Gefährliches Löschmittel im Grundwasser – Warum wurde in Neustadt mit PFAS gelöscht?

Von Jochen Dannenberg · 22. August 2025 um 05:00

Es gab einen großen Knall, ein langanhaltendes Donnern und dann ein Feuer, das über 400 Feuerwehrleute einen Tag lang beschäftigte: Die Explosion in der Bayernoil-Raffinerie in Neustadt (Landkreis Kelheim) zu Beginn des Jahres beschäftigt erneut die Behörden. Jetzt wurde nämlich bekannt, dass auch PFAS-haltiger Löschschaum bei den Löscharbeiten eingesetzt wurde.

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Der Einsatz dauerte den ganzen Tag. 30 Feuerwehren waren am Brandort, insgesamt waren 415 Feuerwehrkräfte im Einsatz. Immer wieder wurden Feuer gelöscht, im übrigen aber ließ man die Anlage kontrolliert abbrennen. Weil niemand wusste, welche Stoffe bei dem Unglück freigesetzt worden waren, wurde die Bevölkerung unmittelbar nach der Explosion aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Diese Warnung wurde nach wenigen Stunden aufgehoben.

Sicher ist jetzt, dass einem Teil des Löschwasser PFAS-haltiges Schaummittel beigegeben war. Das gilt als gesundheitsgefährdend, es gibt Bestrebungen für ein PFAS-Verbot. Das Mittel wird in Dosen von unter einem Prozent dem Löschwasser beigemischt, was zunächst harmlos erscheinen mag. Tatsächlich wurden beim Brand in der Raffinerie jedoch 15 Millionen Liter Löschwasser verunreinigt, wie BR 24 als erste berichtet.

Ein Teil davon konnte demnach im Boden versickern, deshalb wurde auch Grundwasser verunreinigt. Das weitere Löschwasser konnte aufgefangen und über eine Aktivkohleanlage noch am Raffineriegelände gereinigt werden, was auch Recherchen der Mittelbayerischen bestätigen.

Landratsamt: „Situation wird sich nicht wiederholen“

Unklar ist, warum PFAS-haltiger Löschschaum zum Einsatz kommen konnte, nachdem der Einsatz des Mittels im Landkreis Kelheim und im Nachbarlandkreis Pfaffenhofen a.d. Ilm in der Vergangenheit zu Problemen geführt hat. Begrifflich ging es früher insoweit vor allem um PFT, wobei die Begriffe PFAS und PFT im Wesentlichen die gleiche Gruppe von Chemikalien bezeichnen.

Auf eine entsprechende Anfrage erklärte Margarita Limmer, Pressesprecherin am Landratsamt Kelheim, in einer ersten Reaktion: „Ein Tanklöschfahrzeug einer Freiwilligen Feuerwehr hatte PFAS-haltiges Schaummittel im Schaummitteltank und setzte dieses auch ein.“ Weiter sagte Limmer: „Diese Situation wird sich bei künftigen Einsätzen nicht wiederholen, weil bei den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Kelheim kein PFAS-haltiges Schaummittel mehr vorhanden ist. Ob nach Löscheinsätzen auf eine mögliche Verunreinigung hin untersucht wird, wird im jeweiligen Einzelfall in Absprache mit der zuständigen Fachbehörde entschieden.“

Auf weitere Nachfrage der Mittelbayerischen erklärte das Landratsamt Kelheim: „Grundsätzlich ist die Verwendung von PFAS-haltigen Schaummitteln erst ab April 2026 für Freiwillige Feuerwehren verboten. Trotzdem wurden die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Kelheim in der Vergangenheit darauf hingewiesen, etwaige Restbände von PFAS-haltigen Schaummitteln nicht mehr zu nutzen bzw. fachgerecht entsorgen zu lassen. Die Verwendung des PFAS-haltigen Schaummittels wurde mit der betroffenen Freiwilligen Feuerwehr im Nachgang kritisch besprochen. Nähere Auskünfte werden nicht erteilt.“