Warum die Stadt Cham ihr Geld vergräbt

Von Johannes Schiedermeier · 21. August 2025 um 15:00

In der Stadt Cham liegt das Geld derzeit auf der Straße. Genau besehen, wird es dort vergraben. Und es geht schnell um Millionen. Traditionell hat Straßensanierung in den Schulferien Hochkonjunktur. Gestern hat sich eine Delegation um Bürgermeister Martin Stoiber ein letztes Mal die Million Euro angesehen, die derzeit in der Krankenhaus-Kreuzung verschwindet.

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„Es ist halt notwendig“, sagt Stoiber, und der zuständige Bauingenieur Stefan Brandl nickt. Auch der Tiefbau-Chef des Rathauses, Josef Ried, hat so seine Verständnisprobleme für manche Kritik in den Sozialen Netzwerken: „Die Stadt baut ihre Infrastruktur für ihre Bürger aus. Was soll ich sagen. Ich gebe ja zu, dass ich gerne baue. Sonst würde ich diesen Job nicht machen. Aber deswegen baue ich auch nur dort, wo es notwendig ist.“

Warum gerade jetzt?

In den Sozialen Netzwerken hat es aufgrund der zahlreichen Baustellen in Cham Kritik gegeben. Es werde unnötig gebaut. Der Bürgermeister klärt die Zusammenhänge. Die sind durchaus komplex – baulich wie terminlich. Leicht verständlich ist da noch, dass die Stadt die Krankenhaus-Kreuzung samt Schulberg frei bekommen muss, bevor Mitte September die Ferien enden. Dann wird es etwas tiefgründiger. Denn die Firma Rädlinger muss ziemlich weit in den Boden, um die Ursachen mancher Probleme zu beseitigen. Dabei geht es auch um die Kläranlage. Spätestens jetzt gehen manchen Profi-Laien in den Netzwerken die Zusammenhänge verloren.

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Die Stadt hat nämlich alle 20 Jahre die Betriebserlaubnis für ihre Kläranlage, zu erneuern. Sie muss an die Entwicklung der Stadt angepasst bleiben. In einer Stadt, die wächst, wachsen auch die Anforderungen an Wasserleitungen und Kanalrohre. Das sieht man oberflächlich daran, dass sich auf der Krankenhaus-Kreuzung immer wieder riesige Pfützen bilden, weil der bestehende Kanal mit den Niederschlagsmengen nicht mehr fertig wird. Und die Ursache dafür liegt eben tief im Boden: Der Kanal war eiförmig 40 mal 60 Zentimeter groß. Der neue Kanal hat 80 Zentimeter Durchmesser. Und manche Dinge sieht man erst, wenn man – wozu die Stadt alle zehn Jahre verpflichtet ist – den Kanal mit einer Kamera-Maus durchfährt. „Wir haben hier ziemliche Schäden gefunden. Das führt dann zu Hinterspülungen und irgendwann bricht das Rohr weg“, erklärt Ried.

Die Kläranlage wächst mit dem Kanal

Um die Kläranlage nicht durch die wachsenden Kanalquerschnitte zu überlasten, wächst sie selbst mit. Das wird weitere zehn Millionen Euro kosten. Dazwischen schaltet die Stadt noch Bauwerke, die einen Teil des Wassers auffangen, und zu einem späteren Zeitpunkt erst wieder abgeben.

Auf der Schulberg-Kreuzung steht die Ampel derzeit nur für Bagger auf Grün. Mitte September soll dort fertig saniert sein. Wenn das Wetter passt, gilt das auch für die Waldschmidtstraße. - Foto: Johannes Schiedermeier

Außerdem, sagt Bürgermeister Stoiber, ist es gut, dass genau zu diesem Zeitpunkt gebaut wird. Die Stadt hat für die momentan laufenden Sanierungen 70 Prozent Zuschuss vom Freistaat bekommen. Das sorgt für einen recht preiswerten Ausbau der anschließend nicht zu sehr auf die Abwassergebühren der Bürger drückt.

Dann naht die Flutbrücke

Die derzeitigen Sanierungen in der Schleinkoferstraße, der Waldschmidtstraße, der Krankenhaus-Kreuzung und am Schulberg haben eines gemeinsam: Sie sind kompliziert, und es pressiert. Schleinkoferstraße und Schulberg werden bis zum Schulbeginn fertig sein. Die Waldschmidtstraße ist wegen ihrer großen Asphalt-Fläche wetterabhängig. „Wenn wir Glück haben, schaffen wir das auch Mitte September, wenn nicht, dann Ende September“, sagt der Bürgermeister. Das ist gut so. Denn dann wird der Flutbrückenbau Richtung Janahof beginnen.

In der Schleinkoferstraße müssen sich die Fußgänger derzeit auf den Kopf stellen, um einen Weg zu finden. Aber auch hier soll Mitte September asphaltiert sein. - Foto: Johannes Schiedermeier