Das Haus im Herzen Regensburgs, wo Papst Benedikt Kaffee trank, steht leer

Von Christian Eckl · 29. August 2025 um 15:00

Das Haus, in dem der verstorbene Domkapellmeister Georg Ratzinger lebte, ist heute leer. Dabei war nach Ratzingers Tod eine ukrainische Familie eingezogen. Was geschieht mit der Immobilie im Herzen der Regensburger Altstadt? Und was sagt der Stifsdekan zur Zukunft der anderen Häuser?

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Es ist, als würde er noch heute dort sitzen. Der am Ende seines Lebens erblindete Georg Ratzinger lebte viele Jahre in dem Haus in der Luzengasse. In der Küche las er, solange es die Sehkraft noch zuließ, morgens die Mittelbayerische Zeitung, über die er sich manchmal auch ärgerte, beispielsweise wenn sein Bruder, der Papst, in Kommentaren kritisiert wurde.

Benedikt XVI. in der päpstlichen Sommerresidenz Castelgandolfo mit seinem Bruder Georg Ratzinger - Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Später, als auch das Vergrößerungsglas nicht mehr ausreichte, da las ihm zuerst die verstorbene Haushälterin Agnes Heindl, dann Schwester Laurente die Zeitung vor. Noch heute ist die Küche so, wie Ratzinger sie damals bewohnte. Dort wurde auch der Kaffee gekocht von Agnes Heindl, als Papst Benedikt XVI. zuerst 2006 als neuer Papst zu Besuch war. Doch schon in seiner Zeit als Glaubenspräfekt kam der Kardinal, dann ohne das blutfarbene Purpur, sondern nur mit einfachem Priesterkragen, in dem Haus des Kollegiatsstifts St. Johann vorbei und besuchte seinen Bruder.

„Soll nicht so bleiben“

Heute steht das Haus in der Luzengasse aber leer. Soll das so bleiben? „Nein, keinesfalls“, sagt der Stiftsdekan Johannes Hofmann auf Anfrage. Sein Stift ist ein Relikt, eines von zweien, die in Bayern die Säkularisation überlebt haben. Das zweite ist mit dem Stift zur Alten Kapelle übrigens ebenfalls ein Regensburger. Der Zweck des Stifts ist es, seit König Ludwig I. es vor der Auflösung gerettet hat, Ruhestandspriestern über 70 Jahren eine Heimstatt zu bieten. Die lange Häuserreihe hinter dem Drogeriemarkt Müller gehört dem Stift. Hier lebte Ratzinger, bis er im Juli 2020 starb.

Die Kirchenprominenz kam, als der Domkapellmeister Georg Ratzinger im Juli 2020 zu Grabe getragen wurde. Das Bild vom Leichenzug zeigt die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller (rechts), Reinhard Marx und Erzbischof Georg Gänswein. - Foto: Archiv Eckl

„Das Haus war zwischenzeitlich immer wieder genutzt“, sagt Hofmann heute. Beispielsweise, als zu Beginn des Ukrainekriegs eine Flüchtlingsfamilie einzog. „Die lebt heute in einem anderen Objekt von uns außerhalb von Regensburg“, sagt der Stiftsdekan. Ratzinger war, wie der vor kurzem ebenfalls verstorbene Prälat Heinrich Wachter, Stiftskanoniker. Die Gemeinschaft betet zusammen in der Kirche St. Johann gleich neben dem Dom. Aber sie verwaltet auch eine große Anzahl von Immobilien in der Regensburger Altstadt und darüber hinaus. Nur noch wenig erinnere in dem Haus an den Papstbruder.

Die Küche, eine Gedenktafel am Gebäude selber. Aber auch das Arbeitszimmer ist noch geblieben, das aber stammt von einem anderen Kirchenmusiker, nämlich Peter Griesbacher. „Es ist im Jugendstil, also sehr schön. Seine Familie hat es uns vermacht.“ Auch Georg Ratzinger komponierte und liebte Musik, vor allem die Messe c-Moll von Mozart, die ihm zu seinem 85. Geburtstag von seinen Domspatzen in der Sixtinischen Kapelle 2009 „geschenkt“ wurde.

Stiftsdekan Johannes Hofmann sagt, er rechne damit, dass die Leerstände Anfang 2026 wieder bezogen werden. - Foto: Stefan Groß, Bistum Regensburg

Berufung vom Bischof

„Im Herzen sind die Papstbesuche noch präsent“, sagt Hofmann. Und auch Georg Ratzinger, der vor fünf Jahren starb. Sechs Mitglieder hat das Stift normalerweise. Derzeit sind es vier. „Wenn der Tod eine Lücke reißt, dann sind wir berechtigt, einen pensionierten Priester zu finden, der den Platz einnimmt“, sagt Hofmann. Im kommenden Jahr werden die Kanoniker deshalb zwei Priester vorschlagen,der Bischof muss die Kandidaten dann bestätigen. „2027 werden wir 900 Jahre alt. Bis dahin werden die Lücken geschlossen sein“ – und ein Kanoniker auf Georg Ratzinger folgen.

Ein weiterer Bewohner der Häuserreihe verstarb kürzlich: Prälat Heinrich Wachter, hier mit Besuch von Fürstin Gloria. - Foto: Eckl