Chams Schlagader drei Tage lang dicht: Vollsperrung in der Werner-von Siemens-Straße

Von Johannes Schiedermeier · 2. September 2025 um 05:00

Diese Geschichte in Cham hat alle Zutaten, die geeignet sind, um jeden Beteiligten maximal zu nerven: Hauptdarsteller: die Verkehrsschlagader Werner-von-Siemens-Straße. Nebendarsteller: eine marode Hauptwasserleitung und Autofahrer, die Beschilderungen knallhart ignorieren.

Video ansehen

Der Star im Ensemble: eine dreitägige Vollsperrung von 8. bis 10. September. In den Nebenrollen: 17.000 Fahrzeuge pro Tag, und Bauarbeiter, die das ganze schnellstmöglich über die Bühne bringen sollen. Es braucht nur fünf Minuten auf der Werner-von Siemens-Straße, um zu erkennen, wo es hakt: Es sind viel zu viele Autos, die da kanalisiert werden müssen. Und unter den Fahrern sind etliche, die Beschilderungen offensichtlich als unnützes Beiwerk im Straßenverkehr betrachten.

Sperrbaken umkurvt

Ein Mercedesfahrer umkurvt die Sperrbaken samt Beschilderungen und kreiselt dann im Slalom immer wieder bei Gegenverkehr in die Baustelle, bis er endlich vor dem Bagger steht. Dann wird bei Gegenverkehr überholt. Es wird aufgeblendet, gehupt, der Radweg befahren...

Ein Mercedesfahrer umkurvt die Sperrbaken und fährt in den Gegenverkehr. - Foto: Johannes Schiedermeier

Für diesen spannenden Film haben sich nun die Regisseure in der Straßenmeisterei getroffen: Stadt, Stadtwerke, Staatliches Straßenbauamt, Ingenieurbüro, Polizei, Landratsamt... „Das hätten wir gerne vermieden“, sagt Bürgermeister Martin Stoiber und meint damit die Vollsperrung vom 8. bis 10. September. Doch – wie auf etlichen aktuellen Baustellen – sind alle auch diesmal überzeugt: Es ist die geringstmögliche Beeinträchtigung, die da gerade diskutiert wird.

Die Gründe für die Vollsperrung

Dafür gibt es triftige Begründungen: Auf der Trasse sichern die Stadtwerke eine effektive Versorgung mit Trink- und Löschwasser. Anschließend muss aber die gesamte Fahrbahnseite stadteinwärts asphaltiert werden. Das führt dazu, dass Franz Schindler vom Landratsamt und Christian Hiergeist von der Polizei Cham eine Vollsperrung für gesetzlich geboten halten: „Wir bekommen auf der Gegenfahrbahn die notwendige Mindestbreite nicht mehr her.“ Auf der kompletten Asphaltierung hat das Staatliche Bauamt bestanden: „Wir brauchen eine durchgehende Fahrbahn, wenn die Sache haltbar sein soll.“ Das Problem: Die Stadtwerke mussten die neue Hauptwasserleitung in der Mitte der Fahrbahn verlegen, weil im Gehweg kein Platz mehr war. Da liegen schon Strom, Breitband, Gas...

Lesen Sie dazu auch: Warum die Stadt Cham ihr Geld vergräbt

Aber warum gerade jetzt, wo es in der ganzen Altstadt Behinderungen gibt? Die Begründung: Im Boden liegt eine Wasserleitung, die von 1956 stammt. Zum ersten Mal haben sich vor zwei Jahren dort im Trinkwasser Verfärbungen gezeigt, die aber nicht gesundheitsschädlich waren. Nun hat eine anliegende Großfirma ihr Löschwassernetz auf den gesetzlichen Stand gebracht. Durchsatz: 96 Kubikmeter Löschwasser pro Minute. Dem war die Hauptwasserleitung mit 12,5 Zentimeter Durchmesser nicht mehr gewachsen. Jetzt wächst der Querschnitt auf 15 und 20 Zentimeter und es wird in Kunststoff verlegt. Das berichteten Stefan Bücherl und Sebastian Pongratz von den Stadtwerken.

„Wenn sich alle nur an die Beschilderungen halten würden, wäre Vieles einfacher“, sagen Polizei, Landratsamt und Baufirma. - Foto: Johannes Schiedermeier

„Die Stadt wächst und mit ihr die Anforderungen. Wir machen ohnehin nur das, was erste Priorität hat und investieren ständig. Aber der Bedarf wäre auf die Schnelle weder personell noch finanziell zu stemmen“, sagt der Bürgermeister. Ohnehin sei das Baustellen-Ende zunächst erst im Oktober geplant gewesen. „Wir sind schneller.“

Ziel: Mitte September

Viel Lob erhält die Baufirma Dankerl mit ihrer Chefin Barbara Dankerl. Die Arbeiten seien schwierig, aber auch extrem flott. Bis 15. September will man fertig sein – wenn es nicht wie aus Kübeln gießt... Und dann ist da noch das Staatliche Bauamt. Das hat auf 140 Metern auf eine vollständige Asphaltierung verzichtet – sonst...

Stadt, Stadtwerke, Ingenieurbüro, Baufirma, Polizei und Landratsamt versuchen die Belastungen für die Bürger zu minimieren. - Foto: Johannes Schiedermeier