Wenn in Furth im Wald der Ritter im Harnisch vor der Wagenburg brät

Nach einem letzten „Klack“ ist die Welt ausgesperrt. Durch das geschlossene Visier der Halsberge dringt gedämpft der Schlachtruf der Kaiserlichen: „St. Georg“. In den zwei engen Sehschlitzen taucht ein Schwertkämpfer mit Schild in der Bresche der hussitischen Wagenburg auf. Ich richte die Hellebarde auf ihn aus. Ein dumpfer Knall mitten auf dem Brustharnisch... Ich hasse Bogenschützen.
Ich falle theatralisch auf die Knie, Gras wächst durch das Visier und es wird dunkel. „Schöner sterben in Furth“ heißt die Devise, nach der die Ritter in den Feldschlachten des Mittelalterlagers Cave Gladium leben. Und an Tagen wie diesem verläuft ohnehin alles nach besonderen Gesetzen.
Die Versuchung
An diesem Freitag brüten 31 Grad über dem Chambtal. Im Schatten, wohl gemerkt. Der Arena haben sich in der prallen Sonne rund 50 Kämpfer versammelt. Waffen werden geprüft und Rüstungen kontrolliert. 30 Kilo Eisen kommen langsam auf Temperatur. Erste Wasserbecher werden gereicht. Nach mehr als einer halben Stunde sind alle durch... -geschwitzt und -kontrolliert.

Angeführt von Mich Grundl marschiert Arma Georgii zum Schlachtfeld. Dort sollen wir – die Waffen des Heiligen Georg – wie jedes Jahr die Hussiten bekämpfen. Obwohl wir damals am 14. August 1431 in der Schlacht bei Taus eigentlich nur geflüchtet sind.
Sterben auf dem Weg zur Schlacht
Auf dem halben Kilometer rund um das Feldlager verlieren wir die ersten beiden Kämpfer. Wenn man zu nah an seinem Lager vorbeikommt, ist die Versuchung in der stickigen Rüstung groß... Mein Lager ist weit weg. Lieber sterben.
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Ein Bogenschütze erfüllt mir im ersten Durchgang diesen Wunsch. Die in den Reihen der Fußkämpfer recht unbeliebte Gilde hat mir einmal verraten, warum sie so gerne auf mich schießt – oft wurde ich von drei Pfeilen gleichzeitig getroffen. Erst war es der auffällige grün-weiße Waffenrock. Als ich den weggelassen habe, war es die neue Hochglanz-Rüstung vom Meindl Klaus, die mich zur Zielscheibe macht. Da hab ich die mattiert. Heuer ist es der kleine Kampfschild, den ich links gemeinsam mit der Hellebarde trage. „Schön klein“, hat der Bogenschütze gesagt. – Bonk!
Großes Ritterbraten
In fünf Schlachten sterbe ich an diesem Tag zwei mal. Jedes Mal Pfeile. Hatte ich schon erwähnt, dass ich Bogenschützen nicht leiden kann? Ansonsten ist großes Ritterbraten angesagt. Der Schweiß läuft aus den Ärmeln in die eisernen Kampfhandschuhe und macht das Leder glitschig.

Dann befiehlt der Grundl Mich auch noch einen Sturmlauf außen um die Wagenburg rum. Das ist hart, aber erfolgreich. Wir rollen im Neuner-Pulk die Flanke auf, am Ende stoßen wir zu Viert von hinten durch die Bresche. Die Bogenschützen haben mich scheinbar übersehen. Übrigbleiben hat übrigens noch einen Vorteil: Man spart sich die Auferstehung mit 30 Kilo Eisen... Andererseits muss man nicht um die Wagenburg rennen, wenn man sterbend irgendwo rumhängt. Es hat alles seine Vorteile.
Freitag, Samstag, Sonntag Feldschlacht. Nicht zu vergessen die beiden übelsten Schlachten: Aufbauen und Abbauen. Das hinterlässt Spuren. Der Abend entschädigt dann mit Kerzenschein und einem Pokal mit Rotwein. Die Romantik eines riesigen Feldlagers im Fackelschein ist schon ziemlich unbezahlbar.
Nach dem Cave...
Zurück im Alltag. „Wir brauchen Silikon für die Dusche“, hat die beste Ehefrau von allen gesagt. Aus dem Baumarkt hab ich dann Material für einen neuen großen Kampfschild mitgebracht. Man ahnt es – wegen der Bogenschützen. Und ein bisserl Silikon. – Nach dem Cave ist vor dem Cave. Aber ganz ehrlich: Das eigene Bett ist im Alter schon super. Abgesehen davon, dass ich von Bogenschützen geträumt habe. – Bonk!
