Diese Tour macht ihn nervös - Fernradler Karl Necker hat ein neues Ziel

Fernradler Karl Necker hat ein neues Ziel: Statt in die Pyrenäen oder nach Griechenland zieht es ihn mit seinem Fahrrad von Neustadt aus in eine norddeutsche Kleinstadt. 1200 Kilometer will er mit einem ganz normalen Tourenrad in acht Tagen bewältigen. Viele Steigungen inklusive. Was treibt ihn?
Diese Woche soll es losgehen. „Am Mittwoch, 10. September, will ich in Neustadt-Glewe sein. Ich bin aber noch am Planen“, sagte der 65-Jährige beim Besuch des Reporters vor wenigen Tagen. Auf dem Tisch in seinem Wohnhaus hatte Karl Necker Listen ausgebreitet. Sorgfältig hatte er darin notiert, wie viele Kilometer er an welchem Tag unterwegs sein will, wo er übernachten will und wann Pausen eingeplant sind, weil es zum Beispiel gerade regnet.
Sorgfältige Planung ist wichtig, sagt Necker. Auch für seine Frau. Die bekommt nämlich eine Kopie der Listen, damit sie weiß, wo ihr Mann gerade unterwegs ist. Außerdem hilft sie ihm bisweilen bei der Quartiersuche. Das geht via Internet auch gut von daheim und der Ehemann kann sich aufs Fahrrad konzentrieren.
1200 Kilometer liegen vor dem 65-Jährigen, der das Radfahren zu einem Hobby gemacht hat, das wenig mit Nachmittagsausflügen an der Donau oder zum nächsten Biergarten gemein hat. Karl Necker fährt 7000 bis 8000 Kilometer pro Jahr, früher kam er sogar auf 12.000 Kilometer. Andere brauchen dafür ein Auto, am besten einen Neuwagen. Karl Necker fährt Rad – aktuell ein normales Tourenrad „für unter 800 Euro“, erklärt er und zeigt auf ein „Corratec“ in seiner Garage. Daneben hängt sein Schatz, ein superleichtes Rennrad, an der Wand. Doch das ist nur für Touren in der Heimat.
Start in dieser Woche
Seit fünf Jahren hat Necker das Radfahren zu einem Hobby gemacht. Am Anfang war es Begeisterung für die Technik, das Erleben der Natur und das schnelle Gleiten auf superschmalen Reifen. Inzwischen ist es Überzeugung und fast so etwas wie Liebe geworden. „Mein Fahrrad hat eine Seele“, sagt der 65-Jährige. Er, der auch für seinen Humor bekannt ist, meint das in diesem Fall durchaus ernst.

Wenn er tagelang allein unterwegs ist und stundenlang niemanden hat, mit dem er sprechen kann, und das Fahrrad so etwas wie sein „treuer Rappe“ ist, spricht er manchmal seinem Fahrrad gut zu, lobt es. Sagt er. Zum Beispiel nach einem anstrengenden Berg, der nicht nur ihn, sondern auch das Fahrrad fordert. Dann entfleucht dem Karl schon mal ein „gut gemacht“.
In dieser Woche soll es losgehen. Vermutlich an diesem Montag. „Das wird die leichteste von meinen schweren Touren“, sagt der Neustädter. Aber dennoch ist er nervös. Auch deshalb ist er noch am Rechnen und Planen. Dabei ist eigentlich alles klar. Von Neustadt a.d. Donau soll es nach Neustadt-Glewe nahe Schwerin gehen, wo in diesem Jahr das Treffen aller Neustadts stattfindet. Die Strecke liegt fest, das Gepäck muss noch verpackt werden und Karl Necker kennt jede Etappe.
Dennoch ist die Tour in diesem Jahr eine andere als in den Vorjahren. Diese Fahrt hat eine Vorgeschichte. Und die erzählt von einem schweren Unfall. Im vorigen Jahr kollidierte Karl Necker nämlich mit einem Lkw. Danach war er lange in Behandlung, erholte sich aber, doch das Fahrrad selbst war ein Totalschaden. Auch wenn der 65-Jährige nicht groß darüber spricht, hängt ihm die Erinnerung an den Unfall nach.

Statt über den Unfall spricht er denn auch lieber darüber, dass auf all den langen Strecken, zum Beispiel durch Griechenland oder von Santiago de Compestela durch die Pyrenäen nach Deutschland oder von Neapel über Rom nach Hause nie etwas passiert ist. Nicht einmal platte Reifen habe es gegeben, beteuert er, und obwohl er kein Englisch könne, sei er überall gut durch und mit den Menschen zurecht gekommen.
„Das ist brutal“
Auf der Strecke befinden sich viele Steigungen, schon in Bayern, danach auch in Thüringen und Sachsen. Vor der Fahrt durchs Vogtland schwant ihm deshalb fürchterliches. „Da reiht sich ein Buckel an den nächsten“, hat der 65-Jährige recherchiert. Und das nötigt ihm Respekt ab. „Das ist brutal“, sagt er.
Seine Nervosität wird aber auch nicht dadurch weniger, dass er weiß, dass die Tour nach Mecklenburg-Vorpommern zwar ein Heimspiel, aber dennoch keine gmahde Wiesn ist. Von Neustadt a.d. Donau soll es zunächst nach Neustadt/Kulm, dann nach Neustadt bei Coburg gehen. Anschließend liegen Neustadt am Rennsteig, Neustadt a.d. Orla, das Vogtland und Sachsen auf der Strecke, ehe es Neustadt an der Tafelfichte, was in Tschechien liegt, und schließlich nach Neustadt-Glewe nahe Schwerin geht, wo in diesem Jahr das Treffen aller Neustadts stattfindet.

Der Grund für die Fahrt mit den vielen Neustadts ist übrigens, dass Karl Necker als Botschafter des Verbunds der Neustadts in Europa unterwegs ist. In einem extra angefertigten Pass wird abgestempelt, in welchem Neustadt er bereits war. Diese Tour wird ihm etliche neue Stempel einbringen.