In alte Zeiten zurückversetzt: Beim 35. Rosstag in Bad Kötzting ist erstmals ein Totenwagen dabei

Von Sabrina Kauer · 26. August 2025 um 11:00

Wo heute mit computergesteuerten Hightech-Systemen gepflügt wird, wurde früher mit hölzernen Geräten, die von Ochsen oder Pferden gezogen wurden, gearbeitet. Sind es heute Rückewagen, die die schweren Baumstämme aus dem Wald transportieren, waren es früher Rückepferde, meist Kaltblüter, die die Stämme aus dem Wald zogen.

Diese alten Gepflogenheiten werden beim 35. Rosstag am kommenden Sonntag in Bad Kötzting unter dem Motto „Landwirtschaft und Handwerk von damals“ wiederauferstehen. Verantwortlich dafür ist die Kaltblut- und Haflingerzüchtervereinigung Bayerischer Wald. Deren Vorsitzender ist Andreas Vogl (41) aus Arnbruck. „Wir wollen den jungen Leuten das Handwerk von damals näher bringen“, sagt er und fügt hinzu: „Viele Sachen gehen durch die moderne Technik verloren.“ Der Rosstag soll helfen, dass die Arbeitsweisen aus früheren Zeiten „nicht vergessen werden“.

Hochzeitskuh mit dabei

So werden unter anderem ein Beetpflug, eine Sternwalze sowie Unkrautspritze, eine Kartoffelschleuder oder ein Dreschwagen zu sehen sein. Auf weiteren Wagen werde beispielsweise Kraut eingemacht, es werden Schindeln hergestellt und Scheren geschliffen. Heuer seien laut Vogl 127 Wagen dabei – mehr als in den vergangenen Jahren. Erstmals zu sehen seien diesmal unter anderem ein Totenwagen mit einer Truhe, ein Kammerwagen – „auf dem ist alles oben, was dem Deandl, das vom Hof weggeheiratet hat, mitgegeben wurde“ –, eine Hochzeitskuh und ein Besenbinder.

Der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Bad Kötztinger an der Spitze, weitere 13 Blaskapellen sowie mehrere Reitergruppen komplettieren den großen Festzug am Sonntag. Dabei werden etwa 350 Pferde durch Bad Kötzting ziehen.

Aus der Ehrenkutsche werde unter anderem Michaela Kaniber, Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, die für den Rosstag die Schirmherrschaft übernimmt, grüßen. MdL Martina Englhardt-Kopf und MdL Dr. Gerhard Hopp werden ebenfalls zu sehen sein. Wie stark der Rosstag besucht werden wird, hänge laut Vogl stark vom Wetter ab.

Generell würden sich immer mehr Leute für den großen Festzug am Sonntag interessieren. Im vergangenen Jahr seien es etwa 5000 Schaulustige gewesen. „Vor allem die jungen Leute wollen sehen, wie der Großvater damals g’hampert hat“, sagt Vogl, der weiß, dass „alles, was mit Holz zu tun hat und von Pferden gezogen wird“, gut bei den Besuchern ankommt.

Rosstag 2024: Am Samstag beim Gottesdienst zum Auftakt des Rosstages werden Pferde, Reiter und Gespanne gesegnet. - Foto: Isabell Dachs
Rosstag 2024: Ein Beetpflug, gezeigt von Christian Drexler aus Landorf. Die Rosserer legen viel Wert auf authentische Kleidung, wenn alte Geräte vorgeführt werden. - Foto: Isabell Dachs
Rosstag 2024: Die Familie Rauscher präsentiert seit Jahren den Hakenzylinder, die erste mechanische Dreschmaschine. - Foto: Isabell Dachs
Rosstag 2024: Der Wagen der Zimmerei Mühlbauer aus Kammern, gefahren von Matthias Irrgang aus Rimbach, ist jedes Jahr ein Blickfang. - Foto: Isabell Dachs
Rosstag 2024: Blitzschnell war die Feuerwehr, dargestellt von Marco Wühr mit seiner Mannschaft. - Foto: Isabell Dachs

Beim Rosstag mitmachen dürfe grundsätzlich jeder. Der Vorstand der Kaltblut- und Haflingerzüchtervereinigung Bayerischer Wald lege fest, welche Wagen wie groß dabei sein dürfen. „Es soll ja ein Bild haben“, so der Vorsitzende, der im Moment mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt ist. Seit Pfingsten werde für den Rosstag hergerichtet. Unterstützung erhalte er dabei von der Stadt Bad Kötzting und seinen Mitgliedern. „Ich habe das selbst unterschätzt: Der Rosstag ist wie ein Volksfest. Aber toi, toi, toi – wir sind ein super Team. Es ist eine gute Zusammenarbeit in der Vorstandschaft“, sagt Vogl.

Kein Missbrauch

Ihm sei zudem wichtig zu betonen: Die Pferde beim Rosstag seien alle für die Veranstaltung geeignet, sagt er. Es würden keine Tiere dabei sein, „die nicht fit sind“. „Die Pferde werden nicht missbraucht. Die Rösser, die dabei sind, werden das ganze Jahr eingespannt“, sagt Andreas Vogl.

Im Gegensatz zu seinem zwölfjährigen Sohn Alois wird Vogl selbst beim großen Festzug nicht auf einem Wagen mitfahren. Stattdessen werde er im Hintergrund mit den Streckenposten kommunizieren, Bier- und Essensmarkerl verteilen, Ehrengäste begrüßen und sie ihren Kutschen zuweisen – und wenn dann doch einmal Luft sein sollte in einem ruhigen Eckchen beim Lindner-Bräu eine Mass Bier genießen.

Wissenswertes für Besucher und Teilnehmer

• Samstag, 30. August: Um 17 Uhr Gedenkgottesdienst beim ersten Pfingstrittevangelium; circa 17.45 Uhr Einzug (je nach Witterung durch die Innenstadt) zum Lindner-Bräu; 19 Uhr Festauftakt mit der Familienmusik Freund

• Sonntag, 31. August: 10.30 Uhr Frühschoppen; 11 Uhr Vorführung historischer Handwerksberufe; 12.30 Uhr Festrede der Landwirtschaftsministerin und Schirmherrin Michaela Kaniber jeweils beim Lindner-Bräu; 13.30 Uhr Großer Festzug; Ausklang mit Blaskapelle Per Du beim Lindner-Bräu

• Großer Festzug am Sonntag: Aufstellung in der Bahnhofstraße, von dort aus über Marktstraße, Hauser Straße, Dampfbachstraße, Jahnstraße und Ludwigstraße zum Lindner-Bräu; Ansager in der Bahnhofstraße, am Alten Rathaus und am Marktplatz; Wenn die Ehrenkutsche der Ministerin am Alten Rathaus vorbeifährt, hält der Festzug kurz an; Eintritt: fünf Euro.

• Parkplätze: Rund um Bad Kötzting, beispielsweise bei Supermärkten, auf dem Jahnplatz oder bei K+B expert.

Die Route des großen Festzugs am Sonntag - Foto: Isabell Dachs