Eine Balustrade oder mehr Eigenverantwortung? Zwei Kommentare zu den Absperrungen auf der Walhalla

Nach einem tödlichen Sturz auf der Walhalla warnen massive Absperrungen die Besucher vor den Gefahren. Die Maßnahmen werden heftig diskutiert. Reporter Christian Eckl findet, dass eine Balustrade her muss. Kollege Thomas Kreissl appeliert an die Eigenverantworung der Menschen.
Die ganze Geschichte hinter der Petition lesen Sie hier: Weg mit den Absperrungen: Donaustaufer CSU startet Online-Petition zur Walhalla
Lebendiges Denkmal
Ein Mensch ist gestorben. Und wir diskutieren ernsthaft darüber, ob ein Geländer die Sicht auf das Denkmal Walhalla behindert? Natürlich: Leben ist lebensgefährlich. Man kann die Menschen nicht vor sich selbst schützen. Aber immer wieder sterben Menschen, weil sie einen unbedachten Schritt tun und tief stürzen. Das darf nicht so bleiben. Eine Balustrade, gerne historisierend, muss her. Denkmalschutz, wie wir ihn heute kennen, gab es lange nicht. Noch in den 50er und 60er Jahren sanierte der heute umstrittene Denkmalhüter Walter Boll Gebäude wie das Heuport so, wie er sich die Gotik vorstellte – und wünschte. Davon ist man heute weit entfernt. Doch dass auch Denkmäler lebendig sind, das hat man vor einigen Jahren im Dom gemerkt. Dort wurde ein Gitter in einer Seitenkapelle angebracht. Und eine riesige Domorgel. Argument damals: Man könnte die Eingriffe zurückbauen. Es gibt durchaus elegante Lösungen. Die Schmiedearbeiten am Schloss St. Emmeram beispielsweise. Ein Geländer in dem Stil würde niemandem weh tut – wer weiß, vielleicht hätte eine solche Balustrade an der Walhalla ihrem Erbauer, König Ludwig I., sogar gefallen.
Alle Zäune dieser Welt
Eines vorneweg: Ja es sind extrem tragische Unglücksfälle, die sich auf der Walhalla ereignet haben. Und es ist furchtbar, wenn bei einem solchen Unglück ein Mensch stirbt. Vor allem dann, wenn das Unglück vermeidbar erscheinen mag. Doch ist es gerade dieser Umstand, der es schwer macht, über die Ursachen zu diskutieren und die Schlüsse, die daraus gezogen werden sollten. Wo ein Mensch gestorben ist, darf es keine Rolle spielen, ob Absperrungen nicht schön oder wenig ästhetisch sind. Die Sicherheit geht vor! Die Frage ist: Kann es diese Sicherheit wirklich geben? Ist es möglich, den Menschen immer und überall vor den Folgen von Fehltritten zu bewahren? Nein. Das ist es nicht. So viele Zäune gibt es gar nicht, dass sie vor jedem unüberlegten Schritt, vor jeder falschen Bewegung – und vor jedem Tritt ins Leere schützen könnten. Wer in unserer Welt unterwegs ist, muss auch ein Stück Eigenverantwortung mitnehmen. Er muss wissen, was er tut und dass überall Gefahren lauern können, vor denen es nicht immer und überall einen Schutz gibt – und dass das Schicksal manchmal unerbittlich zuschlägt.