Demo in Regensburg: Stiller Protest gegen den Südostlink geht weiter

Von André Baumgarten · 20. Februar 2024 um 13:00

Protestler vom Bund Naturschutz rief ein aktueller Erörterungstermin zum Südostlink im Marinaforum in Regensburg auf den Plan. Foto: Baumgarten

Aktivisten vom Bund Naturschutz demonstrieren gegen laufende Rodungen im Landkreis Regensburg. Die Arbeiten laufen, bevor die Pläne des Mammutprojekts überhaupt beschlossen sind.

Dass ein Harvester mit Flächenrodungen im Landkreis Regensburg zuerst Tatsachen schafft und dann darüber gesprochen wird, ist dem Bund Naturschutz ein Dorn im Auge. Am Marinaforum in Regensburg brachten sie ihren weitgehend stillen Protest am Dienstag auf die Straße, vielmehr den Vorplatz. Im Inneren fand erneut ein Erörterungstermin der Bundesnetzagentur statt. Zu Wort kamen die Aktivisten, die seit Jahren gegen den Südostlink kämpfen, nicht.

„Gegen die Vernunft“ prangt in großen Lettern auf Flugblättern, das eine Mitstreiterin des Bund Naturschutz auch übergroß als Umhängeschild trägt. Konkret geht es um die Schneise, die aktuell im Forstmühle Forst bei Altenthann geschlagen wird – drei Kilometer lang, rund 40 Meter breit, damit die Stromkabel des Südostlinks da verlegt werden können. „Man rodet jetzt Wald und wenn es nichts wird, kann man aufforsten“, kritisiert Petra Filbeck. Der Waldboden sei ihrer Überzeugung nach dann aber zerstört, „unwiederbringlich“.

Mit Filbeck haben zwölf Männer und Frauen vor dem Marinaforum neben einem Pavillon Stellung bezogen. Viel Beachtung findet die Demonstration allerdings nicht. Landrätin Tanja Schweiger, die wie Peter Aumer wenig später auf der Veranstaltung ein Grußwort hielt, grüßte die Protestler kurz und freundlich. Man kennt sich längst. Gesichert wird der Zugang zum Erörterungstermin von zwei Securitys, etwas abseits haben sich zudem drei Polizistinnen postiert. Eingreifen müssen sie aber nicht. Die Demo verläuft ohne besondere Vor- oder Zwischenfälle.

Ihre Kritik am Projekt Südostlink ist „ganz generell“, betonte Filbeck im MZ-Gespräch. Denn dass je Strom von Offshore-Anlagen in der Nordsee nach Bayern kommt, bezweifelt der Bund Naturschutz. Der Strom werde in der Zukunft da selbst benötigt. Erst in diesem Jahr sei laut Filbeck eingeräumt worden, dass die Verteilnetze als Pfeiler der Energienetze zu wenige beachtet worden seien, „was wir seit zehn Jahren kritisieren“. Seit zwölf Jahren begleitet die BUND-Sprecherin den Protest.

Mit dem Südostlink würden „reine Handelstrassen geschaffen, die große Konzerne brauchen, um ungehindert an der Börse handeln zu können, aber nicht zur Versorgungssicherheit in Bayern“. Dafür müssten schützenswerter Wald und seltene Tiere weichen, am Ende zahllose durch Bauarbeiten beschädigte Straßen teuer saniert werden – „das steht in keiner Relation“, so Filbeck. „Das ist ein wahnsinniger Landschaftseingriff.“ Auch die Eingriffe an der Donau würden erheblich größer sein, als „es so schön in den Präsentationen dargestellt wird“. Dagegen kämpfe man.

„Und wir kämpfen ja für die Energiewende.“ Lösungen sehen Filbeck und ihre Mitstreiter im Ausbau erneuerbarer Energien vor Ort, einer sogenannten dezentralen Energiewende. Dazu würden vor allem Windanlagen, Photovoltaikanlagen und die Schaffung neuer Speicherlösungen in der Breite gehören. Hierbei sei Tempo gefragt, fordert der Bund Naturschutz. Zudem gebe es nur so eine Wertschöpfung vor Ort.

An einem Pavillon hatten die Aktivisten Plakate mit ihren Argumenten gegen den Südostlink befestigt. Foto: Baumgarten