, sondern zum Beispiel an den Burglengenfelder Laden.

Starks Frau Susanne Wolff ist die Inhaberin des Lebensmittel Lagerverkaufs. Seit drei Jahren gibt es das Wurschtladl in Burglengenfeld, das Ehepaar hat aber rund 15 Jahre Erfahrung mit dem Verkauf von Überproduktion. In ihrem Heimatort in Waldsassen öffneten die beiden ihren ersten Laden.

Das Ehepaar fing klein an, erzählt Stark. Anfangs musste man noch den Kontakt zu den Herstellern suchen – mittlerweile kommen die von alleine und verkaufen ihnen die übrige oder fehlerhafte Ware. „Es werden riesige Mengen überproduziert“, sagte Stark. „So viel, wie wir bestellen könnten, können wir hier gar nicht verkaufen.“

Allein auf weiter Flur

Der Laden in Waldsassen wurde ein „Corona-Opfer“, so nennt es Uwe Stark. Er ist mittlerweile geschlossen. Neben dem Wurschtladl in Burglengenfeld haben er und seine Frau seit Januar nun in Altenstadt an der Waldnaab ein Geschäft. Ansonsten sehe es in Bayern aber eher mau aus. „Wir haben mit unserem Laden in Bayern fast ein Alleinstellungsmerkmal“, sagte Stark. In anderen Bundesländern sei die Idee eines Ladens, der Überproduktion verkauft, weiter verbreitet.

Es heißt, mindestens haltbar bis – und nicht: Sofort tödlich ab.

Uwe Stark betreibt mit seiner Frau das Wurschtladl

Die Räume des Geschäfts von Außen - Foto: Bernd Hofmann

Neben Wurst und Tiefkühlpizza gibt es im Wurschtladl noch weitere Waren, die man aus anderen Discountern kennt: Süßigkeiten, Ketchup, Soßen, Tütensuppen, Pudding, Käse, Chips und Nudeln zum Beispiel. Generell gelte aber: „Wir sind nicht wie ein Supermarkt.“ Nur, weil man einen Artikel einmal sehe, bedeute es nicht, dass er erneut geliefert werde. Im Endeffekt sei man auf die Hersteller angewiesen. „Was wir bestellen und was geliefert wird, sind zwei verschiedene Dinge“, sagte Stark. Um zu sehen, was er momentan im Laden hat, müsse der Kunde selbst vorbeikommen.

„Verkaufen tun wir alles“, bringt es Stark auf den Punkt. Doch längst nicht für alles dürfen sie werben. Der Grund: Viele Artikel hätten ein absolute Werbeverbote – das gelte etwa für Artikel in der Zeitung oder Online. Das liege vor allem daran, dass die Waren im Wurschtladl zwischen 25 und 75 Prozent billiger sind als im Discounter, so Stark. Schuld haben die besagten Schönheitsfehler – so etwa die falsche Verteilung von Ananas oder gebrochene Würste. Viele der Waren liegen daher in neutralen Verpackungen, damit nicht ersichtlich ist, welche Marke dahinter steckt.

Im Kühlhaus im Burglengenfeld lagern zahlreiche Waren. - Foto: Bernd Hofmann

Wer sind die Kunden?

Wer kauft eigentlich beim Wurschtladl ein? Laut Stark handle es sich um eine breit aufgestellte Kundschaft. „Vom Porsche bis zum Polo kommt jeder zu uns“, erklärte er. Auch wenn manche nur kommen würden, um die Produkte anzuschauen, so kämen doch viele Menschen häufiger im Laden vorbei.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist auch ein Faktor, der bestimmt, ob die Artikel im Discounter oder beim Wurstladl landen. „Ich persönlich finde alles, was das Mindesthaltbarkeitsdatum betrifft, übertrieben“, sagt Stark und nennt ein Beispiel: Himalaya-Salz liege viele Jahre unter der Erde, werde dann vom Menschen gebrochen, gewaschen, verpackt und schließlich mit einem Datum versehen, ab wann das Salz nicht mehr haltbar ist.

Unzählige Markenpizzen werden hier verkauft, die aus dem regulären Verkauf aussortiert wurden. - Foto: Bernd Hofmann

Genauso verhalte es sich mit Mineralwasser in Glasflaschen, findet er. „Ich sage den Kunden immer, es heißt, mindestens haltbar bis – und nicht: Sofort tödlich ab.“ Generell gebe es im Wurschtladl aber viele Produkte, die noch lange haltbar seien.

Vieles hält sich noch bis 2026 – und hat gleichzeitig auch keine Schönheitsfehler. Da ist manchmal sogar der Experte überfragt, warum die Ware nicht im normalen Handel verkauft wird. Zumindest die Einstellung der Produzenten habe sich in den letzten Jahren eher verändert, so Stark. „Mittlerweile probieren die Hersteller, so viel wie möglich von ihrer Ware weiter zu bringen.“