Der Hammer in Schmidmühlen: Altes Viertel wurde in eine neue Zukunft geführt

Wer heute durch Schmidmühlen geht(Landkreis Amberg-Sullzbach), sieht viele renovierte Gebäude: die Hammermühle (Musikerheim), das Hammerschloss, das Trachtenheim, den Hammerschlossstadel und seit dem vergangenen Jahr auch den renovierten Steinstadel und den Hopfengarten. Sicher gibt es mit dem ehemaligen BayWa-Gelände oder im Ortskern im Bereich um das ehemalige Gasthaus Anker noch Entwicklungspotenzial, doch auch dort wird es Lösungen geben.
Viele Millionen wurden in den vergangenen drei Jahrzehnten im Markt investiert. Was man besonders beim Hammerviertel nicht unbedingt erkennt: Dieses gesamte Viertel war über Jahrhunderte eine Einheit und steckt voller Historie.
Die Revitalisierung des Hammerviertels wurde Mitte der 1990er Jahre in die Wege geleitet. Die Sanierung war nicht unumstritten, als damit begonnen wurde.
Stück für Stück wurden die Gebäude saniert
Gestartet wurde mit dem Hammerschloss. Zumindest, was den unmittelbaren Bereich des Hammerschlosses betrifft, kann man durchaus von einem positiven (vorläufigen) Abschluss sprechen. Sukzessive wurde die Sanierung der einzelnen Gebäude in Angriff genommen.

Was nicht direkt zur Historie des Hammerschlosses gehört, ist der Hopfengarten. Er hat aber einen Bezug zum letzten Hopfenbauern in unmittelbarer Nähe (ehemals Mehringer).
Dennoch gibt es eine Verbindung zum Hammerschloss. Die Mauer, die diesen Hopfengarten zum Ort hin begrenzt, ist eine Kirchenmauer. Viel weiß man über das Gotteshaus nicht, nur, dass es existiert hat und dem Heiligen Leonhard geweiht wurde. 1803 wurde die Kirche abgerissen. Im Zuge der Sanierungsarbeiten in diesem Bereich konnten noch die Fundamente freigelegt werden.
Frühere Kapelle im Viertel gibt viele Rätsel auf
Franz Xaver Eichenseer war einer der ersten, der auf diese Kapelle verwies. Ein Ölbild existiert zwar, gibt aber wenig Aufschluss. Eher schon eine alte Zeichnung, die nicht exakt zu datieren ist, aber teilweise die Kapelle zeigt. Wer sie aber wann gebaut hat, das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch ungeklärt. Auch über die Ausstattung weiß man nichts.
Ein archäologisches Gutachten, das bei den Baumaßnahmen erstellt wurde, gibt ebenfalls wenige Hinweise. Eine mögliche Erbauungszeit wird darin auf das „fortgeschrittene 16. Jahrhundert oder frühe 17. Jahrhundert“ gesehen, wobei man sich unter anderem auf die Gestaltung des Mauerwerks und der Fensternischen bezieht.
Schießscharte entdeckt – das lässt auf eine „Stadmauer“ schließen
Auch nicht unumstritten war die Sanierung des jetzigen Schlossstadels. Zwei Jahre lang dauerten die Arbeiten, bis im Juli 2018 dort die erste Veranstaltung abgehalten wurde. Mittlerweile ist der Schlossstadel ein beliebter Ort für Hochzeiten oder Familienfeiern. Längst wird die Entwicklung als überaus gelungen gesehen.
Allein die Tatsache, dass mit dem Mauerstück samt Schießscharte ein Stück „Stadtmauer“ dokumentiert wurde, macht den Stadel historisch bemerkenswert, zumal im Vilstal keine nennenswerten Stadtmauerreste bekannt sind.
Der Schlossstadel
• Entstehung: Geschichtlich ist auch der Schlossstadel überaus interessant. Erstellte Gutachten gehen davon aus, dass der große Stadel in den Jahren von 1696 bis 1700 gebaut wurde. Das Balkenholz stammt eindeutig aus einer Winterfällung im Jahr 1695/96. Für den kleineren Teil des Gebäudes konnte anhand der dendrochronologischen Auswertung eine Bauphase um das Jahr 1760 (Winterfällung 1755/56) ermittelt werden.
• Erbauer: Als Erbauer kommt Johann Hektor der Jüngere von Vischbach in Frage. Er war zu dieser Zeit Herr im Hammerschloss und betrieb – wie auch seine beiden Vorgänger Johann Adam von Sengelau und Johann Hektor der Ältere von Vischbach – auch die Papiermühle.

Das Hammerschloss hat eine bewegte Geschichte
Im Zentrum steht aber das Hammerschloss. Kaum ein anderes Schloss in der Oberpfalz dürfte ein derartiges Auf und Nieder in seiner Geschichte erlebt haben wie dieses in Schmidmühlen. Einst ein mächtiger Zentralbau mit imposanten Nebengebäuden, erlebte es nach einer 400-jährigen Blütezeit einen langsamen Niedergang. In seiner langen Geschichte diente es auch als Armenhaus, Gefängnis, Ausweichschule, Lateinschule und sogar als Lagerhalle für landwirtschaftliche Produkte. Schließlich war es aber nur noch eine Ruine.
Untrennbar verbunden mit dem Hammerschloss ist auch die Blütezeit des Marktes: Auf dem jetzigen Gut des Hammerschlosses entwickelte sich schon im Mittelalter ein kleines Industrie- und Handelszentrum. Es gab sogar eine eigene Arbeitersiedlung. 1326 wurde der Eisenhammer in Schmidmühlen erstmals urkundlich erwähnt. Es gilt als gesichert, dass bereits um 1400 an der Stelle des jetzigen Schlosses ein größeres Gebäude stand.

Verarmte Edelleute wurden zu Hammerherren
Wie kam es nun, dass dieses Schloss überhaupt erbaut wurde? Es war die Zeit des Mittelalters, mit Rittern und Raubzügen. Dann aber wurde die Alleinherrschaft des Grundbesitzes und damit des Adels gebrochen. Bürger, Handwerker und Kaufleute beherrschten immer mehr die „Wirtschaft“.
Der verarmte Edelmann auf der Burg oder dem Rittergut sah mit Neid auf den wachsenden Wohlstand des verachteten Bürgerstandes. Die klügsten und wagemutigsten des Adels suchten sich einen würdigen Beruf, wie das „edle Gewerbe“ des Hammerschmiedes. Und so bekam auch Schmidmühlen mit dem Hammerherrenschloss einen zweiten Adelssitz – neben dem Oberen Schloss. Die Adeligen von einst wurden Hammerschmiedemeister und Hammerherr. Und das mit Erfolg: Der Hammer in Schmidmühlen zinste 1326 mit dem dreifachen Betrag der kleineren Hämmer.
Um 1800 neigte sich die Blütezeit des Hammergutes allmählich dem Ende zu. Das Schloss verfiel zusehends, eine Nutzung erschien kaum mehr rentabel. In den 1970er Jahren zogen die letzten Bewohner aus. 1978 war das Schloss leer – bis eben die Sanierung begann.