Bau des Südost-Links rückt näher: Kelheimer Hafen wird zum XXL-Kabellager

Der Kelheimer Hafen spielt eine zentrale Rolle beim größten Stromtrassen-Bau seit Jahrzehnten.
Bislang kämen die Stromtrassen-Bauer des Südost-Links in Bayern nicht weit. Knapp 30 Kabelrollen liegen im Kelheimer Hafen. Im Zuge des Trassenbaus wird dieser zum XXL-Kabellager. Der Südost-Link ist eines der zentralen Projekte der Energiewende. Noch 2023 soll der Bau starten. Die Trasse soll einmal wie der Name sagt, den Südosten der Republik mit Strom aus Ostsee-Windparks versorgen.
Im Hafenbecken hat die „MS Sylvana“ festgemacht. 700 Tonnen Kabelrollen warten aufs Entladen. Dafür wurde eigens ein 400-Tonnen-Raupenkran am Kai aufgebaut. Herr über diesen ist Michael Wissmann. Er ist seit 35 Jahren im Geschäft. Seit sieben Jahren arbeitet er bei der Kran-Firma Schmidbauer. Dieser Job ist für ihn „kein Hexenwerk“, sagt er.
Mit Blick auf sein Berufsleben wird klar: Der Mann hatte schon ganz andere Kaliber am Haken. Lange Jahre baute er an Bohrinseln in Brasilien mit. In Deutschland hob er etwa kolossale Stahl-Brückenelemente für die Rügen-Querung ein.
In Frankreich gefertigt
Die Hälfte der Ladung der „Sylvana“ haben Wissmann und die Kollegen bereits an Land gehievt. Nun ist Binnenschiffer Sebastian de Groot gefragt. Damit Wissmann mit dem Kran die restlichen Rollen zu fassen bekommt, muss de Groot wenden. Er hat mit seinem Güterschiff die Kabelrollen aus Rotterdam angeliefert. Gefertigt wurden sie für den italienischen Auftraggeber in Frankreich.
Die „Sylvana“ ist das vierte Schiff, das in Kelheim Kabelrollen anliefert. Seit dem Frühsommer ist Wissmanns weißer Koloss am Kai aufgebaut. Unter sich hat er ein Fundament aus Sand und Holzbohlen, damit sich das Gewicht gut verteilt und der Kranführer mit der Last vor und zurück fahren kann.
Nach einem Probelauf soll der Takt der Schiffslöschungen hochgefahren werden. Bis zum Frühjahr sollen 90 Güterschiffe blaue XXL-Rollen anliefern.
Einmal „umparken“, bitte!
De Groot wirft den Motor seines Schiffes an. Weil der Kran fest installiert ist, muss der Schiffsführer wenden. Das geht nur an der Hafenausfahrt. Denn die „Sylvana“ ist 110 Meter lang, das Hafenbecken aber nur 75 Meter breit, sagt Hafenmeister Peter Hagenauer.
Gut zehn Minuten später „parkt“ Sebastian de Groot diesmal mit dem Heck voran wieder vor dem Raupenkran ein. So dass Wissmann und seine Kollegen die restlichen Kabelrollen abladen können.
Sebastian de Groot: „Das war Zentimeter-Arbeit an den Schleusen“
Für den Binnenschiffer ist diese Fracht ganz gut, sagt er. Im Gegensatz zu 1800 Tonnen Weizen, die er häufig bewegt, sind die Kabelrollen nahezu ein „Leichtgewicht“. Das bedeutete für ihn, weniger Spritverbrauch. Dafür aber Zentimeter-Arbeit beim Durchfahren der zahlreichen Schleusen am Main-Donau-Kanal. Weil die „Sylvana“ deutlich weniger Tiefgang hatte, musste de Groot an jeder Schleuse seinen Führerstand versenken.
Egal, ob er Kabelrollen, Mais, Sand oder Holz transportiert. Sein Schiffs-Wachschutz ist immer im Einsatz. Schäferhund Rex weicht ihm auch beim Gespräch mit unserer Zeitung kaum von der Seite.
Patrick Rauschenbach ist derweil quasi an zwei Orten gleichzeitig gefragt. Eigentlich disponiert er bei Schmidbauer Schwertransporte. Seit Kurzem ist er auch für den Kabelrollen-Auftrag zuständig. Als Einweiser vor Ort.
In Kelheim und Regensburg lagern die Kabelrollen
Neben Kelheim hat der Auftraggeber auch im Regensburger Hafen eine Lagerfläche angemietet. Während es in der Kreisstadt gerade los geht, ist das Areal in der Domstadt mit Platz für 300 Kabelrollen größtenteils gefüllt. In Kelheim sollen insgesamt an die 200 Stück gelagert werden.
Zu Rauschenbachs Job zählt auch die Abnahme der Kabelrollen. Bevor Entladen wird, nimmt er sie genau in Augenschein. Transportschäden dokumentiert er. Bislang war dies nur ein Mal der Fall, sagt er.
Während die Sylvana noch entladen wird, muss Rauschenbach ein paar hundert Meter weiter am Kelheimer Lagerplatz ein anderes Problem lösen. Unerwartet sind dort zwei Tieflader vorgefahren, mit „kleineren“ Kabelrollen oben auf.
Überraschung in XL: Zwei Tieflader fahren vor
Weil auch die per Schiff antransportierten Rollen per Lkw dorthin gefahren werden, steht auch dort ein Kran bereit. Jetzt gilt es zu organisieren, dass der 300-Tonnen-Mobilkran auch die „Überraschungen“ auf Halde packt. Noch wirkt die Fläche – so groß wie fünf Fußballfelder – verwaist. Bis in knapp einem halben Jahr soll sich das ändern. Dann werden sich Kabelrollen unterschiedlichster Länge und Größe aneinander reihen. Eine Rolle ist bis zu 82 Tonnen schwer und hat 800 und 1750 Meter Kabel intus, so Rauschenbach.
Die Neuzugänge von der „Sylvana“ sind zehn Meter lang und haben einen Durchmesser von viereinhalb Metern. Alles, was in Kelheim und Regensburg angeliefert wird, wird zwischen Landshut und Hof verbaut werden. Das wird mindestens bis 2027 dauern.


















