Regensburger Serien-Spanner auf freiem Fuß – Opfer: „Ich will wissen, wie er aussieht“

Von Philip Hell · 21. August 2025 um 17:00

Eine junge Regensburgerin wird Opfer eines Spanners. Sie lockt den Mann in eine Falle, die Polizei nimmt ihn fest, er sitzt in Untersuchungshaft. Nun ist der 40-Jährige wieder auf freiem Fuß. Nicht nur das schockiert die Frau.

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Es war ein Sonntag im Winter, als ihr der Mann auffiel, erzählt Maria R. der Mittelbayerischen. Es ist nicht der echte Name der jungen Frau, die unweit der Universität in einer Erdgeschosswohnung lebt. Sie habe damals am Abend bemerkt, dass sich jemand vor ihrer Jalousie bewegt. Sie habe den Rollladen geschlossen, doch der Unbekannte habe durch einen kleinen Schlitz mit seiner Handykamera weiter hineingeleuchtet, erinnert sich Maria. Sie habe sich mit einer Flasche bewaffnet und das Rollo wieder geöffnet.

„Da war er schon wieder weg.“ Außerdem sei ihr aufgefallen, dass jemand die Zigaretten in ihrem Aschenbecher am Boden verteilt habe. Die junge Frau kaufte sich eine Kamera, ließ am Sonntag darauf die Jalousie etwas offen und machte das Licht an. „Ich habe ihn in eine Falle gelockt.“ Und tatsächlich: Der Mann tauchte wieder auf. Kniend versucht er, in die Wohnung hineinzublicken. Das ist auf dem Überwachungsvideo zu sehen, das Maria der MZ zeigt.

Reihenweise Vorfälle in Regensburg: Spanner verlässt Gericht auf freiem Fuß

Sie zeigt die Aufnahmen im Dezember der Polizei. Daraufhin gehen die Beamten verstärkt auf Streife – und erwischen tatsächlich einen heute 40-Jährigen. Schnell ist klar: Er ist der Spanner. Der Mann kommt in Untersuchungshaft. Mitte August steht er vor Gericht. Ihm werden zahllose Spannervorfälle nachgewiesen. Dazu kommen mehrere sexuelle Übergriffe. Der Mann räumt alles ein. Er habe aus Langeweile und Einsamkeit gehandelt, sagt sein Anwalt. Letztendlich wurde er zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Er habe durch sein Geständnis seinen Opfern die Aussage erspart, sagte der Richter. Der Eritreer verließ den Gerichtssaal als freier Mann.

Maria erfuhr von diesem Urteil aus der Zeitung. Beim Prozess sei sie nicht als Zeugin geladen gewesen, wenngleich sie das Verfahren erst ins Rollen gebracht habe. Dabei hätte sie vor allem interessiert, wie der Mann aussieht, der sie wochenlang durch die Jalousie angestarrt hat. Sie wolle den Täter identifizieren können. „Was ist, wenn er im Bus neben mir sitzt? Habe ich nicht das Recht, zu wissen, wie er aussieht?“ Sie sei auf Behörden zugegangen, alle hätten sie auf den Datenschutz verwiesen.

Amtsgericht: Richter entscheidet selbst über Beweismittel

Warum durfte Maria nicht aussagen? Nachfrage bei Anton Kreuzer, Vize-Sprecher des zuständigen Amtsgerichts Regensburg. Natürlich seien die Sorgen der Betroffenen nachvollziehbar. Grundsätzlich sei aber jeder Richter dafür zuständig, zu entscheiden, welches Beweismittel in der Hauptverhandlung behandelt wird. „Hierbei spielt bei Sexual- oder auch Stalking-Verfahren oft eine Rolle, ob vermieden werden kann, dass das Tatopfer dem Täter in öffentlicher Verhandlung gegenübertreten muss.“ Im vorliegenden Fall sei der Täter geständig gewesen. „Zur Verifizierung des Geständnisses lagen Beweisvideos vor und es wurden Polizeibeamte als Zeugen gehört.“

Maria kann das Argument des Opferschutzes nur bedingt nachvollziehen. Durch ihr Video sei der Fall schließlich erst ins Rollen gekommen. Sie verstehe, dass es für manche Menschen traumatisierend sein kann, dem Täter gegenüberzutreten. „Auch für mich wäre es sicher nicht leicht gewesen, im Gericht zu erscheinen“, sagt Maria. „Aber ich habe keine psychologische Hilfe gebraucht. Ich habe mir nur Informationen gewünscht – und dass ich beteiligt werde.“

Vor Gericht zog es der Spanner vor, nicht fotografiert zu werden. - Foto: Philip Hell

„Bin ich das Problem? Nein! Er ist das Problem!“

Die Vorfälle haben bei Maria keine Spuren hinterlassen, sagt die junge Frau. Nur vorsichtiger sei sie geworden. „Jetzt verstehe ich, was meine Mutter meinte, als sie sagte, ich solle nachts auf mich aufpassen.“ Umziehen will Maria nicht. „Darf ich denn in meiner Wohnung nicht so sein, wie ich will? Darf ich jetzt im Sommer den Rollo nicht aufmachen?“ Viele würden ihr raten, wegzuziehen. „Aber ist die Wohnung das Problem? Ist die Stadt das Problem? Bin ich das Problem? Nein! Er ist das Problem!“

Maria wird das Gefühl nicht los, dass das Urteil ungerecht ist. Es möge zwar sein, dass juristisch alles korrekt lief. „Aber ist das gerecht? Ich hätte es besser gefunden, wenn er ein paar Jahre in Haft darüber nachgedacht hätte, was er getan hat.“ Der Eritreer steht vier Jahre unter Bewährung. Er muss sich bei einer psychotherapeutischen Fachambulanz vorstellen, um an seinem Problem zu arbeiten. Große Hoffnungen hegt Maria nicht. „Ich glaube, dass er es wieder tut.“

Atemgeräusche im Busch: Neuer Vorfall?

Und dann ist da noch ein mysteriöser Vorfall, den Maria schildert. Wenige Tage, nachdem der Mann auf freien Fuß kam, hat jemand aus ihrem Wohnblock einen Unbekannten dabei gesehen, wie er in ihrer Wohnanlage umherschlich. Die Polizei sei gerufen worden. Die Polizeiinspektion Regensburg Süd bestätigt einen Einsatz in jener Nacht. „Es wurden Atemgeräusche aus dem Gebüsch wahrgenommen.“ Beamte hätten vor Ort allerdings niemanden mehr festgestellt. Es wird folglich nicht ermittelt. Der Vorfall geht Maria nicht aus dem Kopf. „Ich sage nicht, dass er es war. Aber was, wenn doch?“