Schandfleck soll Schmuckstück werden: Startschuss zur Revitalisierung des Platzerstadls

Von einem „historischen Spatenstich“ (auch wenn es eigentlich ein Baustart war) sprach Bürgermeisterin Alexandra Riedl am Donnerstag und angesichts der Bedeutung des Projekts auch wegen der Außenwirkung Rodings sowie der langen Planungszeit hat sie damit sicherlich Recht: Die Revitalisierung des Platzerstadls beginnt. Der zentral gelegene Schandfleck neben dem Rathaus wird zu einem Schmuckstück und zur neuen Heimat der Burschen umgebaut.
Die weiße Plane, die den Platzerstadl verhängt (mittlerweile seit vielen Jahren ein unschönes Bild) kommt weg, auf einem Bauzaun wird bereits auf den Start der Maßnahme hingewiesen. „Es ist toll, dass dieser lang ersehnte Moment endlich da ist. Hier wird etwas sehr Schönes entstehen“, erläuterte Riedl.
„Ewiges Provisorium“
Seit dem Teilabbruch des Stadls für den Ausbau der Königsperger Straße Anfang der 2000er Jahre steht das Gebäude quasi als „ewiges Provisorium“ zentral in der Altstadt vis-à-vis des Rathauses. In den vergangenen Jahrzehnten scheiterten zahlreiche Planungs- und Umsetzungsideen an wirtschaftlichen, aber auch bauplanungsrechtlichen Vorgaben oder ähnlichem. Auch ein Abriss stand zeitweise schon im Raum.
Mit dem Spatenstich der etwas anderen Art gaben Stadt und Burschenverein Roding aber nun den Startschuss für die Umsetzung eines Leitprojektes aus dem im Jahr 2024 erarbeiteten Interkommunalen Entwicklungskonzept der ARGE Regental (der Städte Roding und Nittenau sowie der Gemeinden Reichenbach und Walderbach). Es sei ein interkommunales Kultur- und Ausstellungsprojekt mit Strahlkraft über Roding hinaus, so die Rathaus-Chefin – vom städtebaulichen Missstand werde sich der historische Stadl zum neuen Zuhause des Rodinger Burschenvereins und zugleich zur Begegnungsstätte entwickeln, die auch von anderen Vereinen genutzt werden könne.

Aufgrund des interkommunalen Ansatzes wurde von der Regierung der Oberpfalz der erhöhte Fördersatz von 80 statt des Regelsatzes von 60 Prozent in Aussicht gestellt. „Das zeigt auch die Wichtigkeit des Projekts“, stellte die Bürgermeisterin heraus, die der Regierung für Hilfe und Unterstützung dankte. Das Projekt wird mit Städtebaumitteln aus dem Bund-Länder-Programm „Lebendige Zentren“ gefördert. Als Bauherrin und Eigentümerin übernimmt die Stadt die Gesamtkoordination von Planung und Umsetzung, vor allem im Bereich der Fördermittelakquise und -abwicklung unterstützt durch den Sanierungsträger DSK.
Burschen sind Hauptnutzer
Künftiger Hauptnutzer des Platzerstadls und Kooperationspartner der Stadt ist der Burschenverein, der bereits bei der Sanierung eine tatkräftige Rolle einnimmt. Erst durch die umfangreiche Eigenleistung der Burschen konnte das Projekt in Angriff genommen werden. Zukünftig sollen in dem Stadl die historischen Kutschen und Fahnen präsentiert werden sowie die Treffen des Burschenvereins stattfinden. „Wir freuen uns, dass wir mitten in der Stadt eine schöne neue Heimat finden“, sagte Vorsitzender Michael Heuberger. Der Stadl stehe aber auch anderen Gruppen und Vereinen aus der ARGE Regental auf Anfrage als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum zur Verfügung.

Für das architektonische Konzept zeichnet der Rodinger Architekt Florian Brunner (Büro quadrat 45°) verantwortlich. Durch bewusste Anpassung des Ausbaustandards an die geplanten Nutzungen sei eine wirtschaftliche, dauerhaft zukunftsfähige und zugleich architektonisch ansprechende Lösung gefunden worden.
Wir wollen beim nächsten Volksfest nicht mehr an der weißen Plane vorbeimarschieren, sondern am umgebauten Platzerstadl.
Gerd Lehner
Binnen einen Jahres sollen die notwendigen Arbeiten – unter anderem der Einbau einer Teeküche und Sanitärräumlichkeiten – im historischen Gebäude durchgeführt werden, um den Platzerstadl zum Nordgautag, der vom 16. bis 19. Juli zum ersten Mal in Roding stattfinden wird, feierlich einweihen zu können. Gerd Lehner, Vorstandsmitglied im Burschenverein und Geschäftsführer der Schindler GmbH, von der die markante Fassade kommen wird, setzte sogar noch einen etwas strafferen Zeitplan: „Wir wollen beim nächsten Volksfest nicht mehr an der weißen Plane vorbeimarschieren, sondern am umgebauten Platzerstadl.“
„Weiterer Meilenstein“
Ziel des Projekts ist es, den historischen Charakter bei der umfassenden Sanierung zu erhalten und den Stadl zu einem Vorzeigeobjekt in der Rodinger Altstadt werden zu lassen. Mit der Sanierung und Revitalisierung des ehemaligen Platzerstadls werde ein weiterer Meilenstein der Stadtsanierung in Roding umgesetzt, freut sich Riedl. Über den städtebaulichen Mehrwert hinaus werde das Projekts zur weiteren Aufwertung des Stadtzentrums wie zur Stärkung von Kultur, Tradition und Gemeinschaftsgefühl beitragen. Riedl dankte auch Architekt Brunner, der sich mit seinem Büro schon lange mit der Thematik beschäftigt und sich sehr für die Revitalisierung engagiere.
„Ich mache das gerne“, antwortete dieser. Viele Durchreisende hätten Roding mit dem mit Folie verhängten Bauwerk neben dem Rathaus in Zusammenhang gebracht, „sie dachten fälschlicherweise, dort habe es gebrannt, und die Abdeckung sei eine Zwischenlösung.“ Bald werde sich die Stadt aber an dieser markanten Stelle ganz anders präsentieren können.
Lob auch aus Walderbach
Michael Schwarzfischer, Bürgermeister der Gemeinde Walderbach, war als Vertreter der ARGE Regental zum Spatenstich gekommen und sprach von einem „tollen Projekt“. Er wünschte Stadt und Burschenverein viel Erfolg und eine schnelle Umsetzung.
Umbau: Was alles gemacht wird
Charakter erhalten: Ziel bei den Bauarbeiten ist es, den Charakter des Platzerstadls zu bewahren. Dies soll durch eine neue Giebelwand mit Holzlamellen umgesetzt werden.
Stadeltor als Zufahrt für Kutschen: Mit einem angedachten Stadeltor soll die Zufahrt für die Kutschen des Burschenvereins realisiert werden.
Verglaste Fassade: Für die Fassade sei eine Verglasung vorgesehen, damit man die Kutschen auch sehen kann. Einarbeiten will der Architekt auch den Schriftzug und das Logo des Burschenvereins – jedoch etwas versteckt als dezenter Hingucker.
Sanitäranlagen und Technik im Keller: Die alte Substanz des Stadls, dessen Fassade zur Verbreiterung der Straße bei der Altstadtsanierung zum Teil abgebrochen wurde, soll generell erhalten bleiben. Im Gewölbekeller werden Technik und Sanitäranlagen untergebracht.
Ausstellungsfläche und Teeküche im Erdgeschoss: Die Lagerfläche im Erdgeschoss soll wieder als solche genutzt werden. Neben der Ausstellungsfläche sollen ein Raum für weitere Vereinsutensilien und eine Art Teeküche entstehen.
Rund 150 Quadratmeter Nutzfläche: Die Nutzfläche liegt bei insgesamt etwa 150 Quadratmetern, davon 100 im Erdgeschoss als Ausstellungsfläche und 50 in der Galerie.
Orientieren am historischen Vorbild: Auch der Holzboden orientiert sich am historischen Vorbild. Außerdem sei geplant, überall dort, wo es möglich ist, das Bruchsteinmauerwerk zu erhalten.