Ärgerlich für Pendler: Was steckt hinter den Schwertransporten auf der B16?

Von Andreas Loscher · 20. August 2025 um 11:00

In diesen Tagen ist auf der B16 im Bereich zwischen Kelheim und Regensburg Geduld gefragt: Überdimensionale Kabeltrommeln sorgen derzeit für Verzögerungen zwischen den beiden Städten. Doch was hat es mit den Lastern auf sich?

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Wer in diesen Tagen auf der B16 zwischen Kelheim und Regensburg unterwegs ist, braucht Geduld. Bedächtig schieben sich Tieflader über die Hügel Richtung A93-Auffahrt bei Pentling. Auf ihren Ladeflächen: überdimensionierte Kabeltrommeln, jede mehr als 80 Tonnen schwer. Begleitfahrzeuge sichern die Kolonne ab und halten den Verkehr auf Abstand.

Für die B16, ohnehin eine stark befahrene Pendlerstrecke, bedeutet jeder dieser Schwertransporte ein zusätzliches Staurisiko. Vor allem Berufspendler aus dem Landkreis Kelheim, die nach Regensburg fahren, bekommen die Verzögerungen zu spüren.

Abstimmung schwierig

Vorgesehen sind die Kabel für ein Megaprojekt, an dem momentan unter anderem im Landkreis Regensburg gebaut wird: „Die in Kelheim gelagerten Kabeltrommeln sind für den Einsatz im Rahmen des Projekts Südostlink vorgesehen. Von dort aus werden sie per Schwertransport zu verschiedenen Baustellenabschnitten gebracht – vereinzelt auch über die B16“, bestätigt Fabian Herbst, Pressesprecher von Tennet, dem Übertragungsnetzbetreiber.

Eine zeitgenaue Abstimmung der Schwertransporte über die B16 sei allerdings kaum möglich, sagt Herbst: „Da die Terminplanung unter anderem auch vom Fortschritt der Tiefbauarbeiten abhängt und oft kurzfristig erfolgt, können wir keine langfristigen Angaben zu Häufigkeit oder exakten Zeitpunkten treffen.“ Fest steht jedoch: Bis die Verlegearbeiten abgeschlossen sind, werden die übergroßen Kabelrollen regelmäßig zum Straßenbild gehören.

Erste Transporte seien bereits Ende vergangenen Jahres erfolgt, weitere folgten seither – „überwiegend in den Nacht- oder frühen Morgenstunden, um den Verkehr so wenig wie möglich zu beeinträchtigen“.

Der Ursprung der Schwertransporte auf der B16 liegt dabei im Kelheimer Hafen. Dort wurde in den vergangenen Monaten ein Lager für das Großprojekt errichtet. Über 200 Kabeltrommeln sind hier seit 2023 zwischengelagert, weitere 300 im Regensburger Hafen. Von dort treten sie ihren Transport an, zu den jeweiligen Baustellenabschnitten.

Der Südostlink ist neben dem Südlink eine der beiden großen Stromautobahnen, die Deutschland für die Energiewende baut. Die Hochspannungs-Gleichstromtrasse soll Windstrom aus dem Norden in die verbrauchsstarken Regionen Bayerns leiten. Im Freistaat wird sie vollständig als Erdkabel realisiert: Auf rund 270 Kilometern werden vier Leitungen in zwei parallel verlaufenden Gräben verlegt.

„Totale Energie-Hunger“

Die Dimensionen sind gewaltig. Im Kelheimer Hafen kam eigens ein 400-Tonnen-Raupenkran zum Einsatz, um die gigantische Fracht von den Binnenschiffen zu heben. Eine einzelne Trommel misst bis zu zehn Meter in der Länge, hat einen Durchmesser von viereinhalb Metern und enthält bis zu 1750 Meter Kabel – bei einem Gewicht von bis zu 82 Tonnen. Produziert werden die Kabel von der italienischen Prysmian Group, überwiegend in Frankreich. Das Auftragsvolumen beläuft sich laut dem Kabelhersteller auf mehrere hundert Millionen Euro.

Für die Politik gilt der Südostlink als Schlüsselprojekt. Schon heute seien die Stromnetze hoch ausgelastet, warnte die Bundesregierung kürzlich. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach beim Baustart des westlicher verlaufenden Südlink in Unterfranken von einem „totalen Energie-Hunger“. Die Trassen sollen diesen Hunger stillen.

Der Zeitplan ist ambitioniert: Bereits im Jahr 2027 soll der Südostlink laut Bundesnetzagentur in Betrieb gehen. Dann sollen die Leitungen rund vier Gigawatt Windstrom transportieren, genug, um Millionen Haushalte zu versorgen.