Südostlink im Kreis Regensburg: Naturschutz-Maßnahmen von Tennet werden heiß debattiert

Sandhaufen, Totholz, Nistkästen oder Blühflächen: Die Bauherren stellen nun ihre Ausgleichsprojekte für die Beeinträchtigungen durch den Südostlink im Landkreis Regensburg vor. Umweltschützer sind noch skeptisch.
Es ist ein gigantisches Projekt. Der Südostlink soll Strom von einem Ende Deutschlands an das andere bringen. Auch durch Bayern führt die Trasse. Und über sie wird seit Jahren hitzig diskutiert. Nicht zuletzt über die Beeinträchtigungen für die Natur – wie es sie wohl auch im östlichen Landkreis Regensburg geben wird. Die Betreiber gehen nun in die Offensive und stellen die Ausgleichsmaßnahmen, die für diesen Bereich geplant sind, vor. Betroffene Bürgermeister und Naturschutzverbände sagten der Mittelbayerischen, was sie davon halten.
Der Südostlink im Landkreis Regensburg wird von Tennet gebaut. Sprecher Fabian Herbst sagt, dass viel zum Schutz besonders geschützter Arten getan werde. Die Eingriffe in deren Lebensraum, wie sie im Rahmen des Trassenbaus wohl unvermeidlich sind, sollen kompensiert werden, „indem funktional gleichwertige Ersatzlebensräume geschaffen werden“.
Es soll neue Reptilienlebensräume geben
Unter anderem bei Aufhausen würden Reptilienlebensräume mit Sandhaufen, Stein- und Totholzhaufen sowie vereinzelt hochwüchsige Vegetation – insbesondere für die Zauneidechse – angelegt. Bei Pfatter, Aufhausen und bei Riekofen würden Blüh- und Brachflächen für Bodenbrüter wie die Feldlerche oder das Rebhuhn geschaffen. Bei Mintraching, Aufhausen und Pfatter werde es neue Nistkästen, Fledermausquartiere und Haselmauskobel geben.
Die Maßnahmen werden laut Herbst alle vor Beginn der konkreten Tiefbauarbeiten umgesetzt. Er bezeichnet dies als „essenziellen Beitrag zum gesetzlich geforderten Artenschutz nach Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes und der Genehmigungsbehörde für den Südostlink, der Bundesnetzagentur“. Die Auswahl der Flächen sei naturschutzfachlich fundiert erfolgt und werde durch eine ökologische Baubegleitung vorbereitet. „Auch während der Bauphase sorgt diese Unterstützung für das Monitoring und bei Bedarf für die nötige Anpassung“, sagt Herbst.
„Es wird schon gearbeitet“
Vertreter der betroffenen Gemeinden sagen auf Anfrage der Mittelbayerischen, dass die Ankündigungen von Tennet ihrer Beobachtung nach nicht bloß Lippenbekenntnisse sind. Aufhausens Bürgermeister Toni Schmid etwa findet, dass die Ankündigungen glaubwürdig seien und er davon ausgeht, dass auch alles umgesetzt wird: „Es wird ja auch schon gearbeitet, die Leute sind da vor Ort. Manche Projekte sind auch schon fertig umgesetzt.“ Für ihn sei nur noch die Frage, wie lange es insgesamt dauern wird, bis das alles fertig ist. Der Pfatterer Bürgermeister Hans Biederer ist ebenfalls zuversichtlich. Es seien seinen Informationen nach von Tennet auch bereits Flächen zu diesemZweck gekauft worden „Ja, da passiert was, die machen das tatsächlich“, sagt er.
Vertreter des Bund Naturschutz sind bei dem Thema eher zwiegespalten. Raimund Schoberer, Vorsitzender der Regensburger Kreisgruppe, sagt, dass er es zunächst einmal positiv findet, dass Tennet überhaupt und offenbar auch aus eigenem Antrieb den Maßnahmenkatalog der Öffentlichkeit vorstellt. Ob die Maßnahmen am Ende dann aber wirklich funktionieren müsse abgewartet werden, dies werde sich erst beim begleitenden Monitoring zeigen. Darin liegt allerdings dann oft ein Problem, sagt Schoberer, etwa, „wenn sich die Unwirksamkeit nach Jahren herausstellt und keiner mehr da ist um nachzubessern“. Und grundsätzlich gelte sowieso, dass es „natürlich am besten ist, Eingriffe zu vermeiden oder zu minimieren“. Einen „Ersatz“ zu schaffen. könne immer nur eine Hilfsoption sein, wenn nichts anderes mehr möglich ist.

Ein anschauliches Beispiel dafür seien etwa die künstlichen Nistkästen: „Ökologisch gesehen trennen diese von einem echten Höhlenbaum einfach Welten.“
Albrecht Muscholl-Silberhorn von der Nittendorfer Ortsgruppe des Bund Naturschutz wird noch deutlicher. Den Lesesteinhaufen mit Wurzelstöcken, wie sie Tennet unter anderem als Ausgleichsmaßnahme plant, bezeichnet er als „riesigen Schotterhaufen in lebensfeindlicher Umgebung, der selbst äußerst lebensfeindlich wirkt“. Er glaubt, dass sich letztlich „keine Zauneidechse hierin freiwillig verirren wird“. Derlei Maßnahmen seien aber „irgendwie in Mode“, sagt er.
„Der Nistkasten und die paar Anpflanzungen überzeugen auch nicht wirklich als Werbefotos für eine ambitionierte Umsetzung der Eingriffsregelung – angesichts der großflächigen Zerstörungen durch den Südostlink“. sagt Muscholl-Silberhorn: „Nach ehrgeizigen Maßnahmen sieht das Ganze nicht aus.“