In diesem Hotel checken Katzen ein: Neumarkter Tierarzt hilft so Tieren und Haltern

Von Petra Schlierf · 2. September 2025 um 11:00

Hotelchef Marcus Neumann kennt alle seine Gäste mit Namen. Doch anders als in einem „echten“ Hotel ist er nicht Hotelier, sondern Tierarzt, und Fellpflege gehört zum Service. Er beherbergt Katzen. Das Jura-Katzenhotel in Neumarkt nimmt seit einigen Monaten Gäste auf und macht damit auch deren Halter glücklich. Ihnen hilft Neumann nicht selten aus einer echten Notlage.

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Marcus Neumann ist vielleicht der einzige Tierarzt, bei dem manche Katze gerne noch etwas länger bleiben würde. Und oft basiert das auf Gegenseitigkeit. „Gerade wenn Katzen länger hier sind, fällt es einem schwer, wenn sie wieder gehen“, gibt er zu.

Wie in jedem Hotel liegt dem Team das Wohl der Gäste am Herzen. Deren Bedürfnisse gaben schon bei Planung und Bau den Ton an. Diese verlief äußerst langwierig, denn jedes Detail sollte perfekt auf die Tiere abgestimmt sein – von der Wandfarbe bis zur Beleuchtung. Wenngleich die Vierbeiner die meiste Zeit dösen, ist für Abwechslung gesorgt.

So sieht eines der Doppelzimmer aus: viele Möglichkeiten zum Schlafen, Verstecken, Beobachten und Spielen. Eine Kamera an der Decke behält die Vierbeiner rund um die Uhr im Blick. - Foto: Petra Schlierf

Eichhörnchen und Vögel im Katzen-TV

Die Zimmer haben entweder ein Fenster, durch das sie die Außenwelt beobachten können, oder so etwas wie ein virtuelles Fenster in die Natur, erklärt Neumann: „Fernseher kennen viele Katzen auch von zu Hause. Nur läuft bei uns eben nicht die Tagesschau, sondern Katzen-TV.“ Das speziell konzipierte Programm zeigt zum Beispiel einen Blick in eine Hecke, wo wahlweise ein Vogel oder ein Eichhörnchen ins Bild huschen. „Die Fernsehzeit ist bei uns aber streng begrenzt“, verrät der Tierarzt. „Es gibt höchstens eine halbe Stunde am Tag.“

Die Miezen sitzen aber nicht den ganzen Tag in ihren Zimmern. Herzstück des Hotels ist der Indoor-Garten: Eine dschungelartige Landschaft auf Holz, Pflanzen und einem künstlichen Bachlauf, verbunden mit Klettermöglichkeiten bis unter die Decke. Je nachdem, wie sich die Vierbeiner vertragen, dürfen sie getrennt nach Zimmern oder auch mehrere zusammen dort streunen.

Der Indoor-Spielplatz ist das Highlight des Hotels. Von dort zweigen die Zimmer ab, damit alle mal in den „Garten“ dürfen. - Foto: Petra Schlierf

Den Rest der Zeit verbringen sie in ihren Zimmern. Mal alleine, mal zu zweit oder in den größeren Gruppenzimmern. Entscheidend ist die Einschätzung der Besitzer und vor allem die Chemie unter den Tieren. Damit das Team merkt, wenn es Stress gibt, sind die Zimmer mit Kameras überwacht. „Es war aber noch nie so, dass wir eingreifen mussten. Katzen regeln das unter sich“, erklärt Neumann.

Halter im Urlaub oder im Krankenhaus

Die Idee zum Hotel entstand aus der Not vieler Tierhalter, während des Urlaubs oder in Notfällen eine Betreuung zu finden. „Viele haben sich da an die Praxis gewendet und es gab in der Region eigentlich nichts, was ich guten Gewissens empfehlen konnte“, blickt Neumann zurück. Nach der Corona-Zeit seien die Anfragen noch deutlich gestiegen. Viele Menschen hätten sich während der Pandemie Katzen angeschafft, wollten danach aber wieder verreisen.

Dass sich Familie Neumann dann tatsächlich ans Werk machte, ergab sich aus einem Zufall. Eigentlich brauchte die Praxis nur mehr Platz, um Medikamente zu lagern und um ein Büro für die Verwaltungsarbeit einzurichten. Ein kleines, leerstehendes Lager im selben Gebäude kam ihnen da gerade recht. Die Sache hatte aber einen Haken: Es gehörte auch noch die riesige Ladenfläche im Erdgeschoss dazu. Platz war also im Überfluss vorhanden. Neumanns Frau Beate, die Söhne Dominic (18) und Florian (20) waren schnell zu begeistern und so machte man sich ans Werk.

Bis zu zehn tierische Gäste gleichzeitig

Viel Kreativität, Hartnäckigkeit angesichts der Bürokratie und wissenschaftliche Erkenntnisse über Katzen flossen in die Pläne ein, ehe das Hotel nach und nach Realität wurde. Nicht jeder sei anfangs von der Idee begeistert gewesen, erinnert sich Neumann: „Die meisten haben mich für verrückt erklärt und gesagt, das geht nicht.“

Zwei Jahre später hat das Team den Kritikern das Gegenteil bewiesen. Maximal zehn Katzen nimmt das Hotel derzeit auf. In der Regel sind nicht alle Plätze ausgebucht. Das ist Absicht, erklärt Neumann: „Das Ziel ist es, dass wir immer genug Platz für Notfälle haben.“

Die Möglichkeiten zum Schlafen, Spielen und Klettern in den Zimmern sind groß. Manche haben Fenster nach draußen oder Katzen-TV. - Foto: Petra Schlierf

Es sind nämlich längst nicht nur Urlauber, die ihre Tiere einquartieren. Rund die Hälfte der Kunden bringen Katzen, weil sie zum Beispiel ins Krankenhaus müssen oder eine Reha-Behandlung ansteht. „Oft legen sich ältere Menschen eine Katze zu, nachdem der Partner gestorben ist. Und dann ist in solchen Fällen manchmal niemand da, der sich kümmern kann“, berichtet Neumann. Gelegentlich schickt Neumann ein aktuelles Foto an Herrchen oder Frauchen in den Urlaub oder ins Krankenhaus. „Für die meisten Menschen ist die Katze ein Familienmitglied. Wenn man zwischendurch erfährt, dass es ihr gut geht, ist man auch selber entspannter. Wir hatten schon eine Frau, die im Krankenhaus lag, und immer wieder neuen Mut gefasst hat, wenn sie eine Nachricht von ihrer Katze bekommen hat“, erzählt der Tiermediziner.

Es ist ein echtes Herzensprojekt für die ganze Familie, bestätigt seine Frau Beate. Das Team der Tierarztpraxis im selben Haus kümmert sich mit um die Hotel-Katzen. Nur, weil alle mitziehen, funktioniert das Konzept. Noch ist das Hotel querfinanziert über die Praxis, irgendwann einmal sollen zumindest die laufenden Kosten gedeckt werden. Pro Tag und Tier zahlen die Halter aktuell pauschal 19 Euro – inklusive Vollpension.